Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall erlebt einen beispiellosen Bewerbungsboom. Allein im vergangenen Jahr gingen weltweit 350.000 Bewerbungen ein, davon 250.000 aus Deutschland, wie Konzernchef Armin Papperger bei einer Veranstaltung des Clubs Hamburger Wirtschaftsjournalisten bekannt gab. Das Unternehmen, das früher mit einem schwierigen Image zu kämpfen hatte, ist heute ein gefragter Arbeitgeber. Papperger berichtete, dass sogar Menschen bei ihm zu Hause klingelten und ihren Wunsch äußerten, bei Rheinmetall zu arbeiten. Derzeit beschäftigt der Konzern rund 44.000 Mitarbeiter.
Wachstumskurs und Umsatzprognose
Rheinmetall ist in den vergangenen Jahren jährlich um 30 bis 50 Prozent gewachsen. Für dieses Jahr erwartet Papperger ein Wachstum von etwa 40 Prozent. Der prognostizierte Umsatz liegt bei 14 bis 15 Milliarden Euro. Rund 65 Prozent der Produkte werden exportiert, hauptsächlich in andere NATO-Staaten. Das Unternehmen hat etwa 11.500 deutsche Zulieferer, von denen rund 4.500 aus der Automobilindustrie stammen.
Zukunftspläne und Personalbedarf
Bis 2030 soll die Belegschaft auf bis zu 70.000 Beschäftigte anwachsen. Rechnet man die Lieferkette hinzu, wären etwa 210.000 weitere Menschen indirekt betroffen. Papperger verglich dies mit einem Drittel der gesamten Automobilindustrie. Der Zenit der Umsätze und Aufträge wird erst zwischen 2035 und 2040 erwartet. Sofern es keine militärischen Auseinandersetzungen in Deutschland gebe, werde dann der Höhepunkt überschritten, so Papperger, der auch Präsident des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) ist.
Überkapazitäten und Staatsbeteiligung
Nach Abschluss der Rüstungsvorhaben und bei funktionierender Abschreckung könnten Überkapazitäten entstehen. Dann seien die Regierungen gefragt, betonte Papperger. Bereits jetzt gebe es Gespräche mit Ministerien über den Aufbau einer Kriegsreserve. Er plädiert für eine sogenannte Vorhalte-Charter, wie sie in den 1950er und 1960er Jahren beim Aufbau der Bundeswehr üblich war. Dabei beteiligt sich der Staat an den Fixkosten, um die Produktionskapazitäten aufrechtzuerhalten.
Ausbau der Produktionskapazitäten
Rheinmetall hat seine Produktionskapazitäten deutlich erhöht: Bei Militärlastwagen von 600 auf 4.500 pro Jahr, bei Mittelkalibermunition von rund 800.000 auf über 4 Millionen Schuss und bei Artillerie von 70.000 auf 1,1 Millionen Schuss. Bei konventioneller Munition verfüge Deutschland inzwischen über mehr Produktionskapazitäten als die USA, sagte Papperger.
Übernahme der NVL-Werft
Anfang März schloss Rheinmetall die Übernahme des Marineunternehmens NVL ab, zu dem die Werft Blohm+Voss gehört. Verkäufer war die Bremer Werftengruppe Lürssen. Papperger betonte, dass die komplette Belegschaft übernommen werde und zusätzlich rund 500 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Er stellte klar, dass es sich nicht um eine einfache Übernahme handle, bei der Personal ohne entsprechende Qualifikation eingestellt werde.



