Mailand – Jetzt wird es ernst im Übernahme-Krimi: UniCredit hat ihr offizielles Angebot für die Commerzbank gestartet. Seit Dienstag läuft die Frist, sie endet am 16. Juni. Die Italiener bieten 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie. Beim aktuellen Kurs von 67,09 Euro entspricht das rund 32,54 Euro und liegt damit unter dem Börsenkurs der Commerzbank-Aktie von zuletzt 35,01 Euro.
Warum sollten Aktionäre das Angebot annehmen?
Für viele Investoren ist das eine Abwägung: Sie nehmen auch einen niedrigeren Preis in Kauf, wenn sie befürchten, dass der Kurs ohne Übernahme wieder fällt, und sichern sich lieber jetzt den Wert. Bei der Commerzbank stößt der Plan weiter auf Widerstand. Vorstand, Mitarbeiter und auch die Bundesregierung lehnen die Übernahme ab und werben für die Eigenständigkeit der Bank.
Der Plan hinter dem Angebot
Hinter dem Angebot steckt zudem eine klare Strategie. UniCredit geht es nicht darum, sofort die komplette Commerzbank zu übernehmen. Entscheidend ist eine Marke: 30 Prozent. Ab dieser Schwelle schreibt das Gesetz vor, dass ein Käufer allen Aktionären ein Angebot machen muss. Genau das macht UniCredit jetzt, aber zu einem vergleichsweise niedrigen Preis. Gelingt es der Bank, damit über die 30-Prozent-Marke zu kommen, hat sie einen entscheidenden Vorteil: Danach kann sie weitere Aktien am Markt kaufen, ohne noch einmal allen Aktionären ein neues Angebot machen zu müssen.
Was die Commerzbank jetzt plant
Die Commerzbank setzt dagegen auf ihre eigene Strategie. Der Vorstand will die Aktionäre davon überzeugen, dass die Bank auch allein erfolgreich wachsen kann. Dafür hat das Institut im Februar seine Finanzziele angehoben und stellt höhere Gewinne in Aussicht. Die Botschaft: Wer investiert bleibt, könnte langfristig besser fahren als mit einem schnellen Ausstieg.
Starke Zahlen aus Mailand – Blick auf Freitag
UniCredit unterstreicht ihren Anspruch mit starken Zahlen. Im ersten Quartal stieg der Gewinn um 16,1 Prozent auf 3,22 Milliarden Euro, der Umsatz legte auf 6,9 Milliarden Euro zu. Die Italiener hoben zudem ihre Prognose für das Gesamtjahr an. Die Antwort aus Frankfurt folgt am Freitag: Dann legt die Commerzbank ihre Quartalszahlen vor und dürfte die Gelegenheit nutzen, ihre Eigenständigkeit noch einmal zu verteidigen.



