DRK-Präsident fordert jährliche Wiederbelebungsübungen an allen Schulen
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Hermann Gröhe, hat sich mit Nachdruck für regelmäßige Wiederbelebungsübungen an Schulen ausgesprochen. Der ehemalige Bundesgesundheitsminister betonte, dass ein jährliches Training von zwei Stunden pro Schuljahr "enorm helfen" würde, um die Bevölkerung besser auf Notfälle vorzubereiten.
Wissen rettet Leben
Gröhe kritisierte in einem Interview mit den Zeitungen der Mediengruppe Bayern, dass viele Menschen im Ernstfall nicht wüssten, wie sie bei einem Herzstillstand reagieren sollen. "Viele trauen sich nicht zu helfen - aus Angst, dabei etwa eine Rippe zu brechen", erklärte der DRK-Präsident. Dabei könnten Umstehende mit einer einfachen Herzdruckmassage bereits lebensrettende Maßnahmen einleiten.
Die drei Grundregeln der Wiederbelebung sind einfach:
- Prüfen: Durch Schütteln an den Schultern kontrollieren, ob die Person reagiert und atmet
- Rufen: Den Rettungsdienst über die Nummer 112 alarmieren
- Drücken: Mit einer Frequenz von etwa 100 Mal pro Minute fünf Zentimeter tief auf den Brustkorb drücken
Bundesländer gehen voran
Der Vorschlag ist nicht neu: Bereits 2014 empfahl die Kultusministerkonferenz den Bundesländern, zwei Schulstunden pro Jahr für Erste-Hilfe-Übungen einzuplanen. Inzwischen haben mehrere Länder konkrete Maßnahmen umgesetzt:
- Nordrhein-Westfalen führt ab dem Schuljahr 2026/27 verpflichtenden Wiederbelebungsunterricht ein und stattet etwa 2100 Schulen mit Übungspuppen aus
- Hessen implementiert das Programm schrittweise in allen weiterführenden Schulen
- Niedersachsen plant die Aufnahme von Reanimationstechniken ab 2026 in den Lehrplan
- Baden-Württemberg bietet bereits seit Jahren verschiedene Erste-Hilfe-Angebote an Schulen an
Verteidigungsfähigkeit umfassend denken
Gröhe erweiterte seine Forderungen auf den Bereich der zivilen Verteidigungsfähigkeit. "Man darf Verteidigungsfähigkeit nicht ausschließlich militärisch verstehen", betonte der DRK-Präsident. Mittel aus dem Sondervermögen sollten seiner Ansicht nach stärker in den Bevölkerungsschutz fließen, insbesondere in den Aufbau eines Netzes krisenfester Krankenhäuser.
Der Präsident verwies dabei auf Pläne für mobile Betreuungsmodule, die im Krisenfall bis zu 5000 Menschen versorgen und unterbringen könnten. Ursprünglich seien zehn solcher Einheiten geplant gewesen, aktuell existierten jedoch nur "eineinhalb", kritisierte Gröhe. Mit Kosten von 35 Millionen Euro pro Einheit wäre die Gesamtinvestition von 350 Millionen Euro im Vergleich zu den Ausgaben für militärische Verteidigung überschaubar.
Die regelmäßige Schulung in Wiederbelebungstechniken könnte nach Einschätzung von Experten die Überlebenschancen bei Herzstillständen deutlich erhöhen und die Bereitschaft zur Ersten Hilfe in der Bevölkerung stärken.



