»Existenzangst begleitet mich ständig«: #IchBinHanna-Mitgründerin Bahr verlässt die Wissenschaft
Existenzangst: #IchBinHanna-Mitgründerin verlässt Wissenschaft

»Existenzangst begleitet mich ständig«: Warum #IchBinHanna-Mitgründerin Amrei Bahr die Wissenschaft verlässt

Amrei Bahr wurde als Mitgründerin der Initiative #IchBinHanna bekannt, die sich gegen die weit verbreiteten Kettenbefristungen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen einsetzt. In einem aktuellen Interview mit Marc Hasse vom 24. Februar 2026 berichtet die Forscherin nun über ihre Entscheidung, den Job in der Wissenschaft aufzugeben. Ihre Beweggründe sind tiefgreifend und spiegeln eine systemische Krise im akademischen Bereich wider.

Permanente Unsicherheit und das Ende der Geduld

»Ich habe keine Lust mehr auf das Bewährungsspiel«, erklärt Bahr mit deutlichen Worten. Die permanente Unsicherheit, die mit befristeten Verträgen einhergeht, hat sie über Jahre hinweg begleitet. »Existenzangst ist ein ständiger Begleiter«, schildert sie die psychische Belastung, die viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler teilen. Diese Angst beeinflusst nicht nur die berufliche Planung, sondern dringt auch in das private Leben ein.

Bahr beschreibt, wie Freundschaften und soziale Kontakte unter der prekären Arbeitssituation leiden. Die ständige Suche nach der nächsten Stelle, das Bewerbungsmarathon und die finanziellen Sorgen lassen wenig Raum für ein ausgeglichenes Privatleben. »Man vernachlässigt Beziehungen, weil man einfach keine Energie mehr hat«, so ihre eindringliche Schilderung. Dieses Phänomen ist kein Einzelfall, sondern charakteristisch für eine Generation, die unter den Bedingungen des aktuellen Wissenschaftssystems arbeitet.

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Was die junge Generation besser macht

Im Gespräch mit Hasse betont Bahr jedoch auch positive Aspekte. Sie sieht in der jungen Generation ein gesteigertes Bewusstsein für Arbeitsrechte und eine größere Bereitschaft, für Veränderungen einzutreten. »Wir lassen uns nicht mehr alles gefallen«, stellt sie fest. Die Initiative #IchBinHanna selbst ist ein Beispiel dafür, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam gegen unfaire Arbeitsbedingungen vorgehen.

Durch soziale Medien und vernetzte Kampagnen gelingt es, Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren und politischen Druck aufzubauen. Bahr erklärt: »Die junge Generation nutzt Tools, die früher nicht verfügbar waren, um Missstände anzuprangern«. Dieser aktivistische Ansatz könnte langfristig zu Reformen im Hochschulbereich führen, auch wenn Bahr persönlich nun einen anderen Weg einschlägt.

Ein System unter Druck

Der Fall von Amrei Bahr wirft ein Schlaglicht auf die strukturellen Probleme im deutschen Wissenschaftsbetrieb. Kettenbefristungen sind nach wie vor an der Tagesordnung und führen zu einer hohen Fluktuation unter Forschenden. Viele talentierte Köpfe verlassen die Wissenschaft frühzeitig, was langfristig die Innovationskraft des Landes gefährden könnte.

Bahr resümiert: »Es ist traurig, dass so viel Potenzial verloren geht, weil das System keine Sicherheit bietet«. Ihr Abschied aus der Forschung ist somit nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch ein Symptom für eine überfällige Debatte über die Zukunft der wissenschaftlichen Karrierewege in Deutschland. Die Frage bleibt, ob Initiativen wie #IchBinHanna nachhaltige Veränderungen bewirken können, bevor weitere Fachkräfte dem Druck weichen.

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