Rüstungsindustrie profitiert von globaler Sicherheitslage
Seit mehr als vier Jahren tobt der Ukraine-Krieg, der für Deutschlands Waffenbranche erheblichen Rückenwind bedeutet. Bei Heckler & Koch, dem größten deutschen Hersteller von Handfeuerwaffen, zeigen sich die Auswirkungen besonders deutlich. Das Unternehmen aus Oberndorf im Nordschwarzwald meldet Rekordzahlen und volle Auftragsbücher.
Umsatz und Gewinn erreichen historische Höchstwerte
Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz von Heckler & Koch um beeindruckende 14,4 Prozent auf 393 Millionen Euro – ein Wert, der in der gesamten Firmengeschichte noch nie erreicht wurde. Das Nachsteuerergebnis schnellte sogar um ein Viertel auf 39,5 Millionen Euro in die Höhe. Die Auftragslage entwickelt sich noch dynamischer: Während der Auftragseingang 2024 bei 426,2 Millionen Euro lag, verdoppelte er sich 2025 nahezu auf 802 Millionen Euro, was ebenfalls einen Firmenrekord darstellt.
Firmenchef Jens Bodo Koch kommentiert diese Entwicklung: „Die globale Sicherheitslage bleibt angespannt, was sich in unserer Auftragslage widerspiegelt.“ Die Namensgleichheit mit Firmengründer Theodor Koch ist dabei rein zufällig, unterstreicht aber die Kontinuität des traditionsreichen Unternehmens.
Massive Investitionen in Produktion und Personal
Heckler & Koch setzt voll auf sein Stammwerk im Nordschwarzwald und investiert kräftig in die Zukunft. Zwischen 2019 und 2024 flossen bereits rund 100 Millionen Euro in Automatisierung und moderne Infrastruktur. Für den Zeitraum von 2025 bis 2028 sind sogar Investitionen von 235 Millionen Euro geplant.
„Der Ausbau unserer Kapazitäten und die Weiterentwicklung unserer Produktionsprozesse sichern unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig“, betont Manager Koch. Das Unternehmen arbeite stabil und profitabel und rechne mit deutlich erhöhter Produktivität durch die Modernisierungsmaßnahmen.
Personalausbau und internationale Präsenz
Die Belegschaft wächst kontinuierlich: Aktuell beschäftigt Heckler & Koch 1.340 Mitarbeiter, 84 mehr als noch 2024. Bis 2028 soll die Zahl auf etwa 1.600 steigen. Etwa 85 Prozent des Personals arbeiten in Deutschland, vorwiegend am Stammsitz in Oberndorf. Kleinere Standorte unterhält das Unternehmen in den USA und Großbritannien.
Der nordamerikanische Markt ist für H&K besonders bedeutend, da dort auch Privatpersonen Pistolen der Schwarzwälder Waffenschmiede erwerben können. Der US-Umsatzanteil liegt bei etwa einem Viertel. In Europa hingegen ist das zivile Geschäft – der Verkauf an Zivilisten – nur minimal.
Bundeswehr als größter Kunde und neue Geschäftsfelder
Größter Abnehmer von Heckler & Koch ist die Bundeswehr, die derzeit schrittweise 80.000 neue Sturmgewehre von dem Unternehmen bezieht. Ein Rahmenvertrag ermöglicht sogar Bestellungen von bis zu 250.000 Exemplaren. Mit diesen neuen Waffen wird das in die Jahre gekommene Gewehr 36 (G36) als Standardgewehr der Bundeswehr abgelöst, das ebenfalls von Heckler & Koch produziert wurde.
Zu den wichtigsten Konkurrenten zählen Beretta aus Italien, der zur tschechischen CZ-Gruppe gehörende US-Waffenhersteller Colt sowie Haenel aus Thüringen.
Das Unternehmen erschließt sich zudem neue Geschäftsfelder: Heckler & Koch hat mit der Produktion von besonders präziser Spezialmunition für Polizei-Einsatzkräfte begonnen. Außerdem plant das Unternehmen den Verkauf eines Granatmaschinenwerfers zur Drohnenabwehr, dessen Vermarktung nach erfolgreichen Erprobungen 2027 starten soll. Weitere Großaufträge für Sturmgewehre werden in Rumänien und Südkorea angestrebt.
Die Kombination aus traditioneller Handwerkskunst „Made in Germany“ und modernster Technologie sichert Heckler & Koch eine führende Position auf dem globalen Rüstungsmarkt. Das Produktportfolio umfasst Sturmgewehre, Maschinengewehre, Pistolen, Maschinenpistolen und Granatwerfer, die weltweit bei Streitkräften und Sicherheitsbehörden im Einsatz sind.



