IW-Studie: Jedes zehnte Unternehmen bietet Wohnraum für Beschäftigte an
IW: Jedes zehnte Unternehmen bietet Mitarbeiterwohnungen

IW-Studie: Jedes zehnte Unternehmen bietet Wohnraum für Beschäftigte an

Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels und der angespannten Lage auf den Mietmärkten greifen immer mehr Unternehmen zu einer bewährten Strategie: Sie bieten ihren Mitarbeitern Wohnraum an. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt, dass fast jedes zehnte Unternehmen in Deutschland – genau genommen 9 Prozent – Wohnungen für seine Beschäftigten bereitstellt. Dies geschieht entweder direkt durch das Unternehmen selbst oder über spezielle Tochtergesellschaften.

Unterstützung bei der Wohnungssuche weit verbreitet

Die Studie, für die zwischen Mitte Juli und Ende August 2025 insgesamt 826 Unternehmen aus allen Branchen – mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes – befragt wurden, zeigt weitere interessante Aspekte. Gut ein Fünftel der Betriebe, nämlich 21 Prozent, unterstützt seine Mitarbeiter aktiv bei der Suche nach einer Wohnung. Diese Hilfe kann organisatorischer Natur sein, etwa durch Vermittlung von Kontakten, oder auch finanziell ausgestaltet werden. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen berichtet von positiven Effekten dieser Maßnahmen auf das Gewinnen und langfristige Binden von qualifizierten Fachkräften.

Besonders in Ballungsräumen und Großstädten, wo die Wohnungssuche für Beschäftigte zunehmend schwieriger wird, erweisen sich solche Angebote als wertvolles Instrument im Wettbewerb um Talente. Auch für Auszubildende und dual Studierende zeigen sich Vorteile, wenn auch in etwas geringerem Maße als bei erfahrenen Fachkräften.

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Hürden und Herausforderungen für Unternehmen

Trotz der positiven Erfahrungen bleibt die direkte Bereitstellung von Werkswohnungen oder Mitarbeiterapartments die Ausnahme. Eine flächendeckende Verbreitung solcher Angebote ist laut IW-Studie derzeit nicht absehbar. Nur wenige Unternehmen planen, in den kommenden fünf Jahren neue Wohnraum-Angebote für ihre Belegschaft einzuführen.

Als wesentliche Hürden nennen die befragten Betriebe:

  • Ungünstige Rahmenbedingungen auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt
  • Fehlende verlässliche Kooperationspartner aus der Wohnungswirtschaft
  • Rechtliche und steuerliche Unsicherheiten bei der Bereitstellung von Wohnraum
  • Hoher administrativer Aufwand für die Verwaltung von Immobilien

Potenzial für Entlastung der Wohnungsmärkte

Die IW-Studie sieht dennoch Potenzial in Mitarbeiterwohnungen, um punktuell zur Entlastung angespannter Wohnungsmärkte beizutragen. Während die Nutzung bestehender Wohnungen durch Unternehmen möglicherweise zu Verdrängungseffekten bei anderen Mietinteressenten führen kann, bietet insbesondere der Neubau von Wohnungen – etwa auf firmeneigenen Geländen – die Chance, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

Entscheidend für den Erfolg solcher Projekte sind laut den Experten klare rechtliche Regelungen, beschleunigte Genehmigungsverfahren und eine engere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und der Wohnungswirtschaft.

Lange Tradition der Werkswohnungen in Deutschland

Die Idee, Mitarbeitern Wohnraum zur Verfügung zu stellen, hat in Deutschland eine lange Tradition. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert errichteten Industriekonzerne wie Siemens oder BASF ganze Arbeitersiedlungen für ihre Belegschaften. In Berlin entstand so die berühmte Siemensstadt, in Ludwigshafen baute der Chemiekonzern BASF unter anderem die Hohenzollern-Höfe und die Hemshof-Siedlung.

Auch der Automobilhersteller Volkswagen setzt seit Jahrzehnten auf Werkswohnungen, etwa in der Waldsiedlung Steimker Berg nahe Wolfsburg. Damals wie heute ging und geht es den Unternehmen dabei vor allem darum, qualifizierte Arbeitskräfte langfristig an sich zu binden.

Zuletzt sorgte BASF für Aufsehen mit der Ankündigung, rund 4.400 Wohnungen verkaufen zu wollen. Der Konzern begründete diesen Schritt mit der Absicht, sich stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können. Bei Gewerkschaften und in der Landespolitik stieß diese Entscheidung jedoch auf deutliche Kritik.

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Die historische Praxis der Werkswohnungen zeigt, dass die Bereitstellung von Wohnraum durch Unternehmen kein neues Phänomen ist. In Zeiten von Fachkräftemangel und Wohnungsknappheit gewinnt diese Strategie jedoch wieder an Bedeutung – auch wenn sie aufgrund verschiedener Hürden nicht flächendeckend umgesetzt werden kann.