Duale Ausbildung verliert weiter an Attraktivität: Rückgang der Neuverträge setzt sich fort
Im vergangenen Jahr haben in Deutschland erneut weniger junge Menschen den Weg einer dualen Ausbildung eingeschlagen. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen einen deutlichen Abwärtstrend, der sich nun bereits über zwei Jahre hinweg fortsetzt.
Zahlen belegen anhaltenden Rückgang
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 461.800 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dies entspricht einem Rückgang von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits 2024 war die Zahl der neuen Auszubildenden gesunken, nachdem in den Jahren 2021 bis 2023 noch leichte Zuwächse nach der Corona-Flaute zu verzeichnen waren.
Mit diesem Rückgang der Ausbildungsanfänger über zwei Jahre in Folge ist auch die Gesamtzahl der Auszubildenden gesunken: um 0,8 Prozent auf 1.207.900 Personen. Die Entwicklung wirft Fragen zur langfristigen Attraktivität der dualen Berufsbildung auf.
Industrie bleibt führender Ausbildungsbereich
Größter Bereich bleibt nach wie vor die Industrie und der Handel mit etwa 677.100 Auszubildenden. Damit stellt dieser Sektor weiterhin den Löwenanteil der dualen Ausbildung in Deutschland. Es folgen das Handwerk mit 342.700 und die freien Berufe mit 113.100 Auszubildenden.
Die Industrie zeigt sich damit als stabiler Pfeiler der beruflichen Bildung, während andere Bereiche mit größeren Schwankungen zu kämpfen haben.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bleiben ausgeprägt
Junge Männer sind mit einem Anteil von 64 Prozent deutlich stärker in den Ausbildungsberufen vertreten als junge Frauen. Besonders hoch ist der männliche Anteil bei Berufsanfängern im Handwerk mit 81 Prozent und in der Landwirtschaft mit 74 Prozent.
Junge Frauen sind hingegen eher in den freien Berufen wie medizinische Fachangestellte oder Rechtsanwaltsfachangestellte (89 Prozent) oder im Öffentlichen Dienst (63 Prozent) zu finden. Diese geschlechtsspezifische Verteilung zeigt, dass traditionelle Rollenbilder in der Berufswahl weiterhin eine bedeutende Rolle spielen.
Langfristige Entwicklung gibt Anlass zur Sorge
Die anhaltende Abnahme der Ausbildungsanfänger über zwei Jahre hinweg deutet auf strukturelle Veränderungen im deutschen Bildungssystem hin. Während die duale Ausbildung lange Zeit als Erfolgsmodell galt, scheint sie zunehmend an Attraktivität zu verlieren.
Experten sehen verschiedene Gründe für diese Entwicklung:
- Die steigende Zahl von Studienanfängern an Hochschulen
- Veränderte Berufswünsche und Erwartungen der jungen Generation
- Demografischer Wandel und sinkende Schülerzahlen
- Wirtschaftliche Unsicherheiten und veränderte Arbeitsmarktstrukturen
Die Politik steht vor der Herausforderung, die duale Ausbildung wieder attraktiver zu gestalten und gleichzeitig die Qualität der beruflichen Bildung zu sichern. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels wird eine starke berufliche Bildung immer wichtiger für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.



