Kurabgabe-Pläne in Mecklenburgischer Schweiz lösen heftige Kontroverse aus
Die Diskussion um eine geplante Kurabgabe in der Tourismusregion "Mecklenburgische Schweiz" nimmt an Schärfe zu. Nachdem die Erholungs- und Tourismusorte der Region ihre Vorstellungen für eine Kurtaxe präsentiert haben, entfacht sich eine hitzige Debatte über Sinn und Zweck dieser Maßnahme.
Ein Euro pro Tag für Übernachtungs- und Tagesgäste
Die vorgesehene Abgabe soll lediglich einen Euro pro Aufenthaltstag betragen und ab dem Jahr 2027 erhoben werden. Betroffen wären nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch Tagesbesucher. Selbst Verwandte, die ihre Angehörigen in der Region besuchen, könnten zur Kasse gebeten werden, sofern sie öffentliche Veranstaltungen oder Erholungseinrichtungen nutzen.
Starke Kritik in sozialen Medien
Auf der Facebook-Seite des Nordkurier hagelt es bissige Kommentare zu den Plänen. "Ihr wisst, wie man Touristen vergrault! Super, weiter so", lautet einer von vielen kritischen Beiträgen. Ein Nutzer bemängelt, dass in den Sommermonaten in den Innenstädten von Teterow oder Stavenhagen kaum etwas los sei: "Es gibt ja kaum Geschäfte, Restaurants oder touristische Highlights. Wenn doch, sind sie geschlossen oder unrentabel. Nun sollen auch noch die Tagestouristen abgezockt werden. Für was eigentlich bitte?"
Weitere Nutzer stellen grundsätzliche Fragen zur Umsetzung: "Fahren Touristen wirklich in nennenswerter Größenordnung in diese Region? Lohnt der Aufwand für Verwaltung dieser entstehenden Gelder? Welcher Aufwand ist für die Kontrolle notwendig? Wird es Meldestellen geben?"
"Genauso macht man Tourismus kaputt"
Die Kritik geht noch weiter: "Genauso macht man Tourismus kaputt und bringt auch noch Einheimische gegen sich auf! Fulminant! Mega! Die Gier wird immer größer! Parkgebühren würde ich auch pauschal verdreifachen!" Ein anderer Nutzer schlägt ironisch eine "Frischluftabgabe" für das Atmen von sauberer Luft vor.
Politische Stimmen melden sich zu Wort
Auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Ritter aus Stavenhagen beteiligt sich an der Diskussion: "Der Besuch von Verwandten ist 'erstmal' nicht abgabepflichtig. Nun, wir leben in einer Region, die von vielen, vor allem jungen Leuten, aus den verschiedensten Gründen verlassen wurde. Wenn diese nun ihre Eltern (Verwandtschaft) besuchen wollen, müssen sie 'erstmal' nichts bezahlen. Aber später doch?"
Ritter fordert eine erneute Diskussion über Form und Inhalt der Abgabe. Unklar sei zudem, ob die Stadt- und Gemeindevertretungen überhaupt Mitspracherecht haben oder lediglich mit Ja oder Nein abstimmen dürfen.
Entscheidung liegt bei den Kommunen
Tatsächlich müssen die Stadt- und Gemeindevertreter der betroffenen Orte - darunter die Städte Malchin, Teterow, Stavenhagen und Neukalen sowie die Gemeinden Basedow und Ivenack - der Kurabgabe-Satzung noch zustimmen. Diese staatlich anerkannten Erholungsorte wollen die Abgabe einführen, um von Urlaubern und Tagesgästen zusätzliche Einnahmen zu generieren.
Ironische Kommentare aus der Bevölkerung
Ein weiterer Beitrag aus der Facebook-Gemeinde bringt die Stimmung auf den Punkt: "Ich wollte Tante Erna besuchen, aber bei den neuen Kurtaxen-Regeln für Privatgäste ist es günstiger, wenn sie mich am Ortsschild trifft und wir uns kurz über den Zaun zuwinken."
Die Debatte zeigt deutlich, dass die Pläne für eine Kurabgabe in der Mecklenburgischen Schweiz auf erheblichen Widerstand stoßen. Während die Tourismusorte zusätzliche Einnahmen anstreben, fürchten Kritiker negative Auswirkungen auf den ohnehin schon bescheidenen Tourismus in der Region.



