Hagelgefahr für Unternehmen steigt: Allianz-Analyse zeigt massive Risiken in Deutschland
Hagelgefahr für Unternehmen: Deutschland auf Platz fünf weltweit

Deutsche Unternehmen im Fokus der Hagelgefahr

Mit dem nahenden Frühjahr und steigenden Temperaturen beginnt auch die Hagelsaison in Deutschland. Eine aktuelle Analyse des Versicherungskonzerns Allianz Commercial zeigt, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich stark von Hagelschäden betroffen sind. Gemessen an der relativ kleinen Landfläche Deutschlands ist die Gefährdung besonders ausgeprägt.

Deutschland auf Platz fünf der weltweit am schwersten betroffenen Länder

Laut Berechnungen der Allianz Commercial rangiert Deutschland in der Liste der von 2016 bis 2025 am schwersten von Hagel getroffenen Länder mit einem Anteil von vier Prozent an den Gesamtschäden auf Platz fünf. Nur die USA, Frankreich, Kanada und Spanien verzeichneten in diesem Zeitraum höhere Schadenssummen. Zusammen kamen aus diesen fünf Ländern fast 90 Prozent aller Hagelschadenmeldungen weltweit.

Diese hohe Position Deutschlands erklärt sich nicht allein durch die Häufigkeit von Hagelereignissen in Europa. Ein wesentlicher Faktor ist die sogenannte Versicherungsdichte: In Nordamerika und Europa sind deutlich mehr Unternehmen gegen Naturkatastrophen versichert als in Asien oder Afrika, wo der Versicherungsschutz erheblich niedriger ausfällt.

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Langfristiger Trend: Schäden durch Schwergewitter nehmen zu

Daten von Rückversicherern aus den vergangenen Jahrzehnten belegen einen klaren Trend: Die durch Schwergewitter verursachten Schäden steigen kontinuierlich an. Grund dafür ist die Zunahme sowohl der Häufigkeit als auch der Intensität solcher Unwetter. „Wir gehen davon aus, dass die Schäden weiter steigen werden“, sagt Michael Bruch, Leiter der globalen Risikoberatung bei Allianz Commercial.

Allianz Commercial ist die auf Unternehmensversicherungen spezialisierte Tochter des Münchner Dax-Konzerns. Für ihre Analyse werteten die Fachleute 3013 Schadenmeldungen der vergangenen zehn Jahre aus, einschließlich der Anteile anderer Versicherer. Große Unternehmen werden aufgrund des immensen Schadenpotenzials üblicherweise von Konsortien versichert, um die Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen.

Klimawandel ist nicht der einzige Treiber

„Natürlich denkt man zuerst mal an klimawandelgetriebene Effekte, die natürlich eine Rolle spielen“, erläutert Bruch. „Aber ein wesentlicher Treiber ist, dass mehr und teurer in gefährdeten Gebieten gebaut wird.“ Ein weiterer Faktor sei die alternde Infrastruktur vieler Unternehmen. „Und zu guter Letzt erleben wir steigende Bau- und Reparaturkosten.“

Als aktuelles Beispiel führt die Versicherung in ihrer Analyse Schwergewitter und Hagelstürme in Italien im Juli 2023 an, die Schäden in Höhe von 6,3 Milliarden Euro verursachten. „Wir sehen auch in Europa zunehmende Gefahren, speziell in Richtung Alpen und Norditalien“, betont Bruch.

Besonders gefährdete Wirtschaftsgüter

Für Unternehmen gelten ähnliche Risiken wie für private Hausbesitzer: „Dächer sind natürlich besonders gefährdet, gerade wenn es dort Glaskuppeln oder sonstige Einbauten gibt“, sagt Bruch. „Der Schaden am Dach ist das eine, aber eintretendes Wasser kann zu noch weitaus größeren Schäden führen.“

Doch Gebäude sind nicht die einzigen gefährdeten Objekte:

  • Alles, was im Freien steht, stellt ein erhebliches Risiko dar: von Autos über Maschinen bis zu Solarfarmen und anderen empfindlichen Anlagen
  • Flugzeuge sind besonders exponiert, weil sie meist draußen geparkt werden und ihre Außenhüllen dünn sind
  • Große Lagerhallen mit ihren ausgedehnten Dachflächen

Flugzeuge stehen in der Rangliste der Wirtschaftsgüter mit den höchsten Schäden an erster Stelle: Nach den Berechnungen der Allianz Commercial entfiel in den zehn Jahren von 2016 bis 2025 ein Anteil von 16 Prozent der gesamten Hagelschäden allein auf Flugzeuge. Gebäude folgen mit 14 Prozent, Solaranlagen mit sechs Prozent.

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Prävention und Risikomanagement werden immer wichtiger

„Unternehmen sollten sich genau anschauen, wo und wie sie gefährdet sein könnten“, empfiehlt Risikoberater Bruch. „Wir nennen das eine standortspezifische Vulnerabilitätsanalyse.“ Diese Analyse berücksichtigt neben lokalen Wetterphänomenen wie Hagel, Tornados oder Starkwind auch bauliche Schwachstellen oder die Anfälligkeit kritischer Anlagen.

Wie in vielen anderen Bereichen kann auch hier Künstliche Intelligenz unterstützen, indem sie künftige Klimaszenarien simuliert und Prioritäten für sogenannte Resilienzmaßnahmen setzt. Die Kombination aus präziser Risikoanalyse und gezielten Schutzmaßnahmen wird für Unternehmen angesichts der zunehmenden Hagelgefahr immer wichtiger.