Seit genau 125 Jahren steht das Gänseliesel auf dem Marktplatz von Göttingen. Die Bronze-Figur schmückt den Brunnen vor dem Rathaus und ist ein Wahrzeichen der niedersächsischen Studentenstadt. Generationen von Uni-Absolventen kennen den Brauch: Wer seine Doktorarbeit erfolgreich verteidigt hat, muss die Statue mit Blumen schmücken und küssen.
Am 8. Juni 1901 bekam das Gänseliesel seinen Platz als Brunnenfigur. Bereits 1898 hatte die Stadt einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem der Entwurf nur den zweiten Platz belegte. Doch die Bürger setzten sich für diesen Entwurf ein, sodass er bis heute den Brunnen ziert.
Die Kuss-Tradition entstand kurz nach der Errichtung. Ursprünglich mussten alle Neuimmatrikulierten die Figur küssen, was den Stadtvätern bald zu viel wurde. Sie erließen ein offizielles Verbot, das rechtmäßig bis heute gilt. Ein Jurastudent verlor den legendären „Kuss-Prozess“, doch die Tradition ließ sich nicht stoppen.
Im Laufe der Zeit änderte sich der Brauch: Heute dürfen auch weibliche Absolventen die Statue schmücken und küssen. Laut Stadtmarketing kommen manchmal bis zu 60 erfolgreiche Uni-Abgänger gleichzeitig. Bunt geschmückte Doktorhüte gehören inzwischen fest dazu.
Einmal im Jahr feiert ganz Göttingen mit zehntausenden Gästen das Gänseliesel-Fest. 2026 findet es zum 30. Mal statt. Eine Mitarbeiterin des Stadtmarketings kündigte an: „Dieses Jahr wird besonders groß gefeiert, und zwar vom 27. bis 30. September. Normalerweise ist es immer nur ein Tag.“ Zudem wird jedes Jahr ein „echtes Gänseliesel“ gewählt, das die Stadt repräsentiert.



