Warteliste für Ostereier: Strauße an der Müritz legen träge los
Strauße an der Müritz: Warteliste für Ostereier

Warteliste für Ostereier: Strauße von der Müritz wollen nicht loslegen

In Vipperow an der Südmüritz herrscht in diesem Frühjahr eine ungewöhnliche Ruhe auf dem Straußenhof von Silke Brandt. Die sonst so zuverlässigen Straußenhennen zeigen sich träge und haben bis 17 Tage vor Ostern gerade einmal fünf Eier gelegt. „Zwei haben wir gegessen, die anderen kommen in den Hofladen“, erklärt die Unternehmerin, die seit 26 Jahren Strauße züchtet. Der Grund für diese Legefaulheit ist der zögerlich weichende Winter und das spärlich wachsende Gras.

Natur bestimmt den Rhythmus

„Da können wir noch so viel zufüttern. Wenn das Gras nicht wächst, legen die Strauße nicht. Das hat die Natur so eingerichtet“, sagt Silke Brandt. Die Tiere spüren instinktiv, dass fehlendes Gras bedeutet, ihre Jungen nicht ausreichend ernähren zu können. Doch die 55-Jährige bleibt optimistisch: Ein paar warme Tage und ein kräftiger Wachstumsschub beim Grünzeug könnten die Hennnen in den letzten Tagen vor Ostern doch noch in Fahrt bringen.

Die Eier, jedes ein bis zwei Kilogramm schwer und mit dem Inhalt von bis zu 30 Hühnereiern, sind als Geschenkideen zu Ostern sehr gefragt. „Es gibt eine Warteliste. Wir nehmen Bestellungen an“, so Brandt. Ob jeder Interessent ein frisches Ei abbekommt, entscheiden letztlich die Strauße selbst.

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Imposante, aber gefährliche Bewohner

Silke Brandt hält 45 Strauße, darunter auch Hähne, die bis zu zweieinhalb Meter groß und 140 Kilogramm schwer werden. Trotz ihres lang-bewimperten Dackelblicks können diese Vögel übellaunig werden. Sie spreizen die Flügel, stolzieren herum und lassen ihre Saurierkrallen heraushängen. Ein besonders aggressiver Hahn bekommt einen dicken Hals und rote Beine und stößt ein Löwengebrüll aus.

„Zu dem gehen wir selbst auch nicht rein. Besucher lasse ich nicht mal in die Nähe. Wenn wir auf die Weide müssen, dann mit Traktor“, beschreibt Brandt den Umgang mit diesem Schützling. Blessuren habe schon jeder in ihrer Familie davongetragen, auch der Hund und die Katze. „Das bleibt nicht aus und ist normal, wenn man mit solchen Tieren arbeitet.“ Ernsthaft verletzt worden sei jedoch noch niemand, doch die Warnung ist stets präsent: „Wenn der angreift, tötet er Sie. Er tritt nach vorn und erwischt Sie mit seiner Kralle.“

Sicherheitsvorkehrungen und Alltag auf dem Hof

Doppelte Zäune und Strom sorgen dafür, dass die Strauße nicht entkommen und Unbefugte nicht eindringen können. Nur einmal habe sich ein Gast des nahen Fusion-Festivals in einem Gehege versteckt und sei von der Polizei herausgeholt worden. „Mehr Glück als Verstand muss der Mann gehabt haben“, meint Brandt. Die Strauße hätten ihn ignoriert.

Im Normalfall seien die Wüstenvögel jedoch entspannt und elegant in ihren Bewegungen. Silke Brandt, die ursprünglich Wirtschaftskauffrau war und in Berlin lebte, führt heute einen „ganz normalen Landwirtschaftsbetrieb“ mit Sorgen und Nöten wie jede andere Bäuerin. Ihre Tiere dienen der Gewinnung von Fleisch, Eiern, Leder und Federn.

Herausforderungen des Winters

Der Winter mit anschließendem Glatteis und Schmelzwasserflut war eine große Herausforderung. Mithilfe von Partner und erwachsenen Kindern schob Brandt schneefreie Inseln für die Vögel, die instinktiv das Glatteis mieden, um sich nicht die Beine zu brechen. Die finale Tauwetter-Flut überstanden alle schadlos, nur die Tränken schwammen weg, wurden aber wiedergefunden.

Aufgewachsen auf einem Bauernhof, wollte Silke Brandt eigentlich nie Landwirtin werden. Als sie das Anwesen übernahm, wechselte sie von Schafen auf zunächst sechs Strauße um. Heute dreht sich bei ihr alles um diese Vögel, und alle Familienmitglieder helfen mit. Ihre Kinder, 29 und 25 Jahre alt, wollen beruflich jedoch „auf keinen Fall etwas mit Straußen machen“, wie Brandt lachend erzählt.

Produkte und Tipps für Kunden

Neben dem Hofladen an der Bundesstraße 198 verkauft Brandt ihre Produkte auch auf Stadt- und Dorffesten. Auf regulären Wochenmärkten ist sie nicht anzutreffen, da dies personell und mengenmäßig nicht zu schaffen sei. Für die steigende Nachfrage vor Ostern bietet sie trotz des momentanen Eiemangels selbst gebastelte Gestecke aus Straußeneierschalen, Eierlikör und mehr an.

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Für jene, die Straußenei essen möchten, hat sie einen praktischen Tipp: Ein Loch mit einer Schere oder Rouladennadel hineinpicken und dann mit einem Trinkhalm ausblasen – „wie bei einem Hühnerei“. Absonderliches habe sie schon erlebt, etwa Urlauber, die mit Trennschleifern an die Eier gehen. Dabei sei schweres Gerät bei den größten Ostereiern der Welt völlig überzogen.