Kreuzfahrt im Kriegsgebiet: Urlauber in Doha festgesetzt - Stornierung verweigert
Kreuzfahrt im Kriegsgebiet: Urlauber in Doha festgesetzt

Kreuzfahrt im Kriegsgebiet: Urlauber in Doha festgesetzt - Stornierung verweigert

Statt eines Traumurlaubs im Orient erleben deutsche Kreuzfahrt-Touristen derzeit einen Albtraum im Kriegsgebiet. Seit dem 28. Februar sitzen hunderte deutsche Passagiere auf den Schiffen „Mein Schiff 5“ und „Mein Schiff 4“ in den Häfen von Doha und Abu Dhabi fest, während sich der militärische Konflikt im Nahen Osten zuspitzt.

Urlaubsstimmung weicht Kriegsrealität

Christian Wolff (64) aus Berlin befindet sich seit dem 19. Februar gemeinsam mit seiner Frau an Bord der „Mein Schiff 5“. Die geplante Route sollte über Sir Bani Yas Island und Abu Dhabi nach Dubai führen, doch seit Samstag liegt das Schiff im Hafen von Doha fest. Statt romantischer Sonnenuntergänge beobachten die Passagiere Abwehrdrohnen am Himmel, das Essen im Restaurant wird von Donner und Knallen begleitet, und alle Außenbereiche des Schiffs sind gesperrt.

„Hin und wieder sind Alarmsirenen zu hören, oder der Notfall-Handyalarm wird ausgelöst“, berichtet Christian Wolff. Von den rund 2500 Passagieren an Bord sei keine Urlaubsstimmung mehr zu spüren. Ein Rückflug ist wegen des gesperrten Luftraums über der Region derzeit nicht möglich.

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Stornierung trotz Sicherheitsbedenken verweigert

Bereits Anfang Februar wollte das Ehepaar Wolff die fast 6000 Euro teure Reise stornieren. „Aufgrund der sich zuspitzenden Lage in der Region gingen wir davon aus, dass es in den folgenden Tagen zu Konflikten kommen würde“, erklärt Christian Wolff. Doch das Reiseunternehmen lehnte ab: Eine Stornierung sei nicht möglich, da die Stornofrist abgelaufen sei und keine offizielle Reisewarnung für die Region vorliege.

Erst am Samstag, nachdem die Schiffe bereits im Hafen festsaßen, gab das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung für die Region heraus. „Die Aussage unseres Außenministers Wadephul im deutschen Fernsehen, das Auswärtige Amt habe bereits vor sechs Wochen eine Reisewarnung für diese Region ausgesprochen, ist schlichtweg falsch“, kritisiert Wolff. Hätte es diese Warnung früher gegeben, hätten viele Reisende ihre Buchung stornieren können.

Bundesregierung plant Evakuierung

Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU) hat inzwischen erklärt, deutsche Urlauber nach Hause bringen zu wollen. „Wir werden so schnell wie möglich Maschinen für vulnerable Gruppen schicken“, so der Minister. Zu diesen Gruppen zählen Kinder, Kranke und Schwangere.

In der ARD-Sendung „Caren Miosga“ hatte Wadephul jedoch betont, dass Urlauber auch eine eigene Verantwortung für ihre Sicherheit trügen: „Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte.“ Diese Aussage stößt bei den betroffenen Passagieren auf Unverständnis.

TUI Cruises unter Druck

Eine andere Passagierin, die auf der „Mein Schiff 4“ in Abu Dhabi festsitzt, erklärt: „Auch wir wollten stornieren, aber hatten keine Möglichkeit, ohne auf den Kosten sitzen zu bleiben. Dass der Außenminister sich jetzt hinstellt und sagt, es sei quasi unsere eigene Schuld, in so ein Gebiet zu reisen, ist frech.“

Die Urlauber fragen sich auch, warum TUI Cruises nicht früher reagiert habe. Auf der vorherigen Tour gab es laut Aussagen einiger Passagiere bereits militärische Übungen in der Straße von Hormus. Eine Anfrage zu den aktuellen Vorgängen ließ das Unternehmen unbeantwortet und verwies lediglich auf offizielle Pressemitteilungen.

In diesen heißt es: „Wir beobachten die Entwicklungen im Nahen Osten weiterhin sehr aufmerksam und stehen in engem Austausch mit den zuständigen Behörden sowie internationalen Sicherheitsexperten.“ Die Lage stelle sich derzeit unverändert dar, und die Gäste würden umfassend betreut und versorgt.

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Ungewisse Zukunft für die Festgesetzten

Christian Wolff und seine Frau müssen sich auf einen längeren Aufenthalt im Hafen von Doha einstellen. Zu den vom Außenminister genannten vulnerablen Gruppen zählen sie nicht. „Verschiedene Airlines beraten derzeit über gemeinsame Lösungen zur Rückführung der Passagiere, allerdings sind uns konkrete Pläne oder Zeiträume nicht bekannt“, berichtet Wolff. Eine Ausreise in den kommenden Tagen oder sogar Wochen scheint derzeit nicht möglich.

Insgesamt harren zehntausende deutsche Touristen in der Golfregion aus, darunter rund 5000 deutsche Passagiere auf den beiden Kreuzfahrtschiffen von TUI Cruises. Die Situation zeigt deutlich die Grenzen des Reiserechts bei sich schnell entwickelnden Sicherheitslagen und wirft Fragen zur Verantwortung von Reiseveranstaltern und staatlichen Warnsystemen auf.