Verbraucherschutz schlägt Alarm: Gefährliche Potenzpillen als harmlose Nahrungsergänzung getarnt
Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen hat eine dringende Warnung herausgegeben. In ganz Deutschland sind illegale Potenzmittel im Umlauf, die als unbedenkliche Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Die betroffenen Produkte tragen die Namen „Vigor King“, „Pro Naturals“ und „Night Longer“.
Verschreibungspflichtiger Wirkstoff in vermeintlich natürlichen Produkten
Laut offiziellen Untersuchungen enthalten die Präparate das verschreibungspflichtige Arzneimittel Sildenafil, das zur Behandlung von Erektionsstörungen eingesetzt wird. „Das Produkt enthält das nicht deklarierte verschreibungspflichtige Arzneimittel Sildenafil“, warnt das Ministerium in einer offiziellen Stellungnahme. Der Wirkstoff ist weder zur Herstellung noch zur Verwendung in Lebensmitteln zugelassen und darf nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
Ministeriumssprecher Matthias Kowalski erklärt gegenüber Medien: „Zunächst wurden die Pillen an einem Kölner Kiosk entdeckt, dann haben wir geprüft, wie sie sonst noch vertrieben werden. Man fand sie auch in Online-Shops, unter anderem auf Amazon.“ Der Online-Händler habe die Produkte mittlerweile von seiner Plattform entfernt.
Schwere gesundheitliche Folgen möglich
Die Einnahme der illegalen Präparate kann zu erheblichen Gesundheitsproblemen führen. Die Behörden listen folgende mögliche Nebenwirkungen auf:
- Niedriger Blutdruck und Herzrasen
- Brustschmerzen und Kopfschmerzen
- Sehstörungen bis hin zu Sehverlust
- Verengung der Atemwege
- Magenbeschwerden
- Dauererektion (Priapismus)
- Gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Dubiose Herstellerstrukturen erschweren Rückruf
Besonders alarmierend: Die als Versender auftretenden Firmen AY-TEK LTD., ENS aus Frankfurt/Main und Pro 77 aus Duisburg waren an den angegebenen Adressen nicht auffindbar. „Es ist nicht klar ersichtlich, wie diese Produkte in Umlauf gebracht werden. Es gibt keinen EU-Ansprechpartner“, so Kowalski. Dadurch ist keine offizielle Rückrufaktion möglich, da die Hersteller nicht identifiziert werden können.
Was Verbraucher jetzt tun sollten
Das Ministerium rät dringend:
- Die betroffenen Produkte nicht einnehmen
- Bereits gekaufte Pillen im Restmüll entsorgen
- Besondere Vorsicht beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln im Internet walten lassen
- Potenzmittel nur mit ärztlicher Verschreibung und Aufsicht verwenden
Der Fall zeigt deutlich, dass vermeintlich harmlose Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internet erhebliche Gesundheitsrisiken bergen können, insbesondere wenn sie ohne Rezept als Potenzmittel angeboten werden.



