Patagonien-Entdeckung: Perito Moreno Gletscher raubt den Atem
Perito Moreno Gletscher: Ein Naturwunder in Patagonien

Als ich mit 18 Jahren nach Argentinien auswanderte, mied ich Patagonien jahrelang. Es war mir zu kalt und zu abgelegen. Erst kurz vor meiner Rückkehr nach Deutschland reiste ich mit meinen Eltern nach El Calafate – und erlebte dort eines der beeindruckendsten Naturerlebnisse meines Lebens.

Eine Reise nach El Calafate

Bis dahin war ich überzeugt, dass Argentinien seine schönsten Seiten anderswo zeigt: in den Wüstenlandschaften rund um San Juan, im Dschungel an der Grenze zu Brasilien oder in Buenos Aires. Patagonien erschien mir stets rau und ungemütlich. Erst der Wunsch meiner Eltern brachte mich dazu, meine Meinung zu ändern.

Meine Mutter hatte bei ihrem ersten Besuch in Argentinien besonders unter der Hitze gelitten. Also suchte ich diesmal bewusst ein kühleres Reiseziel aus. Die Wahl fiel auf El Calafate in der Provinz Santa Cruz. Die Stadt mit rund 21.000 Einwohnern gilt als Tor zum Nationalpark Los Glaciares – und damit auch zum berühmten Gletscher Perito Moreno.

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Ein Gletscher verändert meinen Blick

Vom Flughafen in Buenos Aires aus dauerte der Flug nur etwa drei Stunden. Vor Ort wurde schnell klar, warum die Region so viele Reisende anzieht. Die Landschaft wirkte auf den ersten Blick weit und fast leer, gleichzeitig aber unglaublich intensiv.

Den Perito Moreno erkundeten wir per Katamaran. Neben dem berühmten Gletscher führte die Tour auch an weiteren Eisformationen wie Upsala und Viedma vorbei. Da uns längere Wanderungen zu anstrengend waren, entschieden wir uns bewusst gegen ein Trekking auf dem Eis.

Besonders überrascht hat mich allerdings ein Zwischenstopp mitten in der Gletscherlandschaft. Das Schiff hielt an einem kleinen grünen Ufer namens „Puesto de Las Vacas“. Dort entdeckte ich in der Ferne plötzlich große Tiere zwischen Bergen und Felsen. Erst hielt ich sie für Guanakos. Dann erkannte ich: Es waren tatsächlich langhaarige Rinder.

Die Geschichte der Gletscher-Kühe

Unser Guide erklärte uns, dass Anfang des 20. Jahrhunderts ein Engländer Rinder aus der Provinz La Pampa in diese abgelegene Gegend brachte. Als der Nationalpark später stärker geschützt wurde, sollte das Vieh wieder verschwinden. Ganz gelang das aber nie.

Besonders spannend fand ich die Geschichte des finnischen Einwanderers Harry Johannes Hilden. Er lebte in den 1980er-Jahren mehrere Jahre dort und versuchte, die Tiere mit gesalzenem Brot anzulocken und per Floß über den Lago Argentino abzutransportieren. Einige Rinder blieben trotzdem in der Region. Selbst Jahrzehnte später konnte ich sie noch entdecken.

Auch Hildens kleine Hütte existiert bis heute. Besucher dürfen sie nur von außen betrachten. Genau das gefiel mir an Patagonien besonders: Die Natur steht klar im Mittelpunkt, touristische Eingriffe wirken stark begrenzt.

Der Moment vor dem Perito Moreno

Das eigentliche Highlight wartete aber erst später. Als unser Katamaran vor dem Perito Moreno stoppte, wurde es auf dem Deck plötzlich still. Der Gletscher umfasst rund 260 Quadratkilometer, die Eiswände ragen stellenweise fast 60 Meter hoch auf. Seit 1981 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Ich konnte mich kaum sattsehen. Die gewaltigen Eismassen, das türkisblaue Wasser und die schneebedeckten Berge im Hintergrund wirkten fast unwirklich. Ein ähnlich intensives Naturerlebnis hatte ich zuvor nur an den Iguazú-Wasserfällen erlebt.

Bis heute denke ich an diese Reise zurück. Patagonien wirkte auf mich zuerst karg und still. Vor Ort entdeckte ich jedoch eine Landschaft voller Leben, Geräusche und Kontraste – und genau das hat mich nachhaltig beeindruckt.

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