Demokratiebildung in Förderschulen: Wie junge Wähler in Mecklenburg-Vorpommern gestärkt werden
Demokratiebildung in Förderschulen: Junge Wähler stärken

Demokratie lernen in Förderschulen: Ein besonderer Bildungsauftrag

Schulen haben die wichtige Aufgabe, Jugendliche nicht nur in Mathematik und Deutsch zu unterrichten, sondern sie auch zu mündigen Staatsbürgern zu erziehen. Diese Herausforderung stellt sich besonders in Förderschulen, wo individuelle Ansätze gefragt sind. In Mecklenburg-Vorpommern, wo Jugendliche bereits mit 16 Jahren an Kommunal- und Landtagswahlen teilnehmen dürfen, wird dieser Bildungsauftrag konkret umgesetzt.

Das Drei-Säulen-Modell für politische Bildung

Das Bildungsministerium hat den Schulen ein umfassendes Drei-Säulen-Modell für Demokratiebildung an die Hand gegeben. Dieses Modell sieht vor, politische Bildung sowohl als eigenständiges Schulfach als auch als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip zu implementieren. Zusätzlich sollen Schulen aktiv demokratische Prozesse gestalten und damit Mitbestimmung, Toleranz und gegenseitigen Respekt erlebbar machen.

Für Regionalschulen und Gymnasien ist ab der 5. Klasse ein jährlicher Gedenktag verpflichtend vorgeschrieben. Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen sich Schüler aktiv mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen und aus den gesellschaftlichen Ereignissen des Nationalsozialismus Rückschlüsse für die Gegenwart erarbeiten. Für Grundschulen und Förderschulen bleibt dieser Gedenktag freiwillig.

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Förderschulen als aktive Demokratiewerkstätten

„Aber auch unsere Schüler sind Wähler und Mitglieder der Zivilgesellschaft“, betont Steffen Petzak, Schulleiter der Förderschule am Neuen Teich in Lübz. Angesichts dieser Tatsache spielen Demokratiepädagogik und Gedenkstättenarbeit in seiner Schule eine besondere Rolle.

Sylvia Homuth, stellvertretende Schulleiterin und Lehrerin für Geschichte und Sozialkunde, berichtet: „Wir besuchen beispielsweise mit unseren höheren Klassen die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.“ Die Herausforderung bestehe nicht nur darin, Jugendliche zur Reflexion über die Zeit des Nationalsozialismus zu motivieren, sondern auch im Umgang mit sensiblen Themen.

Innovative Methoden für politisches Verständnis

Digitale Medien wie die Stolpersteine-App machen die Schicksale der Verfolgten des Nationalsozialismus sichtbarer und zugänglicher. Homuth setzt bewusst auf verschiedene Medien: „Nicht alle unserer Schüler können an den Fahrten zu den Mahn- und Gedenkstätten teilnehmen, denn für einige sind die Eindrücke zu belastend.“

Die Pädagogin betont die Bedeutung sozialer Fähigkeiten: „Man muss sich ehrlich fragen, welche Verhaltensweisen strukturelle Ausgrenzung fördern oder eben auch verhindern können. Das ist keine intellektuelle Frage, sondern hat mit sozialen Fähigkeiten und Empathie zu tun.“

Praktische Demokratieerfahrungen im Schulalltag

Schulleiter Petzak und sein Kollegium haben beobachtet, dass Schüler, die sich zutrauen, eigene Überlegungen anzustellen und Entscheidungen zu treffen, weniger leicht zu beeinflussen sind. „Wir stärken daher das Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Petzak.

Konkret geschieht dies durch:

  • Einführung von Pausenhelfern und Buslotsen ab der 8. Klasse
  • Unterstützung der Lehrkräfte bei der Pausenaufsicht
  • Begleitung jüngerer Schüler zur Bushaltestelle
  • Gewählte Schülervertreter in Klassen- und Schulkonferenzen

„Die Schüler sind dabei nie alleine, werden aber ernst genommen und dabei unterstützt, eigene Lösungen für mögliche Konflikte zu entwickeln“, so Petzak. Die Jugendlichen lernen dabei, sich auch für Themen anderer einzusetzen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die alle Seiten zufriedenstellen.

Übertragbarkeit auf andere Schulformen

Diese demokratiepädagogischen Ansätze sieht Petzak nicht auf Förderschulen begrenzt. Vielmehr könnten sie auch in anderen Schulformen erfolgreich umgesetzt werden. Die Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass politische Bildung und demokratische Wertevermittlung auch in Förderschulen hervorragend gelingen können, wenn sie auf die Bedürfnisse der Schüler zugeschnitten werden.

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Durch die Kombination aus theoretischer Wissensvermittlung, praktischen Erfahrungen und sensibler Herangehensweise an historische Themen entsteht eine umfassende Demokratiebildung, die junge Menschen auf ihre Rolle als mündige Staatsbürger vorbereitet.