25 Jahre Wowereits Outing: Zwei Berliner über dessen Bedeutung
25 Jahre Wowereits Outing: Was es bis heute bedeutet

Am 23. Juli 2001 sprach Klaus Wowereit auf dem SPD-Parteitag den Satz aus, der in die Geschichte einging: „Ich bin schwul und das ist gut so.“ Der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin war einer der ersten Spitzenpolitiker Deutschlands, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. 25 Jahre später blicken zwei Berliner, die Wowereit persönlich erlebten, zurück – und schildern, was das Coming Out damals auslöste und was heute davon geblieben ist.

Georg Härpfer: Wowereit als junger Stadtrat und Fraktionschef

Georg Härpfer, langjähriger SPD-Funktionär, erlebte Wowereit als jungen Stadtrat für Bildung und später als Fraktionschef im Abgeordnetenhaus. „Er war immer offen, aber nicht plakativ“, erinnert sich Härpfer. „Das Coming Out war für ihn kein strategischer Schachzug, sondern eine persönliche Entscheidung.“ Wowereits Mut habe viele in der Partei beeindruckt, aber auch verunsichert. „Manche dachten, das könnte ihm politisch schaden. Doch das Gegenteil war der Fall – seine Authentizität machte ihn glaubwürdig.“

Michael S. (Name geändert): Wowereit als Vorbild für die nächste Generation

Michael S., ein schwuler Berliner, der Wowereit bei einer Veranstaltung traf, sagt: „Ich war damals 16 und wusste noch nicht, wie ich mit meiner Sexualität umgehen sollte. Wowereits Satz gab mir das Gefühl: Es ist okay, so zu sein, wie ich bin.“ Für ihn sei Wowereit ein Vorbild gewesen, das gezeigt habe, dass Homosexualität und Führungsverantwortung kein Widerspruch seien. „Ohne sein Outing hätte ich mich vielleicht länger versteckt.“

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Was hat sich seit Wowereits Coming Out verändert?

Seit 2001 hat sich in Berlin und Deutschland viel getan. Die Ehe für alle wurde 2017 eingeführt, Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung ist gesetzlich verboten. Dennoch zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2023, dass 41 Prozent der homosexuellen Männer und 36 Prozent der lesbischen Frauen am Arbeitsplatz Diskriminierung erfahren. „Wowereits Outing war ein Meilenstein, aber der Kampf ist noch nicht vorbei“, sagt Härpfer. Michael S. ergänzt: „Gerade in ländlichen Regionen ist Akzeptanz nicht selbstverständlich. Wir brauchen weiterhin Vorbilder, die sich outen.“

Erinnerungen an den 23. Juli 2001

Der Tag des Outings war für viele ein emotionaler Moment. Wowereit selbst sagte später in einem Interview: „Ich hatte keine Angst, aber ich wusste, dass es ein großer Schritt war.“ Die Reaktionen waren überwiegend positiv – sowohl in der Partei als auch in der Bevölkerung. „Ich habe noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke“, so Härpfer. „Es war ein Signal der Befreiung für viele Schwule und Lesben in ganz Deutschland.“

Bleibende Wirkung: Wowereits Vermächtnis

Das Outing von Klaus Wowereit habe nicht nur seine eigene Karriere nicht behindert, sondern auch den Weg für andere Politiker geebnet. Heute sind schwule und lesbische Spitzenpolitiker wie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, oder die Bundesfamilienministerin Lisa Paus selbstverständlich. „Ohne Wowereit wäre das nicht so schnell gegangen“, ist Härpfer überzeugt. Michael S. wünscht sich, dass in 25 Jahren niemand mehr ein Coming Out brauchen wird. „Aber bis dahin ist Wowereits Satz ein wichtiger Anker.“

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