Fahrradtour von Wismar zur Insel Poel: Vampire, Geisterschiffe und Ostseestrände
Radabenteuer: Von Wismar zur Insel Poel mit Vampir und Geisterschiff

Radabenteuer durch Mecklenburg-Vorpommern: Von Wismar zur Insel Poel

Ostsee, Inseln und Backsteingotik – diese Kombination lässt bei vielen Reisenden zunächst an Vorpommern mit Stralsund und Rügen denken. Doch Mecklenburg bietet mit der Hansestadt Wismar und der Insel Poel ein ebenso reizvolles Pendant. Eine Fahrradtour zwischen diesen beiden Zielen vereint städtisches Flair, ländliche Idylle und traumhafte Strandabschnitte zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Wismar: Weltkulturerbe mit mystischen Begegnungen

Die als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte Altstadt von Wismar zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte jedoch Vorsicht walten lassen: Die charmanten Gassen bergen eine echte Trödelgefahr. Die Fußgängerzone mit ihrem Kopfsteinpflaster lädt geradezu zum ausgiebigen Bummeln ein. Wer die Radtour nicht durch zu lange Stadtaufenthalte gefährden möchte, sollte das Fahrrad besser sicher anschließen und Wismar zu Fuß erkunden.

Zu den absoluten Highlights gehören die imposanten Backsteinkirchen Sankt Georgen, Sankt Nikolai und der erhaltene Turm von Sankt Marien. Sie zeugen von der glorreichen Hansezeit der Stadt. Der Marktplatz zählt zu den größten in Norddeutschland und wird von der historischen Wasserkunst im Stil der holländischen Renaissance gekrönt. Das Gasthaus „Alter Schwede“ erinnert an die schwedische Herrschaft von 1648 bis 1803.

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Wer mit offenen Augen durch Wismar geht, kann sogar auf einen Vampir stoßen. Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau drehte hier 1921 seinen Stummfilmklassiker „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“, der als erster Horrorfilm des deutschen Kinos gilt. Die Drehorte in Wismar, das im Film als Wisborg auftritt, sind noch heute stolze Erinnerungen an diese cineastische Pionierleistung.

Auf dem Radweg Richtung Poel: Geisterschiff in der Bucht

Von Wismar aus führt die Route über die Poeler Straße Richtung Insel. Radfahrer haben die Wahl zwischen einer direkten Strecke über den Hohen Damm nach Redentin oder einem kleinen Umweg über die Straße Am Haffeld. Letztere bietet nach etwa 250 Metern einen reizvollen Radweg mit Blick auf die Wismarer Bucht.

Dort fällt ein ungewöhnliches Objekt ins Auge: das Betonschiff von Redentin, das wie ein Geisterschiff im Wasser liegt. Das 1944 gebaute Frachtmotorboot gehörte einst zur „Transportflotte Speer“ und lief auf Grund, wo es bis heute verbleibt. Ein faszinierendes Relikt aus vergangenen Zeiten.

Ab Redentin verläuft der asphaltierte Radweg parallel zur Landstraße 11 nordwärts. Ein Ausguck bei Groß Strömkendorf gewährt einen beeindruckenden Blick zurück auf Wismar mit seiner riesigen Werfthalle – einem der größten Trockendocks Deutschlands.

Ankunft auf Poel: Inselidyll mit kulinarischen Überraschungen

Über eine schmale Brücke gelangen Radfahrer schließlich auf die Insel Poel. Der erste Eindruck in Fährdorf ist ein belebter Parkplatz, wo viele Tagesausflügler vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Für eine Stärkung empfiehlt sich der „Happen Poel“ – möglicherweise der kleinste Imbisswagen Norddeutschlands.

Das Berliner Duo Melanie Rost und Tobias Hassels hat sich diese maßgeschneiderte Garküche aus Asien bauen lassen. Auf nur dreieinhalb Quadratmetern bereiten sie tagesfrische Gerichte aus regionalen Zutaten zu – vom Fleischgrill über Fischpfanne bis hin zu veganen Speisen. Im Winter produzieren sie Senf und Pesto, im Sommer verwöhnen sie Radtouristen und Strandbesucher mit ihren Kreationen.

Gegenüber steht eines der ältesten Häuser der Insel: ein reetgedeckter Fischerkaten aus dem Jahr 1792, der bereits als Kulisse für die ZDF-Serie „Soko Wismar“ diente.

Kirchdorf und die traurige Geschichte der „Cap Arcona“

Das nächste Etappenziel ist Kirchdorf mit seiner weithin sichtbaren Kirche, deren Turm stolze 47 Meter in die Höhe ragt. Im Vergleich zu den großen Ostseeinseln Rügen oder Usedom geht es auf Poel beschaulich und ländlich zu. Statt prunkvoller Bäderarchitektur dominieren Dörfer, Bauernhöfe und Ferienhäuser mit traditionellen Reetdächern.

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Auf dem Weg nach Timmendorf Strand fällt ein Gedenkstein auf, der an eine tragische Geschichte aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs erinnert. Am 3. Mai 1945 wurde der vormalige Luxusdampfer „Cap Arcona“ bei britischen Luftangriffen in Brand geschossen. An Bord befanden sich Häftlinge aus Konzentrationslagern. Die meisten der fast 5000 Menschen starben, Hunderte wurden an Poels Küste angespült und auf dem Inselfriedhof bestattet. Zu den Überlebenden gehörte der später in der DDR berühmte Schauspieler Erwin Geschonneck.

Strände und praktische Tipps für die Tour

Über Weitendorf und Wangen gelangen Radfahrer schließlich nach Timmendorf Strand. Achtung: Nicht zu verwechseln mit Timmendorfer Strand bei Lübeck! Der Strandabschnitt Schwarzer Busch bietet eine kleine Promenade hinter der Düne und feinen Sandstrand. Allerdings ist auf einem etwa 300 Meter langen Abschnitt Vorsicht geboten: Knöcheltiefer Zuckersand zwingt hier zum Schieben des Fahrrads.

Praktische Informationen zur Tour:

  • Schwierigkeit: Eher einfach, kann aber bei starkem Wind aus der Ostsee herausfordernd werden
  • Dauer: Je nach Tempo und Anzahl der Stopps einen halben bis ganzen Tag
  • Highlights: Hansestadt-Flair in Wismar, Ostseestrände auf Poel, historische Spuren und Naturschutzgebiete
  • Verbindung: Die Insel ist über einen Damm mit dem Festland verbunden
  • Kurabgabe: Von Mai bis September 2 Euro pro Tag, in der Nebensaison die Hälfte

Der Rückweg nach Wismar vergeht meist im Handumdrehen. Die Silhouette der Hansestadt ist schon von Weitem zu erkennen und motiviert zum Endspurt. Wer am Anfang auf den Stadtbummel verzichtet hat, sollte nun unbedingt noch Zeit für die Erkundung von Wismars Weltkulturerbe einplanen. Diese einzigartige Fahrradtour verbindet auf perfekte Weise Kulturgeschichte, Naturerlebnis und entspannte Strandmomente zu einem unvergesslichen Tagesausflug in Mecklenburg-Vorpommern.