VW-Fehlzeiten-Debatte, Münchener Anschlag und Linken-Chef: Was heute wichtig war
VW-Fehlzeiten, Münchener Anschlag und Linken-Chef im Fokus

Volkswagen: Initiative Fehlzeitenquote sorgt für Empörung

Bei Deutschlands größtem Autobauer Volkswagen haben Führungskräfte offenbar in regelmäßigen Onlinerunden die persönlichen Fehlzeiten von Beschäftigten diskutiert – teils namentlich und mit gesundheitlichen Details. Wie SPIEGEL-Redakteure berichten, sollen Manager, Meister und Personaler der konzerneigenen Leiharbeitsfirma VW Group Services in zweiwöchentlichen Treffen unter dem Namen "Initiative Fehlzeitenquote" die Abwesenheiten einzelner Mitarbeiter per Präsentation besprochen haben.

Rund 600 Betroffene wurden im Nachhinein über diese Praxis informiert. Volkswagen betont zwar, man habe den Verstoß selbst erkannt und sofort reagiert, doch bleibt die irritierende Frage, wie ein solches System überhaupt entstehen konnte. Im Raum steht der Verdacht, die Initiative habe nicht nur der Fürsorge gedient, sondern auch dazu, "besonders problematische Mitarbeiter zu identifizieren und diesen dann krankheitsbedingt zu kündigen".

Einige der betroffenen Beschäftigten wollen nun rechtliche Schritte einleiten und klagen. Die Debatte um Arbeitsmoral und Krankmeldungen, die sonst eher in politischen Reden von Friedrich Merz thematisiert wird, hat damit konkrete betriebliche Auswirkungen erreicht.

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München: Proiranische Terrorgruppe reklamiert Anschlag für sich

Nach dem Brandanschlag auf das israelische Restaurant "Eclipse" in der Münchner Maxvorstadt gibt es ein Bekennervideo, das offenbar von einer proiranischen Terrorgruppe stammt. Die Generalstaatsanwaltschaft München bestätigte die Existenz der Veröffentlichung, die "Gegenstand von Ermittlungen" sei.

Sicherheitsbehörden ordnen das Video nach SPIEGEL-Informationen der proiranischen schiitischen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia (HAYI) zu. Diese taucht erst seit Kurzem mit Bekennervideos zu Anschlägen mit Sachschäden an jüdischen oder israelbezogenen Zielen in Europa auf.

Experten halten es für möglich, dass hinter HAYI weniger eine eigenständige Terrorgruppe steckt, sondern iranische Dienste, die mit bezahlten "Wegwerfagenten" aus dem kriminellen Milieu arbeiten. Auf diese Weise könnten Einschüchterungen betrieben werden, ohne sich direkt zuordenbar zu machen. Julian Lanchès vom International Centre for Counter-Terrorism in Den Haag warnt: "Dieses Video zeigt erstmals sehr deutlich, dass die Gruppe oder die tatsächlichen Hinterleute ihren Fokus auch auf Deutschland gerichtet haben."

Die Linke: Luigi Pantisano will Parteichef werden

Wer ist Luigi Pantisano aus Baden-Württemberg? Womöglich bald der neue Chef bei den Linken. Kaum war bekannt geworden, dass Jan van Aken im Juni nicht erneut als Linkenchef kandidieren wird, aktualisierte Pantisano schon seine Homepage und gab bekannt, Akens Nachfolge antreten zu wollen. Sein erster Satz: "Ich gehe diesen Schritt in großer Demut."

Diese Formulierung weckt Erinnerungen an CSU-Mann Markus Söder, der vor seiner Wahl zum Bayerischen Ministerpräsidenten 2018 ebenfalls ständig von "Demut" mit Blick auf das angestrebte politische Amt sprach. Es gibt weitere Ähnlichkeiten zwischen den Christsozialen und den "Krass-Sozialen", wie SPIEGEL-Kollege Marc Röhlig es formuliert.

Die Linke Heidi Reichinnek schrieb auf Instagram, Luigi sei "in seiner Arbeit immer nah bei den Menschen" – ein Slogan, der stark an den CSU-Wahlspruch "Näher am Menschen" erinnert. Pantisano gilt als polarisierende Figur in seiner Partei: Einerseits wird er für seine Organisationskraft gelobt, andererseits fällt er im Parlament als Hitzkopf durch scharfe Zwischenrufe gegen die AfD auf.

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Weitere wichtige Meldungen des Tages

  • JD Vance rät dem Papst: Nach Donald Trumps Tirade gegen den Papst legt sein Vizepräsident nach und deutet an, das Kirchenoberhaupt sage nicht die Wahrheit.
  • Netanyahu will mit Libanon telefonieren: Ein hochrangiges Gespräch zwischen Israel und dem Libanon soll stattfinden, während die Kämpfe mit der Hisbollah weitergehen.
  • Lufthansa stoppt Flugangebot: Die Airline reagiert auf die aktuelle Lage und legt 27 ältere Flugzeuge der Regionaltochter Cityline am Boden still.
  • Forscher entdecken Schiffswracks: Vor Gibraltar wurden mehr als 130 historische Wracks gefunden, die von Handel, Migration und Kriegen zeugen.

Kultureller Ausklang: Feministische Geschichte der Geburt

Für Sachbuch-Leser lohnt sich das neue Werk der Historikerin Helena Barop "Mythen, Macht und Muttermund – Eine feministische Geschichte der Geburt". Barop zeigt, wie das Gebären lange eine von Frauen getragene, kollektive Praxis war, die in der Moderne zum männlich dominierten medizinischen Eingriff wurde. Dabei preist sie die moderne Medizin als Segen, macht aber klar, dass Geburt nicht nur ein medizinischer Vorgang ist, sondern auch ein psychosomatisches und soziales Geschehen.