Möwen-Klau in Rostock: Vom Croissant-Dieb zum Freiheitssymbol
Möwen-Klau in Rostock: Vom Croissant-Dieb zum Freiheitssymbol

Ein neuer Ort, ein neuer Blick: Diese Kolumne sammelt Beobachtungen eines Neu-Rostockers – freundlich, ehrlich und ohne Schönfärberei.

Neulich war ich abends in der Stadt im Supermarkt und freute mich auf ein Buttercroissant. Kaum hatte ich den Laden verlassen und den ersten Bissen verzehrt, wurde ich überschattet von einem großen hellen Etwas. Ich hatte keine Ahnung, was sich da plötzlich über mich wirft, doch in diesem Moment der Irritation, wurde mir das Croissant aus der Hand gezogen. Und bald darauf sah ich den Übeltäter: eine Möwe, die stolz auf der Fußgängerzone mit meinem Croissant im Schnabel herumstolzierte. Einige Passanten schauten verblüfft – ich auch.

Zwischen Misstrauen und Faszination

So oft hatten mich die Fischbrötchenverkäufer in Warnemünde vor Möwen-Attacken gewarnt. Dass einem so etwas auch in der Rostocker City passieren kann, hatte ich nicht erwartet. Seitdem betrachte ich die Möwen an der Ostsee mit feindlichem Misstrauen. Eine größere Krise zwischen uns hatte sich bereits vor Wochen angedeutet, als ich meinen silberfarbenen Wagen nach langer Parkzeit vorfand – vollbombardiert mit Möwenschiet. Wie ich höre, bin ich in dieser Hinsicht kein Einzelfall. Besonders blaue Autos sollen Möwen als Toilette magisch anziehen. Seltsam.

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Auf dem schönen, freien Balkon unserer Wohnung in Warnemünde zeigt sich mittlerweile die nächste Front. Als wir ihn am Vorabend des 1. Mai feierlich mit einem Tee einweihten, hörten wir zunächst die typisch jammernden Möwenschreie aus dem dunklen Abendhimmel. Dann kreiste einige Minuten eine Möwe dicht über uns, kam immer wieder und klang sehr erregt, geradezu empört. Als hätten wir ihr Territorium unrechtmäßig besetzt. Ohne sie um Erlaubnis zu fragen.

Fotos, Figuren und Symbole

Erstaunlich, dass meine Frau nach dieser Episode immer noch Fotos von Möwen bei ihren Strandspaziergängen macht. Doch ich kann nicht verhehlen, dass der Möwenflug am Strand und über dem Meer eine Leichtigkeit ausdrückt, die anziehend ist. Als würden die Tiere alles nicht so ernst nehmen und ihre Existenz genießen. Trotz Gegenwind – im Vertrauen darauf, dass sie stets die richtige Bahn in der Luft finden. Insofern verstehe ich, dass Möwen als Symbole der Ostsee gelten und als Holzfiguren erworben werden können.

Irgendwie sind sie ja geschickte Überlebenskünstler, Freiheitskünstler. Und wer wäre das nicht gern in diesen Zeiten? Also möchte ich mit den Möwen auch wieder Frieden schließen – und vielleicht sogar von ihnen lernen. Frei nach dem Motto eines beliebten T-Shirts, das auch in Warnemünde erworben werden kann und welches die Aufschrift schmückt: „Mach’s wie die Möwe – scheiß drauf!“

Haben Sie ähnliche oder auch ganz andere Erlebnisse mit Rostock gemacht? Gibt es Orte, Menschen oder Geschichten, die man kennen sollte? Schreiben Sie mir gern: [email protected]

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