In München haben am Wochenende rund 6000 Menschen gegen sexualisierte Onlinegewalt demonstriert. Die Veranstalter, darunter die Grüne Jugend München und die Initiative „Feminists United“, hatten ursprünglich mit mehr Teilnehmern gerechnet. Die Kundgebung stand unter dem Motto der Solidarität mit der Moderatorin Collien Fernandes, die schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, erhoben hat.
Zu den Rednern gehörten die Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, und der designierte Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause. Schulze forderte strengere Gesetze gegen manipulierte pornografische Inhalte im Internet. „Wenn man pornografische Deepfakes herstellt oder weiterleitet, muss das in Zukunft strafbar sein“, sagte sie. Zudem müssten Technologieunternehmen ihre Algorithmen offenlegen und mehr Verantwortung übernehmen.
Hintergrund der Proteste sind die Vorwürfe von Fernandes gegen Ulmen. Laut einem Bericht des SPIEGEL soll Ulmen auf sozialen Medien täuschend echte Fake-Profile von Fernandes erstellt und darüber Männer kontaktiert haben. Er soll sich als Fernandes ausgegeben und sexuelle Gespräche geführt sowie erotische Bilder und Videos verschickt haben. Ulmen bestreitet die Vorwürfe; seine Anwälte erklärten, er habe zu keinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Fernandes oder anderen Personen hergestellt oder verbreitet.
Die Debatte um digitale Gewalt hat durch diesen Fall neue Brisanz erhalten. Schulze sprach sich auch für mehr finanzielle Mittel für Beratungsangebote, Frauenhäuser und Präventionsarbeit aus. Die Demonstration in München war Teil einer Reihe von Protesten, die zuvor in Hamburg, Berlin und Köln stattfanden.



