Sieben Jahre später: Die Rückkehr zu sich selbst auf Solo-Reise
Nach einer langen Phase des gemeinsamen Reisens mit Familie wagte TRAVELBOOK-Autorin Anna Wengel einen mutigen Schritt: Sie reiste erstmals seit sieben Jahren wieder alleine – und zwar für ein Wochenende nach Amsterdam. Was als nervöses Unterfangen begann, entwickelte sich zu einer tiefgreifenden Erfahrung der Selbstwiederentdeckung.
Die Angst vor dem ersten Schritt
Am Bahnsteig spürte die Autorin deutlich die Anspannung. „Sieben Jahre lang bin ich nicht alleine verreist – und plötzlich stehe ich zitternd da“, beschreibt sie den Moment vor der Abreise. Trotz früherer Solo-Abenteuer in Sri Lanka, Neuseeland, Australien und Portugal überkam sie bei diesem kurzen Trip nach Amsterdam unerwartete Nervosität und sogar Angst.
Ihre Gedanken kreisten um aktuelle Sicherheitsbedenken in Zügen und die grundsätzliche Unsicherheit der Welt. Als Mutter quälte sie besonders ein Gedanke: „Was, wenn mir etwas passiert und mein Kind mich verliert?“ Diese existenziellen Ängste verdeutlichten, wie sehr sich ihre Prioritäten durch die Mutterschaft verschoben hatten.
Die befreiende Ankunft in Amsterdam
Im Zug entspannte sich die Situation allmählich. Mit Kaffee und Buch in der Hand beobachtete sie die vorbeiziehende Landschaft. In Amsterdam angekommen, ließ der Druck nach. Beim Anblick der Grachten und historischen Häuser kehrte die frühere Reisepraxis zurück: „Ich schaue, ich spüre, ich lasse mich treiben. Genau so war das früher.“
Mitten auf einer Brücke, mit der Sonne im Gesicht, hörte sie innerlich eine Stimme flüstern: „Da bist du ja wieder.“ Dieser Moment markierte die Rückkehr zu ihrem früheren Ich – der Frau, die alleine reiste und die Welt auf ihre eigene Weise erkundete.
Die Wiederentdeckung des eigenen Selbst
Stundenlang durch die Straßen laufend, erinnerte sie sich an die Zeit vor Familie. „Als ich mir Kind und Mann noch gewünscht habe. Diese Jahre waren wunderschön und sehr schmerzhaft. Aber sie waren meine Jahre“, reflektiert sie. Diese Phase der Selbstfindung, in der sie herausfand, was ihr im Leben wichtig ist, spürte sie in Amsterdam erneut.
Das Besondere: Trotz der räumlichen Trennung fühlte sie ihre Familie gedanklich präsent. „Mein Kind und mein Mann sind in Gedanken bei mir. Viele meiner Worte schließen sie ein. Sie sind da. Und trotzdem bin ich endlich mal wieder alleine mit mir.“
Die Balance zwischen Familie und Eigenständigkeit
Obwohl die Solo-Reise bereichernd war, betont die Autorin: „Es ist nur ein Wochenende. Länger würde ich es gar nicht wollen.“ Sie liebt es, ihrem Kind die Welt zu zeigen und gemeinsam mit ihrer Familie zu reisen – eine Praxis, die sie beibehalten wird.
Die Rückkehr nach Hause brachte eine besondere Bestätigung. Bei einem Videoanruf bemerkte ihre Familie: „Irgendwas ist anders an Mama.“ Im Spiegel erkannte sie sich selbst wieder – die Frau von früher, die sie kaum wiedererkannt hatte.
Diese Erfahrung zeigt, wie wichtig gelegentliche Solo-Auszeiten selbst im engsten Familienleben sein können. Sie ermöglichen nicht nur Erholung, sondern auch die Wiederentdeckung der eigenen Identität jenseits familiärer Rollen.



