Österreich ermittelt gegen mutmaßliche Scharfschützen im Bosnienkrieg
Österreich ermittelt gegen mutmaßliche Scharfschützen im Bosnienkrieg

Mehr als 30 Jahre nach dem Bosnienkrieg hat die österreichische Justiz Ermittlungen gegen zwei Verdächtige aufgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, als sogenannte Wochenend-Scharfschützen auf Zivilisten im belagerten Sarajevo geschossen zu haben. Die Ermittlungen laufen seit dem 25. April gegen einen österreichischen Staatsbürger und einen weiteren unbekannten Verdächtigen, wie das Justizministerium in Wien mitteilte.

Die frühere grüne Justizministerin Alma Zadić hatte eine parlamentarische Anfrage zu dem Fall gestellt. Nach österreichischen Medienberichten gibt es valide Verdachtsmomente. Einer der Verdächtigen soll während des Krieges Anfang der 1990er Jahre nach Sarajevo gereist sein, um dort als Scharfschütze auf Zivilisten zu schießen. Die Reisen seien als Jagdtouren getarnt gewesen.

Zadić erklärte, es handle sich um schwerste Kriegsverbrechen, die lückenlos untersucht werden müssten. Der Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ von Miran Zupanič aus dem Jahr 2022 hatte die Ermittlungen angestoßen. Er zeigt, wie reiche Ausländer den bosnisch-serbischen Streitkräften hohe Summen zahlten, um auf Zivilisten schießen zu können.

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Die ehemalige Bürgermeisterin von Sarajevo, Benjamina Karić, erstattete nach dem Film Anzeige. Die Staatsanwaltschaft in Sarajevo ermittelt wegen Kriegsverbrechen. Der italienische Journalist Ezio Gavazzeni zitiert in seinem Buch einen Franzosen, der Gruppen von „Kriegstouristen“ aus Italien, Frankreich, Belgien, der Schweiz, Österreich und Russland begleitet haben will.

In Deutschland hatte die Grünen-Politikerin Irene Mihalic eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Die Antworten fielen aus ihrer Sicht enttäuschend aus. Das Bundesinnenministerium verwies auf den hohen Aufwand der Nachforschungen. Mihalic kritisierte, dass die österreichische Regierung offenbar weniger Aufwand habe und forderte mehr Engagement von Deutschland.

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