Eine Institution in Wittenberge: 46 Jahre Geschenkartikelgeschäft
In der Bahnstraße 78 in Wittenberge befindet sich eine echte Institution des Einzelhandels. Seit stolzen 46 Jahren steht Petra Beck hier bereits hinter dem Tresen ihrer Geschenkartikelboutique, und seit 35 Jahren führt sie das Geschäft als selbstständige Unternehmerin. Zu diesem bemerkenswerten Jubiläum gratulierten kürzlich Bürgermeister Oliver Hermann, Heike Bayer vom Interessenring Wittenberge, René Georgius vom Regionalcenter der Industrie- und Handelskammer Potsdam sowie Gabriele Hahn vom Gewerbeamt der Stadt.
Vom HO-Angestellten zur selbstständigen Unternehmerin
„Mit der Wende bin ich selbstständig geworden“, erzählt Petra Beck im ausführlichen Gespräch. Zuvor hatte sie bereits mehrere Jahre die damalige HO-Verkaufsstelle für Kunstgewerbe geleitet, die nach der Wiedervereinigung aufgelöst wurde. Während viele Mitarbeiter entlassen wurden, ergriff Petra Beck die Chance und übernahm den Laden in der Bahnstraße – eine Entscheidung, die sie bis heute prägt.
„Damals habe ich etwas kopflos gesagt: Das mache ich“, erinnert sich die Unternehmerin lebhaft zurück. „Ich musste Kredite aufnehmen, damals noch zu hohen Zinsen. Das war schon schwer.“ Seitdem arbeitet sie sechs Tage pro Woche im Laden, sonntags kommen oft noch Warenbestellungen oder Messebesuche hinzu. „Das ist schon verrückt. Das muss man erst mal durchstehen.“ Nur gelegentlich gönnt sie sich eine kurze Auszeit.
Treue Kundschaft als Erfolgsgeheimnis
Dass sie diese Herausforderung meisterte, verdankt Petra Beck nicht zuletzt einer äußerst loyalen Kundschaft. „Ich habe viele nette und tolle Kunden. Manche kenne ich noch aus den Anfangsjahren“, berichtet die Geschäftsinhaberin. Einige seien bereits verstorben, mit anderen habe sie über die Jahre nicht nur gelacht und erzählt, sondern auch über Sorgen und Nöte gesprochen. „Ich kann meinen Kunden wirklich dankbar sein.“
Ihre Ausbildung absolvierte Petra Beck vor etwa fünf Jahrzehnten in verschiedenen HO-Läden, wo sie „alles außer Lebensmittel“ verkaufte – inklusive Damen- und Herrenmoden. Nach der Lehre begann sie in der Verkaufsstelle für Kunstgewerbe, und seitdem arbeitet sie tagtäglich in derselben Ladenfläche, die ihr mittlerweile selbst gehört.
Immer am Puls der Zeit
Neben dem persönlichen Kundenkontakt sieht Petra Beck ihr Erfolgsrezept darin, sich niemals auszuruhen. Stattdessen achtet sie stets darauf, im Trend zu bleiben, besucht regelmäßig Messen und Ausstellungen. Aktuell sind Osterhasen und Frühlingsdekoration besonders gefragt. Das Sortiment umfasst praktisch alles von A bis Z:
- Vasen und Porzellan
- Kleine Tischlampen
- Handtaschen und Bekleidung
- Kerzen und vieles mehr
Ein besonderer Service: Für nur 50 Cent oder einen Euro – je nach Größe – können Kunden ihre Geschenke professionell einpacken lassen.
Wandel der Warenströme über die Jahrzehnte
Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Bezugsquellen und das Sortiment deutlich verändert. „Wir hatten auch zu DDR-Zeiten gute Waren“, betont Petra Beck. „Etwa Kupfer und Messing aus Albanien und Bulgarien oder Textilien und Geschirr aus Ungarn.“ In der DDR bezog man Schnitzereien und Webereien von lokalen Produzenten. Die oft beschriebenen leeren Regale habe es in ihrem Geschäft nicht gegeben, allerdings seien Traditionsartikel wie Schwibbögen zu Weihnachten manchmal schwer zu beschaffen gewesen.
Heute stammt vieles aus China, aber auch aus Portugal oder Italien. Dennoch setzt Petra Beck nach wie vor auf Individualität – ein Konzept, das sogar Kunden aus Berlin anzieht. „Ich finde den Einheitsbrei in vielen Innenstädten so traurig“, beklagt die Unternehmerin. „Früher konnte man richtig bummeln gehen, jeder Inhaber hatte etwas anderes im Angebot.“
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Zwar hat Petra Beck das wirtschaftliche Auf und Ab der letzten Jahre gut überstanden, doch die wachsende Bürokratie – insbesondere bei Kasse und Buchhaltung – sowie die steigenden Energiekosten bereiten ihr Sorgen.
Obwohl sie eigentlich in Rente gehen könnte, plant Petra Beck zunächst weiterzumachen. „Die Landesgartenschau nächstes Jahr in Wittenberge will ich mir nicht entgehen lassen“, betont sie mit Nachdruck. Erst danach will sie überlegen, wie es für sie persönlich und für ihr Geschäft weitergehen soll. Ihre Geschichte steht exemplarisch für Beständigkeit und Anpassungsfähigkeit im deutschen Einzelhandel über politische und wirtschaftliche Systemwechsel hinweg.



