Der US-amerikanische Videospielehändler GameStop sorgt erneut für Schlagzeilen: Das Unternehmen will die Online-Handelsplattform Ebay für rund 56 Milliarden Dollar übernehmen. Das Gebot bestehe aus einer Mischung aus Bargeld und Aktien, erklärte GameStop-Chef Ryan Cohen dem „Wall Street Journal“. Pro Ebay-Aktie sollen 125 Dollar geboten werden, was einem Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag entspricht.
Ungewöhnliche Kräfteverhältnisse
Die geplante Übernahme ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. GameStop hat einen Börsenwert von knapp zwölf Milliarden Dollar und ist damit deutlich kleiner als Ebay, das auf rund 46 Milliarden Dollar kommt. Cohen verspricht sich von dem Zusammenschluss einen stärkeren Konkurrenten für den E-Commerce-Riesen Amazon. Er habe bereits eine Kreditzusage über rund 20 Milliarden Dollar für die Übernahme erhalten, sagte Cohen. Wie der Rest der Kaufsumme finanziert werden soll, blieb zunächst offen. Laut „Wall Street Journal“ könnten Staatsfonds aus dem Nahen Osten eine Rolle spielen.
Reaktionen und weiteres Vorgehen
Von Ebay gab es zunächst keine offizielle Stellungnahme zu Cohens Ankündigung. GameStop hat nach eigenen Angaben bereits einen Anteil von fünf Prozent an Ebay aufgebaut. Sollte das Management von Ebay das Angebot ablehnen, will sich GameStop direkt an die Aktionäre wenden. Im nachbörslichen Handel stieg der Ebay-Kurs bereits auf rund 116 Dollar, nachdem das „Wall Street Journal“ über die Pläne berichtet hatte.
Ryan Cohen: Vom Chewy-Gründer zum GameStop-Chef
Ryan Cohen war zuvor Mitgründer des auf Haustierartikel spezialisierten Onlinehändlers Chewy. Im Jahr 2020 baute er eine hohe Beteiligung bei GameStop auf, kritisierte das Management als zu langsam beim Ausbau des Onlinegeschäfts und übernahm 2023 den Chefposten. Unter seiner Führung schloss GameStop zahlreiche Filialen und setzte verstärkt auf den Verkauf von Sammelkarten und Retro-Konsolenspielen, die bei Gamern Nostalgie wecken. Auch Ebay versucht unter CEO Jamie Iannone, sich auf lukrative Kategorien wie Sammelartikel, Autoteile und gebrauchte Mode zu konzentrieren, und setzt verstärkt auf Künstliche Intelligenz, um das Einkaufserlebnis zu verbessern.
GameStop und der Meme-Aktien-Hype
GameStop war zu Beginn der Coronapandemie ins Zentrum eines spektakulären Börsenhypes gerückt. Amateur-Händler aus dem Internet verabredeten sich, um die Aktie des angeschlagenen Spielehändlers entgegen den Prognosen von Wall-Street-Analysten in die Höhe zu treiben. Ziel war es, Hedgefonds zu ärgern, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Der Kurs schoss in phantastische Höhen, was den privaten Spekulanten einen unerwarteten Erfolg bescherte.



