Mehlschwalben, die typischen Sommerboten, werden in Thüringen zunehmend seltener. Laut dem Naturschutzbund (Nabu) in Jena blieben in diesem Jahr viele Nester leer. Der Rückgang der Flugkünstler sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Wetterextreme, die industrialisierte Landwirtschaft und der Verlust geeigneter Brutstätten.
Späte Rückkehr und geringe Brutpaarzahlen
Der Nabu-Schwalbenbeauftragte Tino Sauer berichtet von drastischen Beobachtungen: „In unseren Mehlschwalbenkolonien kamen die Vögel in diesem Jahr zwei bis drei Wochen später als sonst aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück. Im Gegensatz zum sonstigen Mittelwert von 50 bis 60 Brutpaaren, die jährlich an unseren Schwalbenhäusern brüten, wurden diesmal nur 25 bis 30 Prozent der Nester besetzt.“ Ähnliche Meldungen erreichten den Nabu aus dem gesamten Freistaat.
Schneefälle in den Alpen als Ursache
Als einen Grund für den Rückgang nennt der Experte die widrigen Wetterbedingungen im Jahr 2025: Schneefälle und kalte Regenperioden in den Alpen, als die Schwalben auf dem Weg in ihre Winterquartiere waren, hätten die Population geschwächt. Hinzu komme, dass Mehlschwalben im Gegensatz zu Rauchschwalben in höheren Luftschichten nach Insekten jagen – bei Regen und Kälte seien die Insekten jedoch eher in Bodennähe aktiv, was die Nahrungssuche erschwere.
Auszeichnung für schwalbenfreundliche Höfe
Der Nabu zeichnete in diesem Jahr Menschen aus, die sich für den Schwalbenschutz engagieren. Ein Beispiel ist der Landwirtschaftsbetrieb von Christian Möller am Stadtrand von Erfurt, der sich der Aufzucht von Fasanen und anderen Hühnervögeln widmet. Auf seinem Hof brüten seit vielen Jahren Mehl- und Rauchschwalben. Sauer betont: „Derzeit zählt jedes Nest, das von Hauseigentümern geduldet wird.“ Dennoch würden Nester zu Beginn der Schwalbensaison noch zu oft von Hauswänden entfernt. Seit 2011 hat der Nabu in Thüringen nach eigenen Angaben 2.170 Menschen mit einer Plakette für ein schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet.



