Lufthansa feiert 100-jähriges Jubiläum in München mit Blick auf Erfolge und NS-Vergangenheit
Lufthansa: 100 Jahre zwischen Triumph und dunkler Geschichte

Ein Jahrhundert Luftfahrt: Lufthansa feiert in München mit gemischten Gefühlen

Ein imposanter Airbus A350-900 thront in der großen Halle des Münchner Flughafens, umgeben von 220 Mitarbeitern und geladenen Gästen. Hier, im Herzen Bayerns, blickt die Deutsche Lufthansa AG auf 100 bewegte Jahre zurück – eine Zeit, die von technischen Triumphen, aber auch von dunklen Kapiteln geprägt ist. Am 6. Januar 1926 wurde das Unternehmen in Berlin gegründet, und nur vier Monate später startete der erste Linienflug von Berlin-Tempelhof nach Zürich. Heute, ein Jahrhundert später, zählt der Konzern 110.000 Beschäftigte und eine Flotte von 850 Flugzeugen, wovon 140 in München stationiert sind.

Jubiläumsfeier mit prominentem Gast und historischer Reflexion

Bei der Festveranstaltung im Lufthansa-Hangar trat neben Vorstandschef Carsten Spohr auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder als Redner auf. Beide betonten die Meilensteine des Unternehmens, darunter die jüngste Errungenschaft: Der Flughafen München begrüßte 2026 seinen milliardsten Passagier, 37 Jahre früher als ursprünglich prognostiziert. Söder pries den Flughafen als "Tor zur Welt", das Bayern international vernetzt und attraktiv für Unternehmen aus den USA, China sowie für Start-ups macht. Er forderte enthusiastisch: "Mehr Lufthansa tut Bayern gut und mehr Bayern macht die Lufthansa schöner und erfolgreicher." Zum Abschluss überreichte Spohr Söder ein Modellflugzeug für sein Büro – ein symbolisches Geschenk für die enge Verbindung.

Das dunkle Kapitel: NS-Verstrickungen und Zwangsarbeit

Doch das Jubiläum ist nicht nur ein Anlass zum Feiern. Auf einem Zeitstrahl an einer Pappwand im Hangar werden an zwei Punkten die Verstrickungen des Unternehmens in das NS-Regime erwähnt. Historisch profitierte Lufthansa von staatlichen Subventionen und der Zusammenarbeit mit führenden Nationalsozialisten. Zudem rekrutierte das Unternehmen Tausende Zwangsarbeiter, darunter sogenannte "Rüstungsjuden", die unter diskriminierenden und menschenverachtenden Bedingungen arbeiten mussten. Seit der Neugründung 1953 bemüht sich Lufthansa um die Aufarbeitung dieser Vergangenheit, und das 100-jährige Jubiläum soll diesen Prozess weiter vorantreiben. In den Reden von Spohr und Söder blieb dieses Thema jedoch am Rande, während die Erfolgsgeschichte im Vordergrund stand.

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Zukunftspläne und politische Unsicherheiten

Die Feierlichkeiten fanden vor dem Hintergrund politischer Entwicklungen statt. Nach der Bürgermeisterwahl in München stellt sich die Frage, ob der neugewählte Dominik Krause von den Grünen den Platz von Dieter Reiter (SPD) im Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH einnehmen wird. Die Grünen stehen dem Flugverkehr kritischer gegenüber als CSU und SPD, was mögliche Auswirkungen auf zukünftige Entscheidungen haben könnte. Der Flughafen München gab dazu eine vorsichtige Stellungnahme ab: Der Aufsichtsrat besteht aus 16 Mitgliedern, wovon zwei von der Landeshauptstadt München benannt werden. Ob Krause tatsächlich einziehen wird, bleibt aktuell offen.

Gleichzeitig plant Lufthansa die Expansion des Münchner Flughafens in den 2030er-Jahren mit dem sogenannten "T-Stiel", einem geplanten Ausbauprojekt. Dies unterstreicht die ambitionierten Ziele des Unternehmens, trotz der historischen Belastungen und politischen Herausforderungen. Als der Festakt endet, bleibt der Airbus A350-900 als stummer Zeuge zurück – ein Symbol für 100 Jahre Luftfahrt, die zwischen Höhenflügen und Abgründen oszilliert.

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