Lufthansa lockert Handgepäckregeln für Musikinstrumente nach Beschwerde einer Violinistin
Die Lufthansa hat ihre strengen Handgepäckregeln für Musikinstrumente gelockert. Auslöser war ein offener Brief der Violinistin Carolin Widmann, die nach einem traumatischen Flug von Helsinki nach Leipzig den Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr kontaktierte. Die 49-jährige Professorin für Violine an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig hatte am Check-in-Schalter Probleme, ihre 244 Jahre alte Geige von Giovanni Battista Guadagnini als Handgepäck mitzunehmen.
Ein Alptraum für Musiker: Wertvolle Instrumente im Frachtraum
„Es war gespenstisch und ich bin zehntausende Tode gestorben“, beschreibt Widmann die Situation. Während des Fluges hielt sie das wertvolle Instrument, das ihr von einer Londoner Stiftung zur Verfügung gestellt wird, wie ein Baby auf ihrem Schoß. Der Marktwert der Geige liegt bei zwei Millionen Euro, als Kulturschatz gilt sie jedoch als unbezahlbar. Die Versicherungsbedingungen verlangen, dass das Instrument niemals aus den Augen gelassen oder in fremde Hände gegeben wird.
Immer wieder hatte Widmann auf ihren zahlreichen Konzertreisen Diskussionen am Check-in-Schalter. „Hunderte Male bin ich mit dem Geigenkasten als Handgepäck geflogen. Manchmal gab der Flugkapitän sein O.K., aber dieses eine Mal hat es nicht geklappt“, erzählt die Musikerin. Während des Fluges hatte sie ständig Angst, dass Tomatensaft, Rotwein oder Kartoffelpüree auf die Geige spritzen könnten oder Turbulenzen das Instrument beschädigen würden.
Neue Regelung: Summenmaß von 125 Zentimetern
Seit März 2026 gilt bei der Lufthansa Group, zu der auch Eurowings, Austrian und Swiss gehören, eine neue Ausnahmeregelung. Für Geigen, Ukulelen, Trompeten und ähnliche Instrumente gilt nun ein Summenmaß: Höhe, Breite und Tiefe des Kastens addiert dürfen maximal 125 Zentimeter betragen. Das Instrument ersetzt dabei ein sonstiges Handgepäckstück. Für konventionelles Handgepäck bleibt die maximale Länge von 55 Zentimetern weiterhin bestehen.
„Die Managerin sagte mir, dass sie vor allem der höfliche Ton des Briefes beeindruckt habe und sie wirklich helfen wollte“, berichtet Widmann über das Gespräch mit einer Lufthansa-Managerin. Nach Bekanntwerden der Änderungen erhielt sie Dankesworte von Musikern aus der ganzen Welt. „Wir zittern alle beim Einchecken. Nun haben wir etwas Verlässliches“, kommentieren Kollegen die neue Regelung.
Größere Instrumente benötigen eigenen Sitzplatz
Für größere Instrumente wie Celli oder Tuben gelten weiterhin spezielle Regelungen. Diese müssen entweder einen eigenen Sitzplatz buchen, wenn sie in der Kabine transportiert werden sollen, oder im Frachtraum mitfliegen. „Eine angemessene Transportverpackung liegt in der Verantwortung der Fluggäste“, betont die Lufthansa in ihren aktuellen Richtlinien.
Die Berliner Philharmoniker kennen diese Herausforderungen bereits aus langjähriger Erfahrung. „Für unser Orchester ist das auf Tourneen keine Neuigkeit: Größere Instrumente und solche, die nicht sofort nach Ankunft benötigt werden, fliegen mit der Fracht“, erklärt eine Sprecherin des Orchesters. Dafür stehen orchestereigene Transportkisten zur Verfügung.
Keine einheitlichen EU-Regelungen
Jenseits der Lufthansa Group gibt es in der Europäischen Union keine einheitlichen Regelungen für den Transport von Musikinstrumenten an Bord von Flugzeugen. Während einige Airlines kulante Lösungen anbieten, setzen andere die vorgegebenen Maße rigoros um. Reisende mit wertvollen Instrumenten sollten sich daher vor dem Abflug bei ihrer Fluggesellschaft über die aktuellen Bestimmungen informieren.
Carolin Widmann zeigt sich erleichtert über die positive Entwicklung. „Man muss nicht immer eskalieren, um etwas zu erreichen. Eine gute Kinderstube und Höflichkeit sind auch hilfreich, um sich Gehör zu verschaffen“, resümiert die Violinistin. Ihr Erfolg hat gezeigt, dass auch in großen Konzernen Menschen in Führungspositionen sitzen, die zuhören und Probleme lösen wollen.



