Oskar (10) programmiert eigenen Browser: Rostocker Schülerforschungsgruppe fördert junge Technik-Talente
10-jähriger Oskar programmiert eigenen Browser in Rostock

Oskar (10) programmiert mal eben seinen eigenen Browser

Rostock • Hochkonzentriert steht der zehnjährige Oskar vor einem Bildschirm und navigiert durch zahlreiche Codezeilen. Er scheint genau zu verstehen, was er vor sich sieht: einen selbst programmierten Web-Browser mit „History-Limit“ und allen wesentlichen Funktionen – momentan noch in einer Rohversion, bestehend aus Zeile um Zeile Computersprache. „Ich habe mich hier für Python entschieden“, erklärt er und zeigt auf drei spezifische Programmzeilen innerhalb von hunderten anderen. Für ihn und die anderen technikbegeisterten Nachwuchs-ITler, angehenden Ingenieure und Programmierer im Raum ist das völlig klar.

Freitags öffnet sich die Tür zur Technikwelt

Jeden Freitagnachmittag öffnet sich im CJD, der Christophorusschule Rostock, eine Tür in die Welt von morgen. In den beiden vom Verein MikroMint betriebenen „Laboren“ innerhalb der Schule treffen sich technikinteressierte Kinder und Jugendliche, um zu experimentieren, zu programmieren und zu tüfteln. In der Luft liegt der charakteristische Geruch von Lötzinn; kleine selbstgebaute Roboter flitzen über weiße Platten, auf denen schwarze Markierungen die Richtung vorgeben, und über zahlreiche Bildschirme flimmern Codes und Software-Fragmente in verschiedenen Programmiersprachen.

Während Gleichaltrige vielleicht gerade erst lernen, sich sicher im Internet zu bewegen oder erfahren, dass es Programmiersprachen überhaupt gibt, ist Oskar bereits dabei, einen funktionsfähigen Browser zu entwickeln. „Technik hat ihn schon immer fasziniert“, berichtet Vater Constantin. „Oskar hat in der Schule von den MikroMint ‚Roboter-Entdeckern‘ gehört und war sofort Feuer und Flamme.“

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Gemeinsames Lernen mit praktischer Unterstützung

Genau darum geht es an diesen Roboter-Entdecker-Freitagen: „Wir treffen uns hier regelmäßig, um gemeinsam Technik, Künstliche Intelligenz oder Programmiersprachen kennenzulernen“, erläutert Thomas Borowitz. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins MikroMint und leitet die Technikgruppe persönlich.

Unterstützung erhalten die Kinder nicht nur von den MikroMint-Betreuern, sondern auch von Fachleuten aus der Praxis. Ein Mitarbeiter von Liebherr hilft beispielsweise beim Löten; ein IT-Sicherheitsexperte der Universitätsklinik erklärt, was Datensicherheit bedeutet, und Malte Rosskamp, Gründer einer Softwarefirma, stellt selbst entwickelte Leitsysteme für die sogenannten „Line-Follower“-Roboter zur Verfügung. Alle diese Experten verbringen gerne ihre Freizeit in der Hobbywerkstatt und tauschen sich mit den jungen Talenten aus.

Wettbewerbsvorbereitungen und robotische Ambitionen

Auch Iago, Oskars gleichaltriger Schulkamerad und Freund, zeigt großes Interesse an technischen Themen. Am Freitagnachmittag verlötet er verschiedene Komponenten eines Taktgebers – eines Bauteils, das regelmäßige elektrische Signale abgeben soll. In Iagos Fall soll es regelmäßig blinken und später möglicherweise in einem eigenen Roboter verbaut werden.

Emil, elf Jahre alt, plant die Teilnahme am Regionalausscheid des RoboCup-Junior. Er hat einen Lego-Roboter konstruiert und programmiert. „Das ist ein ‚Line-Follower‘-Roboter“, erklärt Emil. Diese Roboterart soll anhand von Markierungen verschiedenen Wegeführungen folgen. Noch versteht der aus Lego selbst gestaltete Roboter nicht vollständig, dass er den schwarzen Linien folgen muss. Doch Emil und Thomas Borowitz sind sich sicher, dass dieses Problem bis zum Wettbewerb behoben sein wird.

Von bescheidenen Anfängen zu umfassender Förderung

Die Ursprünge dieser Initiative reichen bis ins Jahr 1996 zurück, als der Vereinsgründer Dieter Weiss sein Engagement begann. Der emeritierte Universitätsprofessor und Spitzenforscher, der die weltweit bekannte Firma NeuroProof mitgründete, wollte sein Wissen nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Forschung an die jüngere Generation weitergeben und Interesse für Forschung, Umwelt, Technik und Mikroskopie wecken.

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Heute profitieren etwa 200 Schülerinnen und Schüler von rund 20 Schulen der Region – darunter Gymnasien, Regional- und Grundschulen – von diesem vielseitigen Angebot. Von Insektenbeobachtung und -bestimmung über Umweltthemen, Mikroskopie, KI-Entwicklung, Polarstern-Liveschalten bis hin zur Roboterprogrammierung erstreckt sich das Spektrum der Schülerforschung. Dieses wird nicht nur von Vereinexperten, sondern auch von Profis aus der Praxis begleitet. Das Credo des Gründers bleibt dabei stets präsent: „Du kannst nicht schützen, was du nicht kennst.“

Die Zukunft der Technikbegeisterung

In wenigen Wochen beginnen die Regionalausscheide für den RoboCup und den RoboCup Junior – ein Wettbewerb, der gezielt Nachwuchstalente im Bereich Robotik fördern möchte. Für junge Tüftler wie Oskar, Iago und Emil bieten diese Veranstaltungen eine ideale Plattform, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und von erfahrenen Mentoren zu lernen.

Die Rostocker Schülerforschungsgruppe MikroMint demonstriert eindrucksvoll, wie früh Technikbegeisterung geweckt und nachhaltig gefördert werden kann. In einer Zeit, in der digitale Kompetenzen immer wichtiger werden, leistet der Verein einen wertvollen Beitrag zur Bildung und zur Entwicklung künftiger Fachkräfte in Technologie und Forschung.