Schweizer Sicherheitsimage bröckelt: Tödliche Unglücke werfen Fragen auf
Schweizer Sicherheitsimage bröckelt nach tödlichen Unglücken

Schweizer Sicherheitsimage bröckelt: Tödliche Unglücke werfen Fragen auf

Seit dem 1. Januar sind in der Schweiz 48 Menschen bei tragischen Unglücken ums Leben gekommen. Diese Ereignisse stellen das Image des Landes als Musterland für Qualität und Sicherheit massiv infrage. Was ist in der Schweiz los, die traditionell für ihre Präzision und Zuverlässigkeit bekannt ist? Liegt im Heidiland etwas im Argen, das diese Serie von Katastrophen erklärt?

Eine Serie verheerender Tragödien

Die Unglücksfälle sind besonders erschütternd, weil sie ausgerechnet in der Schweiz passierten. Ein verheerender Brand in einer Bar in Crans-Montana forderte 41 Todesopfer. In Kerzers starben sechs Menschen in einem ausgebrannten Bus, nachdem sich ein psychisch Kranker angezündet hatte. Beim Absturz einer Gondel im Skigebiet Engelberg kam eine Person ums Leben, obwohl heftige Winde herrschten.

Roger Köppel, Politiker der populistischen SVP und Herausgeber der rechten Wochenzeitung „Weltwoche“, äußert sich in seinem täglichen Podcast deutlich: „Ist das die totale Verlotterung der Schweiz?“ Er kritisiert Behördenpfusch bei den Brandschutzkontrollen in Crans-Montana und Versäumnisse bei der Aufsicht psychisch Kranker in Kerzers.

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Risse im perfekten Image

Jürg Stettler, Professor am Institut für Tourismus und Mobilität an der Hochschule Luzern, erklärt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Die heile Welt der Schweiz als Heidiland, in der alles sicher ist – das bekommt durch solche Unglücke Risse.“ Auch die Schweiz sei nicht gefeit vor Klüngelwirtschaft, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie in manchen anderen Ländern. Drei derartige Fälle in so kurzer Zeit seien erschütternd.

Stettler fordert die Schweiz auf, sich unangenehmen Fragen zu stellen: „Lebt sie noch von ihrem Image, während die Realität eine andere ist?“ Die Schweiz positioniere sich gerne als Klassenprimus mit weltmeisterlichem Qualitäts- und Zuverlässigkeitsimage. Die Erwartungen seien hoch, die Fallhöhe entsprechend groß.

Technik versus gesunder Menschenverstand

Die Schweizer Extremsportlerin Evelyne Binsack war am Tag des Gondelunglücks in der Region Engelberg unterwegs. Sie hatte ihre Tour wegen der heftigen Winde abgebrochen und fragt sich, warum die Gondelbahn noch fuhr. „Es scheint, dass die Verantwortlichen der Technik mehr vertrauten als dem gesunden Menschenverstand“, sagte sie der Schweizer Zeitung „Blick“. Eine besorgniserregende Entwicklung, die sie als Zeitgeist beschreibt.

Interessanterweise hatte der Gondelhersteller bereits 2022 eine Nachrüstung von Klemmen angeboten, die die Gondel am Seil halten sollten. Der Seilbahnbetreiber war darauf jedoch nicht eingegangen – eine Entscheidung, die nun tragische Konsequenzen hatte.

Traditionell hohes Ansehen im Ausland

Das Ansehen der Schweiz im Ausland ist traditionell sehr hoch. Bei „Nation Branding“-Umfragen, die Ansehen, Image und Attraktivität von Nationen messen, belegt die Schweiz regelmäßig Spitzenplätze. 2024 lag sie im Gesamteindruck vor Kanada, Schweden, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland auf dem ersten Platz.

Alexandre Edelmann, Chef der Abteilung „Präsenz Schweiz“, betont: „Was wir zum Image der Schweiz im Ausland wissen: Das Vertrauen ist sehr hoch, die Schweiz wird als stabil und sicher wahrgenommen.“ Trotz der jüngsten Unglücke habe es nach erstem Anschein keine Ferienstornierungen gegeben. Er geht nicht davon aus, dass diese Wahrnehmung langfristig gestört ist.

Eine Frage von Geld und Werten

Für Professor Stettler sind solche Tragödien zum Teil eine Frage des Geldes. Es gehe darum, ob Klemmen an einer Gondel nachgerüstet werden oder ob man die Zahl der Gäste in einer Bar auf ein sicheres Maß begrenzt. „Aber das greift zu kurz“, sagt Stettler. Es gehe auch um Werte, Achtsamkeit und Qualität.

Jeder mit Führungsverantwortung müsse sich in seinem Verantwortungsbereich nun fragen: „Was muss ich tun, damit die Kunden Vertrauen haben?“ Die Schweiz stehe an einem kritischen Punkt, an dem sie ihre Hausaufgaben machen und selbstkritisch in den Spiegel schauen müsse, um ihr wertvolles Image zu bewahren.

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