Dehoga-Chef warnt: Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern steckt in tiefster Krise
Dehoga-Chef: Tourismus in MV in tiefster Krise

Dehoga-Chef warnt vor verzerrter Darstellung der Tourismuslage in Mecklenburg-Vorpommern

Während offizielle Stellen optimistische Zahlen zum Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern verbreiten, zeichnet Lars Schwarz, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in MV, ein düsteres Bild. Der Experte bezeichnet die Jubelmeldungen der Landestourismusgesellschaft und von Tourismus-Staatssekretär Jochen Schulte als "sträflich falsch" und warnt vor einer gefährlichen Verzerrung der Realität.

Offizielle Zahlen versus betriebswirtschaftliche Realität

Laut aktuellen Angaben der Landestourismusgesellschaft verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr etwa 8,2 Millionen Gäste, was einem leichten Anstieg von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Übernachtungszahlen sollen bei 33,3 Millionen gelegen haben, ein Plus von 1,2 Prozent. Offiziell wird 2025 damit als zweitbestes Tourismusjahr seit 35 Jahren gefeiert.

Doch diese Statistiken täuschen nach Ansicht von Lars Schwarz über die tatsächliche wirtschaftliche Situation hinweg. "Der politische Blick auf die Übernachtungszahlen verkleistert den Blick auf die Realität", kritisiert der Dehoga-Chef im Gespräch mit dem Nordkurier. "Wir treten auf der Stelle."

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Dramatische Einbrüche bei Umsätzen und Erlösen

Die eigentliche Krise offenbart sich in den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der einzelnen Betriebe. Schwarz nennt alarmierende Zahlen: Im Gastgewerbe ist zwischen 2019 und 2025 ein Umsatzrückgang von 18 Prozent zu verzeichnen. "Was nützen mehr Übernachtungen, wenn die Gäste in der Wertschöpfungskette viel weniger Geld ausgeben?", fragt der Verbandschef rhetorisch.

Die geringeren Erlöse stehen dabei in krassem Gegensatz zu den steigenden Betriebskosten. Höhere Energiepreise und Personalkosten müssen mit schwindenden Einnahmen bewältigt werden. Schwarz betont: "Die Situation ist so schwierig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr."

Investitionsstau und verschärfter Wettbewerb

Die prekäre finanzielle Lage hat direkte Auswirkungen auf die Zukunftsfähigkeit der Branche. "Wie soll die Branche in Infrastruktur und ihre Häuser investieren, wenn die Erlöse immer geringer ausfallen?", stellt Schwarz die entscheidende Frage. Dabei sind dringende Investitionen notwendig, um die Attraktivität der Destinationen zu erhalten.

Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerbsdruck. Schleswig-Holstein hat sich zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber entwickelt, und auch die Kreuzfahrtbranche zieht potenzielle Gäste ab. Nicht zu unterschätzen ist zudem die gesamtgesellschaftliche und politische Lage, die nicht unbedingt zu Urlaubsplanungen animiert.

Aussichten für die kommende Saison

Für das Jahr 2026 zeigt sich Schwarz zwar vorsichtig optimistisch - das Jahr sei gut angelaufen, und er hofft auf einen erfolgreichen Sommer an der Ostseeküste, auf Rügen, Usedom, Hiddensee, dem Darß und an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Doch die grundlegenden Probleme bleiben bestehen. Die Diskrepanz zwischen offiziellen Besucherzahlen und der wirtschaftlichen Realität in den Betrieben gefährdet nach Ansicht des Dehoga-Chefs die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Tourismuslandes Mecklenburg-Vorpommern. Eine ehrliche Bestandsaufnahme und zielgerichtete Maßnahmen zur Stärkung der betrieblichen Rentabilität sind dringend erforderlich.

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