Einkommensteuer-Reform: Wer profitiert und wer verliert?
Einkommensteuer-Reform: Gewinner und Verlierer

Konzepte zur Reform der Einkommensteuer: Wer profitieren könnte – und wer draufzahlen müsste

Die Bundesregierung plant, Erwerbstätige mit kleineren und mittleren Einkommen zu entlasten. Doch müssen die Spitzenverdiener und Reichen dafür zahlen? Berechnungen von Steuerexperten zeigen, ob Sie zu den Gewinnern zählen könnten. Von David Böcking und Gerald Traufetter.

Finanzminister Klingbeil (SPD) und Kanzler Merz (CDU) stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen die Einkommensteuer reformieren, ohne die Haushaltskasse zu stark zu belasten. Die Koalition hat sich darauf geeinigt, dass vor allem Gering- und Mittelverdiener entlastet werden sollen. Doch die Frage nach der Gegenfinanzierung bleibt offen.

Wer profitiert von der Reform?

Steuerexperten haben verschiedene Modelle durchgerechnet. Bei einem Modell, das den Grundfreibetrag anhebt und den Eingangssteuersatz senkt, würden vor allem Alleinstehende mit einem Jahreseinkommen von bis zu 40.000 Euro profitieren. Ein Single mit 30.000 Euro Jahreseinkommen könnte bis zu 500 Euro weniger Steuern zahlen. Auch Familien mit Kindern würden entlastet, insbesondere durch eine Erhöhung des Kinderfreibetrags.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wer müsste draufzahlen?

Um die Entlastungen zu finanzieren, wird über eine Anhebung des Spitzensteuersatzes diskutiert. Bislang liegt dieser bei 42 Prozent für Einkommen über 62.000 Euro (Ledige). Eine Erhöhung auf 45 Prozent würde vor allem Gutverdiener treffen. Auch die Reichensteuer von 45 Prozent für Einkommen über 277.000 Euro könnte auf 48 Prozent steigen. Steuerexperten warnen jedoch vor negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Leistungsbereitschaft.

Berechnungen zeigen die Effekte

Das Institut für Steuerrecht hat verschiedene Szenarien durchgerechnet. Bei einem Modell, das den Spitzensteuersatz auf 45 Prozent anhebt und den Grundfreibetrag auf 12.000 Euro erhöht, zahlen 70 Prozent der Steuerzahler weniger, 20 Prozent zahlen mehr und 10 Prozent bleiben unverändert. Die Mehreinnahmen von rund 5 Milliarden Euro würden vollständig zur Entlastung der unteren Einkommen verwendet.

Kritiker bemängeln, dass die Reform zu komplex sei und bürokratische Hürden schaffe. Zudem sei unklar, ob die Entlastungen tatsächlich bei den Bürgern ankommen oder durch höhere Sozialabgaben aufgefressen werden. Die Regierung plant, die Reform bis zum Jahresende zu verabschieden, sodass sie ab 2027 greifen könnte.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration