Zum 300. Geburtstag der Seemannskirche in Prerow (Landkreis Vorpommern-Rügen) wird für drei Tage das Großgemälde „Mein Vater sieht einen Engel“ von Georg Baselitz ausgestellt. Das drei mal vier Meter große Werk entstand 1996, als der Künstler seine Familiengeschichte aufarbeitete. Es ist rund um die Uhr zu besichtigen, wie die Vorsitzende des Fördervereins der Seemannskirche, Susan Knoll, mitteilte.
Das Bild erinnere an gemeinsame Urlaube der Familie auf dem Zeltplatz in Prerow und an Besuche in der Seemannskirche. Baselitz habe „sehr gerne“ an diese Zeit zurückgedacht, so Knoll. Der Künstler, der am 30. Januar im Alter von 88 Jahren starb, hatte dem Verein zuvor selbst zugesagt, das Projekt zu unterstützen und das Bild zur Verfügung zu stellen.
Erstmals wurde das Gemälde 1997 in der Ausstellung „Wir besuchen den Rhein“ im Residenzschloss Dresden präsentiert. Dem Verein wurde es kostenfrei zur Verfügung gestellt. Allerdings habe das Gemälde einen Millionenwert und müsse entsprechend versichert werden, betonte die Vereinsvorsitzende. Zu den Vorgaben gehört auch ein 24-Stunden-Wachdienst. „Da haben wir gesagt, wenn es 24 Stunden rund um die Uhr bewacht wird, sorgen wir dafür, dass es auch 24 Stunden rund um die Uhr beguckt werden kann“, so Knoll.
Der Eintritt ist Tag und Nacht frei. Besucher können in den 72 Stunden bis Pfingstmontag 15.00 Uhr vor der Kirche Kaffee trinken, Kuchen oder Bratwurst essen und Sekt trinken, was jedoch bezahlt werden muss. Der Verein organisierte Tag- und Nachtschichten. Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) ist Mitglied des Vereins und für eine Schicht eingetragen.
Der Maler und Bildhauer Baselitz wurde gerne als „Wutkünstler“ bezeichnet. Sein Lebensmotto war: „Widerspruch!“ Er malte verkehrt herum, Füße und Wurzeln oben, Kopf und Baumkrone unten – dies wurde zu seinem Markenzeichen. Baselitz wurde in Sachsen geboren, mit bürgerlichem Namen Hans-Georg Kern. Der Künstlername ist eine Hommage an seinen Geburtsort Deutschbaselitz.



