Die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland ist im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gesunken. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger hervor. Demnach wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres insgesamt 4.807 Menschen in ihr Herkunftsland oder in einen anderen EU-Staat zurückgeführt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 6.515 Abschiebungen.
Hauptzielland war die Türkei mit 601 Abgeschobenen, gefolgt von Georgien (266) und Nordmazedonien (230). Auffällig ist der Rückgang bei Überstellungen nach Spanien und Frankreich: Nach Spanien wurden 192 Menschen abgeschoben (Vorjahr: 325), nach Frankreich 174 (Vorjahr: 333).
Ein Grund für den Rückgang könnte der Iran-Krieg sein, den Israel und die USA Ende Februar begonnen hatten. Zwar wurden nur drei Menschen in den Iran abgeschoben (Vorjahr: fünf), doch mehrere Bundesländer haben einen Abschiebestopp für den Iran verhängt. Zudem wurden durch den Krieg zahlreiche Flugverbindungen gestrichen, was Abschiebungen per Linienflug erschwert. Auch Sammelcharter in bestimmte Zielregionen sind schwieriger geworden. Während im ersten Quartal 2025 noch 157 Menschen in den Irak abgeschoben wurden, taucht der Irak in diesem Jahr nicht unter den Hauptzielländern auf.
Die Linken-Abgeordnete Bünger kritisierte die Abschiebungen in den Iran bereits vor dem Krieg als verantwortungslos und verwies auf die brutale Niederschlagung von Massenprotesten. Einen direkten Zusammenhang zwischen sinkenden Abschiebezahlen und der seit eineinhalb Jahren rückläufigen Zahl unerlaubter Einreisen und Asylerstanträge sieht die Bundesregierung nicht. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nutze freigewordene Kapazitäten zur Bearbeitung von Altfällen, die teils in Abschiebungen münden.



