Post-Beschwerden in Sachsen-Anhalt haben sich verdreifacht
Post-Beschwerden in Sachsen-Anhalt haben sich verdreifacht

Im vergangenen Jahr sind bei der Bundesnetzagentur so viele Beschwerden über verspätete Postsendungen eingegangen wie nie zuvor. Wie die Bonner Aufsichtsbehörde mitteilte, erhielt sie im vergangenen Jahr circa 43.500 Beschwerden und damit fast dreimal so viele wie 2021 – da waren es 15.118. Damit wurde der bisherige Jahreshöchstwert der vor zehn Jahren begonnenen Statistik deutlich übertroffen: 2020 wurden 18.867 Beschwerden gezählt.

Die Beschwerden richten sich gegen die ganze deutsche Brief- und Paketbranche, die meisten Wortmeldungen über verspätete oder verlorene Sendungen beziehen sich aber auf den Marktführer Deutsche Post. Älteren Behördenangaben zufolge kam die Post auf einen Anteil von 91 Prozent der negativen Erfahrungen, die Verbraucher der Bundesnetzagentur geschildert haben.

Die Deutsche Post spricht von lokalen Problemen, die sie mit einem hohen Krankenstand und mit der generell schwierigen Suche nach Arbeitskräften begründet. Ein Firmensprecher sagte, man werde im kommenden Jahr "alles daran setzen, trotz der weiter herausfordernden Umstände die Qualität in der Zustellung weiter zu verbessern". Dabei verwies er auf die kürzlich begonnenen Tarifverhandlungen und drohende Warnstreiks.

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Bei den Tarifgesprächen fordert ver.di ein Lohnplus von 15 Prozent, was die Post für realitätsfern hält. Gut möglich ist, dass die Arbeitnehmervertreter bald den Druck erhöhen wollen. Einen ersten kleinen Warnstreik der Fachgewerkschaft DPVKOM in Magdeburg gab es bereits, weitere Arbeitsniederlegungen im größeren Umfang könnten in den nächsten Wochen folgen. Dann würde sich die Ankunft vieler Sendungen wohl zunehmend verzögern.

Besonders deutlich fielen die Probleme bei der Post erstmals im Sommer auf – damals sorgte eine hohe Zahl an Corona-Krankmeldungen dafür, dass mancherorts zu wenige Zusteller bereitstanden, um die Briefe und Pakete auszutragen. Kritiker warfen der Post vor, personell auf Kante genäht zu haben und nun die Quittung zu bekommen. Der Linkenbundestagsabgeordnete Pascal Meiser spricht von einem "massiven Renditedruck, der inzwischen auf der Deutschen Post lastet und in dessen Folge immer wieder beim Personal gespart wurde". Mit dieser Personalpolitik müsse endlich Schluss sein, sagt Meiser.

Der Konzern leitete Notfallmaßnahmen ein: In manchen Zustellbezirken wurde der Sendungsfluss ganz bewusst verlangsamt und die Briefe wurden dort nur jeden zweiten Tag ausgetragen. Anfang November räumte das Management Fehler ein. Die Zustellprobleme hätten inzwischen aber etwas nachgelassen und "die betrieblichen Kennzahlen entwickeln sich deutlich in die positive Richtung", hieß es damals aus der Post-Führungsriege. Tatsächlich war die Zahl der Beschwerden im November und Dezember trotz des Weihnachtsgeschäfts leicht rückläufig: von 9.436 im Oktober auf 6.900 im Dezember.

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