Deutsche Reeder verweigern Zahlung an Iran für Hormus-Passage
Die angespannte Lage in der strategisch wichtigen Straße von Hormus spitzt sich weiter zu. Der Iran setzt seine Ankündigung offenbar um und fordert nun eine Durchfahrtsgebühr für Schiffe, die diese bedeutende Meerenge passieren. Nach Angaben des Analyseunternehmens „Windward“ soll diese Abgabe etwa einen US-Dollar pro transportiertem Barrel Öl betragen. Für große Öltanker könnte dies schnell mehrere Millionen Dollar ausmachen. Doch deutsche Reedereien zeigen sich entschlossen: Sie werden diese sogenannte Mullah-Maut nicht bezahlen.
Völkerrechtliche Bedenken und Sanktionsrisiken
Der Verband Deutscher Reeder, der die betroffenen Frachtunternehmen vertritt, äußert sich deutlich zu den Forderungen aus Teheran. „Grundsätzlich sehen wir entsprechende Forderungen kritisch“, heißt es in einer Stellungnahme. „Die Straße von Hormus ist eine internationale Meerengenroute. Nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen gilt hier das Prinzip der Transitdurchfahrt, das eine freie und ungehinderte Passage garantiert.“ Eine Gebührenerhebung durch den Iran verstoße daher sogar gegen geltendes Völkerrecht.
Besonders brisant: Sollten Reedereien tatsächlich Zahlungen an die iranischen Behörden leisten, könnten sie als Unterstützer des sanktionierten Regimes belangt werden. „Sollten Zahlungen direkt oder indirekt an sanktionierte Akteure erfolgen, entstünden erhebliche Risiken“, warnt der Verband. Aus diesem Grund werde „weder die Zahlung entsprechender Gebühren noch eine Passage unter den aktuellen Bedingungen in Betracht gezogen“. Selbst Sicherheitsbehörden würden von solchen Zahlungen dringend abraten.
Rechtliche Komplexität und Versicherungsprobleme
Die rechtliche Situation ist dabei eindeutig, aber gleichzeitig gefährlich. Maritim-Experte Professor Henning Jessen erklärt: „Diese Situation ändert sich nur, wenn die geltenden Sanktionsregeln vorübergehend angepasst oder aufgehoben würden.“ Solange dies nicht geschieht, bleiben deutsche Schiffe in einer schwierigen Position.
Zusätzlich verschärft wird die Lage durch Probleme beim Versicherungsschutz. Zwar stellt der Lloyd‘s of London, ein bedeutender Versicherungsmarktplatz, klar, dass Kriegsrisiko-Versicherungen weiterhin verfügbar sind. Doch das Angebot ist eingeschränkt. Raik Becker, Leiter Marine, Cargo und Logistik beim Versicherungsmakler Marsh, erläutert: „Für Schiffe wird weiterhin Deckung gegen Kriegsgefahren angeboten, für die Ladung ist das Angebot deutlich eingeschränkt.“
Die ohnehin riskante Situation wird durch diese Unsicherheit weiter verschärft. „Das Risiko eines Totalverlusts ist derzeit weiterhin sehr hoch“, betont Professor Jessen. Diese Unsicherheit treibt die Versicherungsprämien in die Höhe. Während Versicherungen in Friedenszeiten kaum ins Gewicht fallen, sind die Kosten seit Beginn der Konflikte regelrecht explodiert.
Explodierende Versicherungskosten
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: „Verglichen mit sicheren Regionen haben sich die Prämien deutlich mehr als verdreifacht“, so Becker. Werte von bis zu fünf Prozent des Schiffswertes seien „durchaus realistisch – je nach Risikoprofil auch darüber oder darunter“. Für einen großen Öltanker mit einer Fracht von bis zu drei Millionen Barrel bedeutet dies: mehrere Millionen Dollar zusätzliche Kosten pro Fahrt – und das noch ohne die geforderte iranische Durchfahrtsgebühr.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont: Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hat für Freitag zu neuen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran eingeladen. Ob diese diplomatischen Bemühungen zu einer Entspannung der Lage führen können, bleibt jedoch abzuwarten. Bis dahin halten deutsche Reedereien an ihrer klaren Haltung fest: Keine Zahlungen an das iranische Regime und keine Passage unter den aktuellen Bedingungen.



