Juristin aus der Regierungszentrale wechselt in die Rüstungsbranche
Eine erfahrene Juristin und Regierungsberaterin verlässt das Bundeskanzleramt, um ihre Karriere in der boomenden Rüstungsindustrie fortzusetzen. Marie Theres Niedermaier, die seit Jahren in verschiedenen Positionen der Bundesregierung tätig war, tritt bei Stark Defense an, einem Berliner Start-up, das sich auf die Produktion von sogenannten Kamikazedrohnen spezialisiert hat.
Von der Politik zur Verteidigungstechnologie
Niedermaier hat ihre berufliche Laufbahn zunächst in einer Großkanzlei begonnen, bevor sie in den öffentlichen Dienst wechselte. Sie arbeitete zunächst im Finanzressort unter Christian Lindner und wechselte dann im Sommer 2023 als persönliche Referentin von Wirtschaftsberater Jörg Kuckies ins Bundeskanzleramt. Nach einer kurzen Rückkehr ins Finanzministerium ist sie seit Herbst 2025 wieder in der Regierungszentrale tätig, wo sie in der Abteilung von Levin Holle als Referentin für Wirtschafts- und Finanzpolitik agierte.
Ihr neuer Arbeitgeber, Stark Defense, wurde erst Anfang 2024 von ehemaligen Bundeswehr-Offizieren gegründet und zählt zu den drei Unternehmen, die kürzlich von der Bundeswehr mit der Lieferung von „Loitering Munition“-Systemen mittlerer Reichweite beauftragt wurden. Das Start-up bietet aktuell die Kamikaze-Drohne Virtus an, die senkrecht starten kann, eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern hat und bis zu fünf Kilogramm Sprengstoff transportieren kann.
Bereits frühere Berührungspunkte mit der Branche
Bereits während ihrer Zeit im Finanzministerium hatte Niedermaier Berührungspunkte mit der Start-up-Szene und der Verteidigungstechnologie. Als Referentin für Finanzpolitik war sie unter anderem mit Themen wie Risikokapital für junge Tech-Unternehmen und der „European Tech Champions“-Initiative befasst, die Wachstumsfinanzierungen für europäische Unternehmen unterstützt.
In einem Abschiedspost auf LinkedIn bezeichnete sie Interims-Finanzminister Jörg Kuckies als ihren „coolsten, nettesten und beeindruckendsten Chef“. Öffentliche Auftritte, beispielsweise bei der Digitalkonferenz re:publica in Berlin, unterstreichen ihr Engagement in diesem Bereich.
Kontroverse um Investoren und politische Wechsel
Stark Defense steht nicht nur aufgrund seiner Produkte im Fokus, sondern auch wegen seiner Investorenstruktur. Der umstrittene US-Wagniskapitalgeber Peter Thiel ist seit Gründung des Start-ups beteiligt, ebenso wie ein Sohn des Axel-Springer-Chefs Mathias Döpfner. Diese Beteiligungen hatten bei der jüngsten Vergabeentscheidung der Bundeswehr für Bedenken gesorgt, was dazu führte, dass der Haushaltsausschuss die geplanten Beschaffungssummen erheblich beschränkte.
Niedermaier ist nicht die erste Person aus der Politik, die zu Stark Defense wechselt. Zuvor hatte bereits der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt den Schritt in das Berliner Unternehmen gewagt, was damals Kritik wegen möglicher Interessenkonflikte auslöste, da Arlt zuvor im Verteidigungsausschuss des Bundestags gesessen hatte.
Das Bundeskanzleramt und Stark Defense haben sich zu dem Personalwechsel bisher nicht offiziell geäußert. Niedermaier selbst wollte den Schritt nicht kommentieren, während das Unternehmen angab, die Personalie „zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren“ zu wollen. Das Kanzleramt verwies auf seine grundsätzliche Praxis, Personalangelegenheiten nicht öffentlich zu diskutieren.



