Nostalgische Museumsbahnen im Nordosten: Dampfrösser und Schmalspurbahnen begeistern Besucher
Die imposanten Dampfrösser vergangener Zeiten, nostalgische Schienenbusse, kleine Feldbahnen und beeindruckende Lokschuppen-Architektur ziehen im Nordosten Deutschlands Groß und Klein in ihren Bann. Ob leidenschaftlicher Eisenbahn-Nostalgiker oder einfach interessierter Besucher – zwischen Uckermark, Mecklenburg-Vorpommern und Prignitz gibt es zahlreiche Eisenbahn-Orte zu entdecken, die mit historischen Fahrten und faszinierenden Ausstellungen begeistern.
Rasender Roland auf Rügen: Eine dampfende Touristenattraktion
Mehr als 600.000 Passagiere sind jedes Jahr mit der Rügenschen Bäderbahn, besser bekannt als Rasender Roland, unterwegs. Die dampfbetriebene Schmalspurbahn auf Deutschlands größter Insel ist ein wahrer Besuchermagnet und dampft seit 1895 mit gemütlichen 30 km/h über die Ostsee-Insel. Sie verbindet Putbus mit den Seebädern Binz, Sellin, Baabe und Göhren. Der Fahrzeugpark umfasst acht Dampfloks, zwei Dieselloks sowie verschiedene historische Reisezugwagen.
Eisenbahnmuseum Gramzow: Geschichte der Kleinbahnen erleben
Das Museum in der Uckermark widmet sich der Geschichte und Bedeutung von Klein- und Privatbahnen. Besucher können an Fahrtagen auf historischen Eisenbahnfahrzeugen mitfahren oder Draisinen selbst nutzen. Seit der Eröffnung 1996 umfasst die Sammlung über 40 Fahrzeuge, und regelmäßig werden Sonderfahrten auf der ehemaligen Kleinbahnstrecke ab Gramzow angeboten.
Lokschuppen Pasewalk: Vom historischen Gebäude zum Erlebniszentrum
Seit Anfang 2022 entwickelt die Eisenbahn-Historie & Touristik gGmbH den 125-jährigen Lokschuppen in Pasewalk zu einem vielseitigen Erlebniszentrum. Neben der eisenbahntechnischen Ausstellung gibt es einen Regio-Laden, ein Gästehaus, einen Campingplatz und sogar Möglichkeiten für Hochzeiten. Kinder können sich auf dem großen Spielplatz oder in der Technik-Ausstellung austoben.
Schmalspurbahn Schwichtenberg: Erbe der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn
In Schwichtenberg bei Friedland bewahrt der Verein „Freunde der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn“ das Erbe der historischen Bahn, die ab 1892 eine zentrale Rolle für die Landwirtschaft spielte. Nach Restaurierung der Fahrzeuge und Wiederaufbau der Teilstrecke zwischen Schwichtenberg und Uhlenhorst finden Sonderfahrten zu Ostern, im Advent und an ausgewählten Wochenenden statt.
Mecklenburgische Bäderbahn „Molli“: Älteste Schmalspurbahn der Ostseeküste
Die Bäderbahn „Molli“ verbindet seit 1886 Bad Doberan mit Kühlungsborn und fährt mitten durch die Hauptgeschäftsstraße. Seit 30 Jahren privat betrieben, hat die Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH rund 90 Mitarbeiter und zählte bisher etwa 15 Millionen Fahrgäste. Am Endbahnhof Kühlungsborn-West kann das Molli-Museum besichtigt werden.
Hafenbahn und Lokschuppen Neustrelitz: Vom Gütertransport zur Touristenattraktion
Die Hafenbahn in Neustrelitz diente einst dem Gütertransport zum Stadthafen, bis Eisenbahnfreunde im Jahr 2000 einen Verein gründeten. Heute sind Sonderfahrten mit dem bordeauxroten Triebwagen, bekannt als Ferkeltaxe, beliebt. Der Verein hat zudem den Lokschuppen am Bahnhof übernommen, um mit Ausstellungen und Veranstaltungen Eisenbahnfans zu begeistern.
„De lütt Kaffeebrenner“ in Klütz: Schmalspurbahn im Klützer Winkel
Von April bis Oktober ist der „Lütt Kaffeebrenner“ zwischen Klütz und Reppenhagen unterwegs. Die Schmalspurbahn war Teil der „Großherzoglich-Mecklenburgischen Friedrich-Franz Eisenbahn“ und diente ursprünglich dem Güterverkehr. Nach einem Neustart 2012 werden seither regelmäßig Fahrtage angeboten, die Besucher in die nostalgische Welt der Kleinbahnen entführen.
Museumsbahn „Pollo“ in der Prignitz: Historisches Kleinbahnnetz
In der Prignitz verband ab 1897 ein schmalspuriges Kleinbahnnetz Orte wie Kyritz, Breddin und Havelberg. Heute kümmert sich der Verein „Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg“ um das Erbe der Bahn, die auch „Pollo“ genannt wird. Seit 1995 rollt der Zug wieder zwischen Lindenberg und Mesendorf, mit Fahrten an Feiertagen und Wochenenden von April bis Oktober.
Eisenbahnmuseum Schwerin: Wiederaufbau nach verheerendem Brand
In Schwerin wird Schritt für Schritt das Museum der Mecklenburgischen Eisenbahnfreunde wieder aufgebaut, nachdem ein Feuer im Juli 2023 große Teile zerstört hatte. Obwohl historische Lokomotiven und Waggons den Brand überstanden, waren die Schäden an Dach, Technik und Archiv enorm. Besuche sind an ausgewählten Tagen inzwischen wieder möglich.
Diese vielfältigen Angebote zeigen, dass die Faszination für historische Eisenbahnen im Nordosten lebendig bleibt und Besuchern unvergessliche Erlebnisse bietet.



