Güstrower Unternehmen in der Preisfalle: Existenzbedrohende Spritkosten belasten Wirtschaft
Der tägliche Blick auf die Tankstellen-Preistafeln löst bei vielen Unternehmern in Güstrow und der Region mittlerweile blankes Entsetzen aus. Die Rekordrallye bei Benzin- und Dieselpreisen scheint kein Ende zu nehmen und stellt zahlreiche Betriebe vor existenzielle Herausforderungen. Während Pendler die steigenden Kosten schmerzhaft spüren, trifft es gewerbliche Nutzer mit voller Wucht.
Pflegedienste und Taxiunternehmen am Limit
Besonders betroffen sind Dienstleister, die auf regelmäßige Fahrten angewiesen sind. Der Pflegedienst K&K in Lalendorf etwa sieht der Kostenexplosion mit großer Ohnmacht entgegen. Firmenchefin Kathrin Kientopf erklärt die prekäre Situation: „Wir müssen tanken, uns bleibt keine Alternative. Das sind zusätzliche Ausgaben, die wir nicht kompensieren können.“ Wie sich diese Belastung konkret auswirken wird, bleibt noch ungewiss.
Etwas entspannter kann die Diakonie Sozialstation Güstrow die Lage betrachten. Durch die frühzeitige Anschaffung von 15 Elektrofahrzeugen vor vier Jahren ist man für den Stadtverkehr gut gerüstet. Diakonie-Pressesprecher Torsten Ehlers betont den Weitblick dieser Investition. Dennoch unterhält der Fahrdienst weiterhin einige Benziner für längere Strecken – etwa für Tagespflege- und Arztfahrten von Güstrow über Schwaan bis Röbel. Fahrdienst-Koordinator Peter Sabban weiß: „Da kommen am Tag schon mal 3000 Kilometer zusammen.“
Regulierte Preise und saure Äpfel
Für Taxiunternehmer Frank Hübner aus Güstrow wird die Situation immer bedrohlicher. Mit seinem Fuhrpark von sechs Fahrzeugen legt er jährlich etwa 280.000 Kilometer zurück. „Bei den aktuellen Kraftstoffpreisen sind das Mehrkosten von rund 15.000 Euro“, rechnet er vor. Das Problem: Diese Belastung kann er nicht einfach an seine Kunden weitergeben. „Die Preise werden über das Straßenverkehrsamt reguliert. Eine Preiserhöhung müsste erst beantragt werden, das dauert bis zu einem halben Jahr“, erklärt Hübner. Er muss also vorerst in den sauren Apfel beißen.
Transportunternehmen schlagen Alarm
Noch dramatischer fällt die Bilanz für den Gnoiener Unternehmer Alexander Jürges aus. Sein Unternehmen „Transport, Handel, Service“ setzt etwa 150 Fahrzeuge ein und rechnet mit monatlichen Zusatzkosten von rund 100.000 Euro. Zwar akzeptieren einige Kunden sogenannte Diesel-Zuschläge als Extra-Position auf der Rechnung, doch andere „mosern herum“. Jürges warnt: „Die Lage ist mittlerweile existenzbedrohend. Vielleicht halte ich noch etwas länger durch als andere.“
Der Unternehmer fordert staatliches Handeln bei der Mineralölsteuer oder der CO₂-Bepreisung, die kontinuierlich steigt. Seine düstere Prognose: „Irgendwann wird der Diesel-Preis ohnehin bei über zwei Euro liegen.“ Diese Entwicklung werde sich unweigerlich auf die Verbraucherpreise niederschlagen.
Tiefbauer fürchten Vertragsauflösungen
Besonders prekär ist die Situation für die Straßen- und Tiefbaufirma Koch in Malchin. Hier laufen alle Maschinen – von Lkw über Radlader bis Bagger – mit Diesel. Doch nicht nur die Treibstoffkosten bereiten Sorgen. Niederlassungsleiter Robert Paries weist auf ein noch größeres Problem hin: „Die Kosten für das Material, das wir auf den Baustellen benötigen, steigen kontinuierlich. Von den Lieferanten kommt eine Erhöhung nach der anderen.“
Dies bringt das Unternehmen in ernste Schwierigkeiten, da es mit Auftraggebern Verträge mit Angebotsbindung abgeschlossen hat. Im schlimmsten Fall müssten diese Verträge aufgelöst werden. „Das macht uns wirklich zu schaffen“, so Paries. Das Malchiner Unternehmen betreut derzeit 12 bis 13 Baustellen und hofft nun auf das Wohlwollen der Auftraggeber. Allerdings weiß man auch, dass Kommunen und Landkreis selbst unter finanziellen Engpässen leiden. Die hohen Dieselpreise machen Baumaßnahmen schlichtweg teurer – eine Abwärtsspirale, die viele Betriebe in ihrer Existenz bedroht.



