Rügens legendärer Rasender Roland: Dampfende Attraktion und Tor zu historischen Schätzen
Rasender Roland: Dampfende Attraktion auf Rügen

Rügens legendärer Rasender Roland: Dampfende Attraktion und Tor zu historischen Schätzen

Im Volksmund wird die Rügensche Kleinbahn, die seit den Neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts über die Ostsee-Insel Rügen dampft, liebevoll der Rasende Roland genannt. Diese traditionelle Schmalspurbahn gehört zur Insel wie die berühmten Kreidefelsen, die Ostsee oder die Störtebeker-Festspiele. Doch das beliebte Eiland hat noch viel mehr zu bieten, und der Rasende Roland ist dabei ein zentraler Schlüssel zu seinen Schätzen.

Eine Reise durch die Geschichte und Landschaft

Raserei – dahinter verbirgt sich natürlich der Rasende Roland, die Schmalspurbahn, die mit maximal 30 Kilometern pro Stunde 24,2 Kilometer von Göhren über Binz nach Lauterbach Mole rast, wie die Inselbewohner sagen. Oder wollen sie sich mit diesem Adjektiv vielleicht ein wenig lustig machen über ihren Dampfzug? Lieber nicht, denn der ist inzwischen eine erstklassige Touristen-Attraktion. Am 22. Juli 1895 wurden die ersten elf Kilometer der historischen Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 750 Millimetern zwischen Putbus und Binz-Ost eröffnet.

Das Schienennetz wurde bis auf rund 100 Kilometer weiter ausgebaut. Der Rasende Roland ist heute nicht nur ein rollendes Museum, sondern nach wie vor fester Bestandteil im Nahverkehrsnetz der Insel. Der Fahrzeugpark der Rügenschen Bäderbahn umfasst sechs Dampfloks, zwei Dieselloks und die unterschiedlichsten Reisezugwagen, Packwagen und Güterwagen. Darunter befindet sich auch der historische Traditionszug, der gelegentlich zu Sonderzugfahrten unter Dampf gesetzt wird.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kombinierte Erlebnisse: Von der Schiene aufs Wasser

Wer nicht nur gern auf dem Land, sondern auch zu Wasser unterwegs ist, hat die Möglichkeit, von Mai bis Oktober die Fahrt mit dem Rasenden Roland mit einer Tour auf dem Ausflugsdampfer zu verbinden und wunderschöne Tagesausflüge zu erleben. Zum Beispiel: Zur Tour zur Kreideküste startet der Rasende Roland in Binz, über Sellin und Baabe geht es nach Göhren oder auch andersherum. Ab Seebrücke Göhren, Sellin oder Binz geht es per Dampfer zur imposanten Kreideküste.

Oder: Der Ausflug auf den Rügischen Bodden mit der Insel Vilm führt mit Roland bis Lauterbach Mole in Putbus, danach geht es mit dem Fahrgastschiff weiter auf den Rügischen Bodden oder auf die Insel Vilm, wo es Führungen gibt.

Historische Entwicklung und Überlebenskampf

Noch ein Blick in die Geschichte: Schmalspurbahnen ratterten einst bis Altefähr und Altenkirchen. Neben der Strecke Putbus über Binz nach Göhren war das Kleinbahnnetz auf Rügen einst wesentlich länger. Der erste Zug dampfte 1895 vom Putbuser Bahnhof nach Binz. Ein Jahr später wurde die Strecke bis nach Sellin verlängert. Ebenfalls im Jahr 1896 entstand der Streckenteil von Putbus über Garz, Poseritz und Gustow nach Altefähr. 1918 wiesen die Kleinbahnstrecken der Rügensche Kleinbahnen Aktiengesellschaft die größte Ausdehnung mit fast 100 Kilometer Streckenlänge auf.

Bis 1910 erlebte die Bäderstrecke entlang der Ostseebäder Binz, Sellin, Baabe und Göhren einen Aufschwung. Es wurden größere Loks und Wagen in Betrieb genommen und die Bahnhöfe weiter ausgebaut. Der Rasende Roland war sehr gut ausgelastet. Güterwagen konnten nur in kleiner Zahl an die Personenzüge angekoppelt werden. Auf den Strecken nach Altefähr und Altenkirchen spielte der Personenverkehr aber immer eine untergeordnete Rolle, vielmehr wurden landwirtschaftliche Güter, Kohle oder Kreide transportiert.

In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Schmalspurbahn ein wahres Wechselbad, wurde zum Teil stillgelegt. Die Bäderbahn aber konnte sich auch zu DDR-Zeiten halten. Nach der Wende hatte die Deutsche Bahn kein Interesse mehr am Rasenden Roland, schließlich existierte er als Rügensche BäderBahn privat weiter. Zahlreiche Investitionen in Strecke und Fahrzeuge ließen die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich wachsen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Binz: Die Hauptstadt an der Strecke mit Überraschungen

Binz ist die Hauptstadt an der Strecke des Rasenden Rolands. Binz wird als schönstes Ostseebad, gar Nizza des Ostens bezeichnet, hat ein berühmtes Kurhaus und wunderbaren Sandstrand. Aber, und das ist schon weniger bekannt, Binz hat auch ein UFO! Das, was genau so aussieht wie ein gelandetes UFO, war einst als Rettungsstation gedacht. 1968 wurde die Station durch den berühmten Architekten Ulrich Müther, der zum Beispiel auch den Warnemünder Teepott baute, errichtet. Was das UFO alias Rettungsstation heute so interessant macht, ist die Erkenntnis: DDR-Architektur war nicht nur langweilig, es gab hochinteressante Bauwerke, zu denen ein Ausflug heute mehr denn je lohnt. Heute wird die Station vom Standesamt Binz für Trauungen genutzt.

Das Jagdschloss Granitz: Ein Wahrzeichen mit Nervenkitzel

Fehlt jetzt noch die K...treppe. Das ist die sehr umgangssprachliche Bezeichnung für die freischwebende gusseiserne Wendeltreppe mit 154 Stufen zum 38 Meter hohen Mittelturm des Jagdschlosses Granitz. Dass man durch die gitterförmigen Stufen zwischen seinen Füßen ganz weit nach unten blicken kann, erhöht für empfindliche Naturen noch die Gefahr, dass ihnen so richtig schlecht wird.

Also: Wer nicht ganz schwindelfrei ist, sollte die Treppe des Horrors lieber meiden, nicht aber das Jagdschloss Granitz selbst. Es thront auf dem Tempelberg, inmitten der schönen Buchenwälder und Hügel der Granitz. Mit über einer Viertelmillion Besuchern im Jahr gehört es zu den bekanntesten und beliebtesten Schlössern des Landes. Das Schloss erreicht man ab Binz mit dem Rasenden Roland, an der Haltestelle Jagdschloss aussteigen.

Historische Einblicke und atemberaubende Aussichten

Von 1837 bis 1846 ließ Fürst Malte I. zu Putbus das Jagdschloss Granitz errichten, hier brachte der Fürst während der Jagdsaison seine adligen Gäste unter. Bis 1945 befand sich das Jagdschloss in Familienbesitz. Heute beherbergt es mehrere Ausstellungen und ein Restaurant. Herzstück des Bauwerkes ist der nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtete Mittelturm, den man über die Wendeltreppe besteigen kann. Auf der Aussichtsplattform bietet sich ein grandioser Panoramablick über die abwechslungsreichen Landschaften von Rügen.

Bei gutem Wetter können zudem Stralsund und die Insel Usedom aus der Ferne betrachtet werden. Sehenswert im Schloss sind auch die originalgetreu mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert gestalteten Salons, deren Glanzstück der berühmte Marmorsaal ist. An die Vergangenheit als Jagddomizil erinnert eine umfangreiche Sammlung von Jagdtrophäen und Gewehren.

Praktische Informationen für die Anreise

Reisen nach Binz: Aus ganz Deutschland bestehen IC- und ICE-Verbindungen bis zum Bahnhof Binz. Zur Weiterfahrt stehen Taxis und der öffentliche Personen-Nahverkehr zur Verfügung. Mit dem Auto fährt man bis Stralsund und dann weiter über den Rügendamm bis Binz. Weitere Informationen: Der Rasende Roland, Bahnhofstraße 14, 18581 Putbus.