Unternehmer in der Spritpreis-Falle: Wie die hohen Dieselkosten Handwerk und Transport belasten
Unternehmer in der Spritpreis-Falle: Hohe Dieselkosten belasten

Unternehmer in der Spritpreis-Falle: Wie die hohen Dieselkosten Handwerk und Transport belasten

Die durch den Nahost-Konflikt ausgelöste Spritpreisexplosion hat die Stimmung bei deutschen Autofahrern und vor allem bei gewerblichen Nutzern deutlich getrübt. Trotz minimaler Entlastungen in den letzten Wochen kostet der Liter Diesel immer noch knapp 39 Cent mehr als vor den Angriffen Ende Februar. Besonders hart trifft es Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Mobilität angewiesen ist. Handwerker, Fahrlehrer, Taxiunternehmer und Busbetreiber stehen vor der Herausforderung, die erheblichen Mehrkosten abzufedern.

Fahrschulen passen Preise an

Fahrlehrer Thorsten Wiegand (52) aus Hohenwestedt in Schleswig-Holstein hat bereits reagiert: Ab April werden seine Fahrstunden um drei Euro teurer und kosten dann 72 statt 69 Euro. „Aktuell zahle ich für eine Diesel-Füllung beim Fahrschulwagen rund 97 Euro, vorher waren es etwa 67 Euro“, erklärt Wiegand. Mit zwei Autos und einem Motorrad summieren sich seine monatlichen Mehrkosten auf 700 bis 800 Euro. Er berichtet, dass auch andere Fahrschulen ihre Preise erhöhen werden. Bestehende Verträge bleiben zwar unverändert, aber auslaufende Verträge werden angepasst. Die Fahrschüler zeigten überwiegend Verständnis für die Erklärung der Situation.

Taxiunternehmen mit schwindenden Gewinnen

Erol Norman (42), Inhaber von „Taxi Ruf Düsseldorf“ mit über 300 Fahrzeugen, spürt die gestiegenen Spritpreise mit voller Wucht. Eine Tankfüllung kostet ihn nun rund 130 statt 100 Euro. Da er an die Taxitarifordnung gebunden ist und pro Kilometer 2,70 Euro erhält, kann er seine Fahrpreise nicht erhöhen. Die Folge: sein Gewinn ist um etwa 30 Prozent geschrumpft, was täglich eine fast fünfstellige Summe ausmacht. Das Unternehmen muss sein Fahrgeschäft anpassen, verzichtet weitgehend auf Ad-Hoc-Fahrten und setzt Taxis nur noch in Stoßzeiten ein. Norman appelliert an die Politik: „Erlasst uns die Mehrwertsteuer! Wie bei den Wirten in Corona-Zeiten. Das würde uns zumindest ein bisschen helfen.“

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Busunternehmen in der Vertragsbindung

Das Ehepaar Christine (69) und Horst Lauer (74) führt das Busunternehmen „Schäfer Reisen“ in Nidderau, Hessen. Eigentlich müssten sie ihre Preise erhöhen, sind aber durch langfristige Verträge gebunden. „Letztes Jahr haben wir unseren Reisekatalog herausgebracht. Das sind ja gebundene Preise“, so die Unternehmer. Viele Verträge laufen bereits seit Jahren. Nur bei auslaufenden Verträgen oder spontanen Vereinsfahrten können sie preislich mehr verlangen. Ihr Lieferant hat den Dieselpreis um 50 Cent pro Liter erhöht. In der Hochsaison verbraucht das Unternehmen mit zehn Bussen bis zu 60.000 Liter Diesel monatlich. Die Situation sei bedenklich, aber schlaflose Nächte hätten sie noch nicht: „Wir haben die Corona-Krise überstanden. Und auch die Ölkrise in den 70ern.“

Handwerker kämpfen mit Mehrkosten

Malermeisterin Maria Hettenhausen (38) aus Bothenheilingen in Thüringen führt die Malerwerkstatt Beck GmbH mit 20 Angestellten und sieben Dienstfahrzeugen. „Die hohen Diesel-Preise setzen uns schon sehr zu“, sagt sie. Sie bestellt 1000 bis 2000 Liter Diesel beim Brennstoffhandel, da sie eine eigene kleine Tankstelle hat. Vor drei Wochen kostete der Liter noch 1,78 Euro, jetzt liegt er bei 2,11 Euro. Sie ärgert sich, nicht mehr bestellt zu haben. Die teuren Dieselpreise muss sie auf die Kundenrechnungen draufschlagen. Um zu sparen, vermeidet sie Sinnlosfahrten und versucht, mehrere Anlaufstellen mit einer Fahrt zu verbinden. „Das ist für alle auf Dauer sicher keine befriedigende Lösung“, hofft sie auf sinkende Preise.

Elektromeister fühlt sich abgezockt

Marcus Haugk (36), Geschäftsführer eines Elektroinstallationsbetriebs in Schkeuditz, Sachsen, zahlt für seine fünf Transporter monatlich 300 Euro mehr für Diesel. „Wir werden abgezockt. Die Ölpreise sind inzwischen gefallen, aber die Preise an den Zapfsäulen noch nicht“, kritisiert er. Eine Umstellung auf Bus oder Bahn ist für ihn und seine Angestellten keine Option, da sie immer zum Kunden fahren müssen. „Mit dem Lastenrad können wir nicht einfach fahren“, so Haugk. Er fordert politisches Handeln.

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Mittelständler mit steigenden Kosten

Herbert Leonhart (69), Chef des Farbherstellers Maleco in Hamburg mit 60 Mitarbeitern, berichtet von Spritkosten, die von 4500-5000 Euro auf 6000-7000 Euro monatlich gestiegen sind. Bei 20 Autos und Lkw, die täglich bis zu 400 Kilometer fahren, läppern sich die Kosten. „Wenn das so bleibt, läuft das auf eine Preiserhöhung hinaus“, sagt Leonhart. Jede Dose Lack würde dann teurer werden, vermutlich spätestens im Sommer. Anders als andere Unternehmer lehnt er staatliche Hilfe ab: „Nein. Der Staat kann nicht alles auffangen. Das ist auch ein Stück weit unternehmerisches Risiko.“

Die hohen Spritpreise stellen viele deutsche Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Während einige die Kosten an ihre Kunden weitergeben oder ihre Geschäftspraktiken anpassen müssen, hoffen andere auf politische Unterstützung oder eine baldige Entspannung an den Tankstellen.