Schweriner Traditionsgasthaus wechselt nach drei Jahrzehnten den Besitzer
In der Schweriner Altstadt hat ein bedeutender Wechsel stattgefunden, der viele Stammgäste erleichtert aufatmen lässt. Das beliebte Gasthaus „Zur guten Quelle“ in der Schusterstraße hat nach mehr als 30 Jahren in Familienhand einen neuen Eigentümer gefunden. Die langjährigen Wirte Kerstin und Matthias Theiner haben ihr Restaurant zum 1. April 2026 an Nicole Schladeck übergeben, die bereits das nahegelegene Weinhaus Wöhler leitet.
Ein Abschied mit wehmütigem Herzen
„Kannst du dir vorstellen? Ich werde im Sommer schon 64 Jahre und Matthias 65“, erklärt Kerstin Theiner mit einem Lächeln. Das Ehepaar blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die tief in der Schweriner Gastronomieszene verwurzelt ist. Mehr als drei Jahrzehnte haben sie das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1690 bewirtschaftet – sie in der Küche, er im Service und der Organisation. Sieben Tage die Woche war das Lokal geöffnet, ein Rhythmus, der seine Spuren hinterlässt.
„Da kannst du nie abschalten“, bestätigt Matthias Theiner, der vielen auch als Dehoga-Sprecher bekannt ist. „Irgendwas ist immer. Mal ist die Kaffeemaschine kaputt, mal einer krank.“ Doch trotz der Herausforderungen hielten die Theiners stets an ihrem Gasthaus fest, das sie nach der Wendezeit sogar erwarben und umfassend sanierten.
Von der Bierkneipe zum Traditionsrestaurant
Die Geschichte der „Quelle“ reicht weit zurück. Ursprünglich als reines Bierlokal geführt, flossen in den Hochzeiten bis zu 1000 Liter Lübzer Pils pro Woche über den Tresen. Der Partykeller war Treffpunkt für Handballer von Post Schwerin und Fußballer von Dynamo, während im Gastraum Menschen aller Gesellschaftsschichten zusammenkamen – vom Kohleträger bis zum Theaterintendanten.
Nach der Übernahme durch Matthias Theiner entwickelte sich das Lokal zu einem Restaurant mit solider Hausmannskost. Sauerfleisch, Soljanka und das legendäre Schweinesteak mit Würzfleisch wurden zu kulinarischen Markenzeichen. Die dunklen Holzvertäfelungen, der traditionelle Tresen und die beständige Atmosphäre schufen einen Ort, der wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Neue Inhaberin mit Herz für Tradition
Nicole Schladeck, die neue Besitzerin, verliebte sich sofort in das charmante Fachwerkhaus. „Ich liebe alte Häuser, aber ich habe nie darüber nachgedacht, selbst eins zu kaufen“, gesteht die Geschäftsführerin des Weinhauses Wöhler. „Dieses wunderschöne Haus und der liebevoll geführte Familienbetrieb – ich hatte einfach ein gutes Gefühl.“
Für Schladeck ist die Gastronomie eine Herzensangelegenheit. Nach Jahren im Bankwesen, wo ihr der Kontakt zu Menschen fehlte, schätzt sie die geselligen Runden, Hochzeiten und Taufen, die ihr Leben bereichern. Ihr Vater, in Schwerin geboren, freut sich besonders über den Umzug in seine Heimatstadt.
Kontinuität als oberstes Gebot
Die neue Inhaberin hat klare Pläne für die Zukunft der „Quelle“: Fast alles soll so bleiben, wie es ist. „Warum ändern, was gut läuft?“, fragt sie rhetorisch. Sogar alle Mitarbeiter wurden übernommen, darunter Philipp, der Sohn der Theiners, der weiterhin als Chefkoch tätig ist.
„Ich werde sogar schon auf der Straße von Gästen angesprochen“, berichtet Nicole Schladeck. „Die sagen dann, Frau Schladeck, das Würzfleisch muss unbedingt auf der Karte bleiben.“ Diese Bitte wird sie erfüllen – die beliebten Gerichte bleiben erhalten, ebenso wie der charakteristische Charme des Hauses.
Neue Kapitel für alle Beteiligten
Für Kerstin und Matthias Theiner beginnt nun der wohlverdiente Ruhestand. „Wir wollen viel auf Reisen gehen“, verrät Matthias Theiner. „Unser Traum war immer, mal nach Japan zu kommen. Das machen wir jetzt.“ Daneben werden sie sich um ihre Enkelkinder kümmern, die in derselben Straße wohnen.
Die „Quelle“ selbst bleibt weiterhin ein fester Anlaufpunkt in der Schweriner Altstadt – für Stammgäste, Urlauber und alle, die solide Hausmannskost in historischem Ambiente schätzen. Das Traditionslokal hat seine Zukunft gesichert, während seine Gründer neue Horizonte erkunden.



