Urlaubsbudget weg: Doppeltes Pech mit Mietwagen in Albanien kostet 500 Euro
Urlaubsbudget weg: Mietwagen-Pech in Albanien kostet 500 Euro

Da waren wir selbst schuld: Auf einen Schlag war das ganze Urlaubsbudget weg

Tirana • In Albanien kommt man am besten mit einem Mietwagen voran - es sei denn, man hat ständig Probleme mit dem Auto. Unsere Autorin erlebte gleich doppeltes Pech, das sie am Ende teuer zu stehen bekam.

Sicherlich gibt es keinen günstigen Ort für eine Reifen-Panne. Doch eine einsame, albanische Bergstraße gehört sicher in die Kategorie der besonders ungünstigen Orte. Natürlich passierte das Unglück direkt am ersten Tag der Reise. Drei Stunden zuvor hatten wir den Mietwagen in der Hauptstadt Tirana abgeholt.

Schlechtes Omen beim Mietwagen-Abholen

Der junge Mann, der mit dem Auto vorfuhr, kassierte dabei noch einen ordentlichen Anschiss von seinem Chef, da der Wagen ziemlich dreckig war. Nachdem der Angestellte das Auto nochmal gewaschen hatte, erschien es plötzlich weiß statt grau. Trotzdem hätte man diesen Vorfall vielleicht schon als schlechtes Omen deuten können.

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Auf dem Weg in die Idylle lauerte das erste Problem

Die ersten Stunden verliefen problemlos. Wir steuerten nach Norden in Richtung Theth, einem kleinen Dorf in den albanischen Alpen. Umgeben von majestätischen Bergen und dichten Wäldern sollte der Nationalpark ein würdiger erster Stopp auf unserer Rundreise durch das Balkan-Land werden.

In den sozialen Netzwerken wurde Albanien damals, 2023, schon längst als neue Trend-Destination gehandelt. Und so viel sei vorweggenommen: Das Land ist tatsächlich eine Schönheit. Neben Berglandschaften hat Albanien auch traumhafte Sandstrände, Städtchen mit verwinkelten Gassen und historische Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Allerdings überschatteten die Probleme mit dem Mietwagen die erste Zeit der Reise. Auf dem Weg nach Theth bemerkten wir plötzlich, dass der Wagen gefährlich ins Schlingern kam und zusätzlich ein seltsames Geräusch von sich gab. Der Übeltäter war sogleich gefunden: Der linke hintere Reifen. Wir hatten einen Platten.

Komplizierte Reifenpanne in der Einsamkeit

Uns blieb nichts anderes übrig, als mitten im Nirgendwo den Reifen zu wechseln. Das stellte sich höchst kompliziert dar. Zwar hatten wir alles nötige Werkzeug im Auto, doch die Radschrauben waren so fest, dass wir den Reifen kaum lösen konnten.

In unserer wachsenden Verzweiflung hielten wir das erste entgegenkommende Auto an - zufällig einen deutschen Camper. Der Mann am Steuer erwies sich als echter Profi in Sachen Auto-Reparatur. Er half uns nicht nur mit dem Reifen, sondern gab uns direkt noch ein paar wertvolle Tipps an die Hand.

Mit dem Ersatzrad konnten wir erst einmal die restlichen Kilometer auf den Serpentinen zurücklegen. Doch uns war klar, dass wir einerseits noch mehr Luft im Reifen brauchten und andererseits das Ersatzrad schnellstmöglich gegen ein Neues austauschen mussten.

Raki und Reifendruck

Angekommen an unserer gemütlichen Unterkunft, sollte der Wagen dort ohnehin zwei Tage stehen, während wir das Gebiet mittels Tageswanderungen erkundeten. Unser Gastgeber hatte nicht nur jede Menge Raki, sondern glücklicherweise auch einen Kompressor, mit dem wir Luft in den Reifen jagen konnten.

Mit dem Autovermieter hatten wir in der Zwischenzeit geklärt, dass wir den Reifen in der nächstbesten Werkstatt ersetzen lassen würden. Das Geld sollten wir vorstrecken, würden es aber vom Vermieter zurückbekommen.

Der Schrauber, der sich um unseren Wagen kümmerte, war entsetzt über den Zustand der Reifen. Sie seien nahezu alle schon völlig abgenutzt und sollten dringend ersetzt werden, sagte er. Nach kurzem Hin und Her überredete er uns wenigstens zu neuen Hinterreifen.

Der nächste Ärger ließ nicht lange auf sich warten

Mit ein paar weniger Euro (bzw. albanischen Lek) im Geldbeutel, dafür aber mit sichererem Fahrgefühl machten wir uns auf den Weg nach Berat, einer Kleinstadt südlich von Tirana. Der Ort begeisterte uns sofort.

Auch als „Stadt der tausend Fenster“ bekannt, zeichnet sich Berat durch seine osmanische Architektur aus. Die Häuser der Altstadt stehen dicht an dicht auf einem Hang. Deshalb ergeben die Fenster ein einzigartiges Panorama, das sich zum Sonnenuntergang zunehmend erleuchtete.

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Wir spazierten durch die Kopfsteinpflaster-Gassen und entlang des Flusses, der die Stadt in zwei Hälften teilte. Den Stress mit dem Auto verdauten wir in einem kleinen familiengeführten Lokal, wo wir mit Reis gefüllte Paprika verspeisten.

Der teure Verlust des Autoschlüssels

Der Inhaber überredete uns auch zu hausgemachtem Raki. Während ich es bei einem Gläschen beließ, konnte mein Freund dem Schnaps (und dem günstigen Preis von 30 Cent pro Stück) nicht widerstehen und bestellte noch ein paar mehr. Und noch ein paar mehr.

Es kam, wie es kommen musste: Den Rückweg zur Unterkunft legte er torkelnd zurück. Vorsichtshalber nahm ich alle Wertsachen an mich. Bis auf den Autoschlüssel, was ich am Folgetag bitter bereuen sollte.

Denn dieser war plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Wir suchten überall: Unter der Matratze, im Kleiderschrank, in der Dusche und im Frühstücksraum, doch der Autoschlüssel wollte nicht wieder auftauchen.

Auch die Putzfrau und die Angestellten an der Rezeption, die den ganzen Tag über Ausschau hielten, fanden den Schlüssel nicht wieder. So mussten wir (erneut) bei der Autovermietung anrufen.

Die teure Rechnung für den Schlüsselverlust

Am Telefon sagte man uns, dass ein Mitarbeiter mit einem Ersatz-Schlüssel auf den Weg geschickt werden würde. Für die Anreise, circa 60 Kilometer, brauchte der Mann ziemlich genau acht Stunden, also seinen ganzen Arbeitstag.

Bei seiner Ankunft rief er an und wartete am Mietwagen auf uns. Es handelte sich um den jungen Mann, der vor wenigen Tagen dazu verdonnert worden war, den Wagen gründlich zu waschen. Statt Wut zeichnete sich eher Schadenfreude auf seinem Gesicht ab.

Insbesondere als er uns die Rechnung überreichte: Satte 500 Euro mussten wir für den Schlüsselverlust blechen. Mit diesem Betrag hätten wir locker die restlichen zehn Tage in Albanien finanzieren können.

Stattdessen hatten wir ein dickes Lehrgeld gezahlt. Immerhin: Danach hatten wir mit dem Auto keine Schwierigkeiten mehr. Hätten wir uns wahrscheinlich auch nicht mehr leisten können.

In meiner Reise-Kolumne „Endstation Welt“ berichte ich wöchentlich von meinen Erlebnissen rund um den Globus. Mal lustig, mal ernst, mal mit Geheimtipp und mal mit prägenden Erkenntnissen. Grundsätzlich geht es mir immer darum, mich in der Ferne wohlzufühlen, daher auch der Name der Kolumne: „Endstation“ steht fürs Ankommen, „Welt“ für die grenzenlose Weite unseres Planeten.