Erste Rückholflüge für gestrandete Touristen im Nahen Osten gestartet
Frankfurt/Dubai/Berlin • Für Tausende im Nahen Osten gestrandete Deutsche beginnt die lang ersehnte Heimreise. Nach der Eskalation des Nahost-Konflikts hat die Bundesregierung ihre Rückholaktion für besonders hilfsbedürftige Personen gestartet. Ein erster Flug soll in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vom Oman aus abheben, um Kinder, Kranke, Schwangere und ältere Menschen nach Deutschland zurückzubringen.
Notfallpläne laufen an
Außenminister Johann Wadephul (CDU) bestätigte die Pläne und erklärte gegenüber dem Sender Welt TV: „Wir müssen schauen, wen wir dort mitnehmen können.“ Die Passagiere müssen zunächst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten über Land in den Oman ausreisen, was für viele eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Das Auswärtige Amt hat sein Personal vor Ort verstärkt, um die Evakuierung zu unterstützen.
Seit dem Wochenende sitzen Zehntausende Menschen in der Region fest, nachdem zahlreiche Staaten ihren Luftraum geschlossen haben. Kreuzfahrtschiffe liegen in Häfen fest, und viele Urlauber wissen nicht, wann sie ihre Reise fortsetzen können. Die Verzweiflung unter den Touristen ist groß, und die Bundesregierung stand in der Kritik, nicht genug für die Gestrandeten zu tun.
Erste Linienflüge landen in Deutschland
Bereits am Dienstag kamen die ersten Urlauber mit Linienmaschinen nach Deutschland zurück. Eine Maschine der Fluggesellschaft Emirates landete in Frankfurt am Main, ein weiterer Flieger erreichte München. An Bord waren unter anderem rund 200 Gäste des Reisekonzerns Tui.
Die Erleichterung bei den Rückkehrern und ihren Familien war enorm. „Wir wussten nicht, ob wir wieder rauskommen“, berichtete eine junge Frau unter Tränen, die auf einem Kreuzfahrtschiff festsaß. Ein Familienvater erklärte: „Ich glaube, wir hatten Glück, weil wir den Kleinen dabei hatten.“ Sein Sohn habe quasi als Eintrittskarte für den Flughafen gedient, während Freunde der Familie nur auf einer Warteliste landeten.
Forderungen nach Ausweitung der Rückholaktion
Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic forderte die Bundesregierung auf, den Kreis der Evakuierten zu erweitern. „Wir sprechen über Zehntausende deutsche Staatsangehörige in der Region. Es müssen weitere Unterstützungspläne folgen“, sagte er dem Magazin „Focus“. Besonders dringlich sei die Situation junger Menschen, die für ein Freiwilliges Soziales Jahr vor Ort seien, teils im Auftrag der Bundesregierung.
Laut Wadephul sind weitere Rückholflüge in den kommenden Tagen geplant. Er zeigte sich optimistisch: „Ich bin guter Dinge, dass wir jetzt in den nächsten Tagen vorankommen“, so dass die meisten deutschen Touristen bald zurückkehren könnten. Allen anderen Reisenden müsse man entweder einen längeren Aufenthalt zumuten oder Flüge direkt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten anbieten.
Hintergrund des Konflikts
Die Eskalation begann am Samstagmorgen mit Luft- und Raketenangriffen von Israel und den USA auf den Iran. Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion. Unklar bleibt, wann der Krieg endet und der Luftraum wieder geöffnet wird. Auch andere Länder haben mittlerweile Evakuierungsflüge für ihre Staatsbürger gestartet.
Die Angehörigen am Flughafen Frankfurt atmeten erleichtert auf, als die ersten Rückkehrer eintrafen. Für viele bleibt jedoch die Unsicherheit, wann auch sie ihre Lieben wieder in die Arme schließen können.



