Am 12. Juli 2006 suchten Arbeiter der polnischen Ölgesellschaft Petrobaltic in der Ostsee nach Erdöl – und fanden stattdessen ein gewaltiges Wrack. Der rostige Stahlberg war 263 Meter lang, 36 Meter breit und lag in 86 Metern Tiefe, 55 Kilometer nördlich von Wladyslawowo. Es handelte sich um den einzigen deutschen Flugzeugträger der Seefahrtsgeschichte: die „Graf Zeppelin“.
Der Flugzeugträger war eines der Großprojekte der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Der hochgerüstete Gigant sollte das geplante Nazi-Imperium auf den Weltmeeren sichern. Doch das im Dezember 1938 vom Stapel gelaufene Schiff legte nie eine eigene Fahrt zurück und verschwand unter rätselhaften Umständen.
Geplant war die „Graf Zeppelin“ als Superwaffe: 200.000 PS sollten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 33 Knoten ermöglichen. An Bord war Platz für 43 Kampfflugzeuge und 16 schwere Geschütze. Der fast 100 Millionen Reichsmark teure Träger sollte als schwimmende Kleinstadt mit Bäckereien, Lesesälen und Friseursalons mehr als 1700 Menschen beherbergen.
Die ersten Planungen begannen nach Hitlers Machtübernahme. Am 16. November 1935 vergab das Oberkommando der Kriegsmarine den Auftrag an die „Deutschen Werke Kiel“. Das Schiff wurde nach Ferdinand Graf von Zeppelin benannt. Am 8. Dezember 1938 schritten Hitler, Göring und Raeder die Ehrenformationen in Kiel ab. Göring pries den Träger als „Sinnbild deutscher Kraft“ und rief: „Fahre stets glücklich, stolzes Schiff!“
Doch der Flugzeugträger war taktisch nutzlos. Marinehistoriker Ulrich Israel erklärte: „Eine Fertigstellung hätte am Ausgang des Seekriegs nichts geändert. Die Engländer hätten ihn mit 100-prozentiger Sicherheit versenkt.“ Nach Kriegsausbruch setzte die Marineleitung auf U-Boote. Hitler stoppte den Weiterbau im April 1940. Schlepper brachten das Schiff in die Odermündung, nach Gotenhafen und schließlich zurück nach Kiel.
Nach dem Krieg wurde die „Graf Zeppelin“ von der Sowjetunion als Beute übernommen und diente als Zielschiff. Am 16. August 1947 versenkte sie die sowjetische Marine mit Bomben und Torpedos. Das Wrack blieb jahrzehntelang verschollen, bis es 2006 von polnischen Ölsuchern wiederentdeckt wurde.



