Bafög-Reform droht an Finanzierungsfrage zu scheitern
Die geplante umfassende Reform des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (Bafög) steht auf der Kippe, weil sich die Koalitionspartner CSU und SPD nicht auf die Finanzierung einigen können. Trotz dieser erheblichen Hürde zeigt sich Bundesforschungsministerin Dorothee Bär von der CSU zuversichtlich, dass erste Erhöhungen noch zum kommenden Wintersemester 2026/2027 umgesetzt werden können.
Optimismus trotz ungeklärter Finanzierungsfrage
In der Regierungsbefragung im Bundestag äußerte sich Dorothee Bär zur aktuellen Situation: "Wir sind jetzt noch mitten in den Verhandlungen zwischen dem Bundesfinanzministerium und dem BMFTR und deswegen bin ich da ganz guten Mutes, dass wir am Ende auch zu einer Lösung kommen werden." Die Ministerin wies dabei Berichte über einen Streit mit Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD entschieden zurück und betonte: "Lars Klingbeil und ich streiten nicht, wir diskutieren um die besten Lösungen."
Der zentrale Konfliktpunkt betrifft die Frage, ob zusätzliche Mittel aus dem SPD-geführten Bundesfinanzministerium bereitgestellt werden oder ob die Reform aus dem laufenden Etat des von der CSU geleiteten Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert werden muss. Diese Unklarheit hat zu wachsender Besorgnis geführt, dass der gesetzgeberische Zeitplan nicht eingehalten werden kann.
Druck von Studierendenvertretern und Ländern
Das Deutsche Studierendenwerk, zahlreiche Studierendenvertretungen, Gewerkschaften sowie mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Wochen eindringlich appelliert, den angekündigten Zeitplan der Reform unbedingt einzuhalten. Bär verwies auf die Bedeutung des Vorhabens: "Wir haben es ja im Koalitionsvertrag verankert, dass uns das gemeinsam ein wichtiges Anliegen ist."
Geplante Änderungen der Bafög-Reform
Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, das Bafög in einer großen Novelle grundlegend zu modernisieren. Die geplanten Maßnahmen umfassen:
- Erhöhung der Wohnkostenpauschale für auswärts wohnende Studierende von derzeit 380 auf 440 Euro monatlich
- Dynamisierung der Freibeträge für Bafög-Bezieher und deren Eltern
- Schrittweise Anhebung des Grundbedarfssatzes von 475 auf 563 Euro bis zum Grundsicherungsniveau
Historischer Rückgang der Bafög-Quote
Die Dringlichkeit der Reform wird durch die dramatische Entwicklung der Bafög-Quote in den letzten Jahrzehnten unterstrichen. Während Anfang der 1970er Jahre noch knapp 45 Prozent der Studierenden die Förderung erhielten, sank dieser Anteil bis 2024 auf nur noch 16 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag die Quote immerhin noch bei 25 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht die zunehmende Unterfinanzierung des deutschen Ausbildungssystems und den dringenden Handlungsbedarf.
Die geplante Reform soll nicht nur finanzielle Verbesserungen bringen, sondern auch die Attraktivität der Studienfinanzierung insgesamt erhöhen. Ob die schwarz-rote Koalition ihre eigenen Zusagen einhalten kann, bleibt jedoch angesichts der ungeklärten Finanzierungsfrage weiterhin ungewiss. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Optimismus von Forschungsministerin Bär berechtigt ist oder ob die große Bafög-Reform tatsächlich am Koalitionsstreit scheitert.



