Edelmetallbranche zeigt sich optimistisch für das laufende Jahr
Die deutsche Edelmetallindustrie blickt trotz globaler Spannungen mit Zuversicht auf das Jahr 2026. Sowohl Gold als auch Silber und Platin verzeichnen eine anhaltend hohe Nachfrage, die von verschiedenen wirtschaftlichen und technologischen Faktoren getrieben wird. Thomas Weiß von der Fachvereinigung Edelmetalle in Pforzheim betont: „Die Unsicherheiten und globalen Spannungen nehmen ja nicht ab.“ Dies unterstreicht die traditionelle Rolle von Edelmetallen als sichere Anlage in turbulenten Zeiten.
Goldpreis erholt sich nach kurzem Einbruch
Nach einem vorübergehenden Rückgang des Goldpreises aufgrund des Iran-Kriegs hat sich der Markt wieder gefangen. Thomas Weiß bewertet diese Entwicklung als eine längst überfällige Korrektur. „Das war eine Korrektur, die war lange fällig“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft. Aktuell steigt der Preis wieder, angetrieben insbesondere durch Käufe von Zentralbanken in Schwellenländern.
Silber bleibt in der Industrie unverzichtbar
Silber ist aufgrund seiner hervorragenden Leitfähigkeit ein äußerst begehrter Rohstoff in der Industrie. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und des Ausbaus Künstlicher Intelligenz wird das Edelmetall verstärkt für Rechenzentren und Mikrochips benötigt. Auch in der Energiewende spielt Silber eine entscheidende Rolle, beispielsweise in Windrädern und Photovoltaikanlagen. Franz-Josef Kron, Vorsitzender des Arbeitsausschusses, weist jedoch darauf hin, dass die stark gestiegenen Preise zu Einsparungen oder dem Einsatz von Alternativen wie Kupfer führen.
Platin profitiert von anhaltender Automobilnachfrage
Bei Platin und verwandten Edelmetallen übertrifft die aktuelle Nachfrage die ursprünglichen Erwartungen. Diese Metalle werden vor allem für Katalysatoren in Fahrzeugen benötigt. Da die Produktion rein elektrischer Autos nicht im einst prognostizierten Umfang zunimmt, bleibt der Bedarf hoch. Gleichzeitig geht das Angebot aus wichtigen Förderländern wie Russland und Südafrika aus verschiedenen Gründen zurück, wie Franz-Josef Kron erläutert.
Verband fordert verstärktes Recycling
Um unabhängiger von globalen Lieferkettenstörungen zu werden, setzt sich der Edelmetallverband für eine Intensivierung des Recyclings ein. Thomas Weiß berichtet, dass viele Menschen angesichts der Preissteigerungen im vergangenen Jahr Altgold in Form von Schmuck, Münzen und Barren zum Verkauf angeboten haben. „Und es sieht so aus, als ob noch einiges in privater Hand ist“, so seine Einschätzung.
Besonders bei Elektrogeräten sieht York Tetzlaff, Geschäftsführer der Fachvereinigung, großen Nachholbedarf. „Da müssen wir viel besser werden in Europa“, fordert er. Derzeit wird nur etwa ein Drittel der Geräte recycelt, während viel wertvolles Material die Europäische Union verlässt. Tetzlaff räumt jedoch ein, dass Recycling allein den gesamten Bedarf nicht decken kann.
Die Branche steht somit vor der Herausforderung, die steigende Nachfrage durch eine Kombination aus verantwortungsvoller Förderung und effizientem Recycling zu bewältigen. Die positiven Signale vom Goldmarkt und die robuste Industrienachfrage nach Silber und Platin geben jedoch Anlass zur Hoffnung für ein erfolgreiches Jahr 2026.



