Die Brohmer und Helpter Berge liegen nordöstlich vor den Toren Neubrandenburgs. Eckhard Behr erkundete die Region als Pedalritter und geriet ins Schwärmen.
Eine Radtour durch die Helpter Berge
Bevor ich mich auf den Weg machte, informierte ich mich bei Annette Suchanow-Krull. Sie betreibt das Pfarrhof-Catering in Schönbeck und ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Brohmer & Helpter Berge Tourismusvereins zuständig. Am Telefon schwärmte sie von den Wäldern, Seen, Biotopen, Galerien und kulinarischen Köstlichkeiten der Region.
Die Helpter Berge sind knapp 180 Meter hoch. Ich radelte durch das Datzetal nach Glienke, überquerte die B 197 und fuhr leicht bergan nach Eichhorst und weiter nach Brohm. Diese Tagestour umfasste rund 80 Kilometer und bestätigte mir: Diese Region ist ein Muss für Naturliebhaber.
Brohm – Tor zu den Bergen
Brohm gilt als Tor zu den Brohmer Bergen. Südländer würden über die Bezeichnung „Berge“ schmunzeln, denn die Helpter Berge mit knapp 180 Metern sowie Brohmer, Fuchs- und Schanzenberg mit rund 120 bis 130 Metern sind eher Erhebungen. Doch sie bieten bei schönem Wetter einzigartige Ausblicke bis zum Haff bei Ueckermünde.
In Brohm führte mich mein Weg zum nördlichsten Stausee, dessen Bau 1969 begann und dessen Wasser der Beregnung landwirtschaftlicher Flächen dient. Sehenswert ist die 1997 erbaute Fischtreppe, die „Brohmer Wasserterrassen“.
Abstecher zum Pastorspring
Nach einer Stunde am Stausee und einer Stärkung aus dem Rucksack fuhr ich zur Schönbecker Christuskirche mit Sauerorgel. Annette Suchanow-Krull hatte mir einen Abstecher zum „Pastorspring“ empfohlen. Also trat ich kräftig in die Pedale, um die zehn Kilometer nach Schönbeck zu bewältigen.
Als Neubrandenburger freue ich mich seit drei Jahren über die neue Orgel in der Konzertkirche. Dass nur wenige Kilometer entfernt ein weiteres Kleinod der Orgelbaukunst steht, ist vielen unbekannt. Die Geschichte der Schönbecker Orgel begann 1835, als der Schmied Ernst Sauer Orgelbauer wurde. Sein Sohn Wilhelm setzte das Werk fort und wurde 1884 zum Königlichen Hoforgelbaumeister ernannt. Seine Firma baute über 1100 Orgeln weltweit.
Die restaurierte Sauerorgel in der Christuskirche hat acht Register und wurde 2005 von der Sauer Orgelbau GmbH Frankfurt/Oder restauriert. Sie war das letzte Instrument unter Wilhelms Leitung und ein Geschenk an die Kirchgemeinde Schönbeck.
Der Pastorspring – ein artesischer Brunnen
Schönbeck hat eine weitere Besonderheit: den „Pastorspring“, einen artesischen Brunnen. Anders als normale Brunnen wird das Wasser hier durch Überdruck nach oben gepresst. Entstanden ist der Brunnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als viele Brunnen verunreinigt waren. Pastor Friedrich Schreiber bat das Großherzogliche Amt Burg Stargard um Abhilfe. Im Juli 1896 durchbrach der Brunnenbauer beim dritten Versuch in 9,5 Metern Tiefe eine wasserundurchlässige Schicht. Seither sprudelt sommers wie winters Wasser nach oben. Der Brunnen ist stark eisenhaltig und schmackhaft.
Die Luisenlinde in Galenbeck
Ich setzte meine Tour nach Galenbeck fort, um die einzige erhaltene zweistöckige Tanzlinde Norddeutschlands zu sehen. Auf dem Podest um die Linde können 24 Personen Platz nehmen. Die 1788 gepflanzte Linde heißt „Luisenlinde“ zu Ehren der preußischen Königin Luise. Jährlich findet dort das Dorffest statt.
Unweit der Tanzlinde liegt der Galenbecker See, ein altes Naturschutzgebiet mit seltener biologischer Vielfalt. Auf einem Lehrpfad kann man seltene Pflanzen bestaunen. Von der Aussichtsplattform genießt man einen herrlichen Blick. Hier leben Seeadler, Blaukehlchen, Eisvögel, Kreuzottern und Fischotter.
Einkehr im Milchschafhof
Auf dem Heimweg machte ich einen Umweg zum Milchschafhof von Oliver Barf in Schönhausen. Er lebt seit 2015 in der Region und hat einen Hof mit rund 200 Tieren aufgebaut. Er stellt drei Sorten Schnittkäse, Frischkäse und Joghurt her. Im Hofladen gibt es Lammfleisch, Lammwurst und Fleisch von Sattelschweinen. Die Öffnungszeiten erfragt man telefonisch unter 0157 588 438 63.
Mit Proviant aus dem Hofladen radelte ich zurück nach Neubrandenburg – nach einem Tag voller Erlebnisse vor der Haustür und mit der Gewissheit: Ich komme wieder!



