Mit 73 auf dem Rad unterwegs: Ein Abenteuer durch unentdeckte Welten
Die Welt entdecken – wer möchte das nicht? Doch Dieter Vibrans aus Jägerhof bei Waren ist niemand, der sich dabei einfach per Katalog an vorgegebene Orte führen lässt. Der 73-Jährige hat seinen eigenen Weg gefunden. Gemeinsam mit seiner Nichte Susanne (41) ist er nach Kuba aufgebrochen – mit Fahrrädern. Auf ihrer elften Reise mit dem Drahtesel erleben die beiden, dass auf der Karibikinsel nicht alles nach Plan verläuft. Es geht voran, und manchmal eben auch nicht. Die Tage planen auf der Route durch Kuba ist ob der vielen Erlebnisse und Begegnungen kaum möglich.
Temperaturen über 35 Grad und herausfordernde Wege
Bevor sie die liebe, hilfsbereite Familie verlassen, bei der sie ausruhen und essen und trinken konnten, gibt es noch eine Tasse Orangensaft, der aus einem Pulver angerührt wird, und ein Stück von einem trockenen, ungewohnt schmeckenden Kuchen, den sie gestern an der Straße gekauft und der Familie geschenkt hatten. Gegen 8 Uhr schwingen sie sich auf die Räder. Der Weg nach Sevilla sei nicht so leicht zu finden, deswegen leiht sich Familienvater Aliesci ein Fahrrad vom Nachbarn und möchte sie sicherheitshalber begleiten. Und tatsächlich hat es der Weg in sich: Die Anstiege kosten Kraft, das Gefälle viel Konzentration, und die nächsten 13 Kilometer lassen sich teilweise nur schiebend überwinden. Die Temperaturen klettern über 35 Grad Celsius, die Sonnencreme wird erneuert, das erste Bad ist genommen, und dann realisieren sie, was vor ihnen liegt: 120 Kilometer bis Santiago de Cuba, und demnächst liegen die Orte laut Karte 30 Kilometer auseinander.
Gastfreundschaft in abgehängten Regionen
Am nächsten Morgen realisieren sie – dieser Landstrich ist massiv benachteiligt. Man kann sagen, er ist abgehängt durch die schlechten Straßenverhältnisse und den fast komplett ausbleibenden Verkehr. Viele leben von der Tierhaltung und den eigenen Erträgen. Anfangs gibt es noch ein paar Asphaltreste, irgendwann ist es nur noch eine Sandpiste. Gegen Abend landen sie in einem Ort, und eine junge Frau grüßt fröhlich von ihrer Terrasse. Ihre Frage verstehen sie nicht und lassen sie von der App auf dem Handy übersetzen. Sie fragt, wohin sie so spät noch unterwegs sind, ob sie etwas für sie kochen kann und ob sie nicht bei ihr im Hof übernachten wollen. Zu verlockend ist das Angebot. Sie zaubert Yamswurzel, Reis und Auberginengemüse, nachdem sie beteuert haben, dass sie gerne das Essen würden, was sie für die Familie kochen würde. Sie fragt, ob sie nicht ein paar Schmerztabletten für sie haben. Sie haben einige zusätzliche Schmerzmedikamente eingenommen, und mit ziemlicher Erleichterung und Dankbarkeit nimmt sie diese entgegen. Sie sind wieder einmal froh, wie sich alles gefügt hat.
Wandel der Landschaft und besondere Begegnungen
Der Morgen beginnt mit einem kubanischen starken Espresso und einem milden Minztee aus dem Garten der 30-jährigen Yadira. Dann schieben sie die Räder hoch zur Straße und fahren aus dem Ort. Und mit einem Mal ist alles anders als zuvor: Der Asphalt ist von nun an meistens in einem unfassbar guten Zustand, es gibt wieder einen öffentlichen Nahverkehr, die Ortschaften werden größer, die Häuser sind farbiger und aus Stein gefertigt, und der Lebensstandard steigt. Sie legen nach einem Einkauf an einem Gemüsestand eine Pause im Schatten ein. Unter einem Vordach eines hier in beliebtem himmelblau getünchten Hauses entdecken sie einen lethargisch aussehenden Mann. Es stellt sich heraus, dass er Korbflechter ist und ein größeres Sortiment an Körben, Taschen, Hüten etc. in seinem Laden fertigt und verkauft. Ein Strohhut kostet 300 Pesos (etwa 70 Cent), und sie können es nicht glauben, was für ein geringer Preis verlangt wird. Dieter entscheidet sich sogleich für einen Hut, den der Mann ihm nun sogar als Geschenk geben möchte. Sie protestieren und geben ihm sogar etwas mehr für dieses hübsche Exemplar.
Unvorhergesehene Freuden und das Ende der Reise
Die Straße schlängelt sich weiter an der Küste entlang, und dann passiert es. In einem größeren Ort fragen sie nach einem Restaurant und bekommen verschiedene Wegbeschreibungen. Da nimmt sie im Schatten zwei Fischer war, die aus einem gewebten, weißen Plastiksack größere Prachtexemplare an Fischen hervorholen und einem Kunden präsentieren. Aufgeregt ruft sie Dieter dazu, und sie bestaunen einen großen Rotbarsch, Barracudas und weitere farbenfrohe Fische. Sie geben ihnen den Tipp, im naheliegenden Restaurant zu fragen, ob der Fisch dort zubereitet werden kann. Tatsache! Die Zubereitung des 3,3 kg schweren Rotbarschs und die Getränke kosten insgesamt nur unvorstellbare 10 Euro. Die Dämmerung setzt leider viel zu früh ein, und eiligst brechen sie auf. Sie verabschieden sich, strampeln los und finden noch ein kleines Plätzchen am Wasser. Das war wieder ein Tag voller Unvorhersehbarkeiten. Sie kommen gut voran und werden vermutlich morgen Abend Santiago de Cuba erreichen. Exotische Pflanzen und immer wieder besondere Momente mit Menschen und in der Natur erleben die beiden Radreisenden auf Kuba.



