Einstimmige Wahl beendet jahrelange Hängepartie an der Freien Universität Berlin
Die Freie Universität Berlin hat eine neue Kanzlerin: Der Erweiterte Akademische Senat wählte Andrea Güttner am Mittwoch einstimmig mit 55 von 55 Stimmen zu ihrer neuen Verwaltungschefin. Sie soll das Amt zum 1. Juli 2026 offiziell übernehmen, nachdem sie die Geschäfte bereits seit mehr als vier Jahren kommissarisch geführt hatte. Diese Wahl markiert das Ende einer der zähesten und längsten Personalaffären in der Geschichte der Berliner Hochschullandschaft.
Hintergrund einer turbulenten Personalgeschichte
Andrea Güttner hatte die Aufgaben der Kanzlerin bereits seit dem Jahr 2022 wahrgenommen, nachdem ihre Vorgängerin Andrea Bör von der damaligen Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne) zwangsbeurlaubt worden war. Der Konflikt eskalierte, als Bör im Jahr 2021 an allen universitären Gremien vorbei eine Personalagentur beauftragte, um einen Gegenkandidaten zum amtierenden FU-Präsidenten Günter M. Ziegler zu finden. Dieser Vorgang wurde vom damaligen Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) öffentlich als "inakzeptabel" bezeichnet.
Es folgten eine Reihe von institutionellen und juristischen Auseinandersetzungen:
- Ein Misstrauensvotum des Akademischen Senats gegen die damalige Kanzlerin
- Die Einleitung eines umfangreichen Disziplinarverfahrens
- Jahrelange gerichtliche Streitigkeiten vor verschiedenen Instanzen
Erst im Januar dieses Jahres scheiterte Andrea Bör vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg mit ihrem Versuch, die Neubesetzung ihrer ehemaligen Stelle zu verhindern. Die Senatsverwaltung für Wissenschaft hatte bereits im November 2024 Disziplinarklage gegen sie erhoben. Während der gesamten Dauer ihres Dienstverbots soll Bör weiterhin ihr volles Gehalt von rund 10.000 Euro monatlich bezogen haben.
Andrea Güttner: Erfahrene Wissenschaftsmanagerin übernimmt verantwortungsvolle Aufgaben
Andrea Güttner, Jahrgang 1971, gilt als erfahrene und kompetente Wissenschaftsmanagerin. Ihr einstimmiges Wahlergebnis wird allgemein als starkes Signal der Universität interpretiert, dass die neue Verwaltungsspitze breite Unterstützung innerhalb der akademischen Gemeinschaft genießt. Die Wahl erfolgte auf direkten Vorschlag von Präsident Günter M. Ziegler, der selbst erst Ende Januar für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden war – allerdings mit deutlich weniger Rückhalt: Er erhielt 39 von 59 abgegebenen Stimmen, während 20 Mitglieder des Erweiterten Akademischen Senats gegen ihn stimmten.
Güttner muss nun noch formell vom Berliner Senat bestellt werden. Als Kanzlerin der Freien Universität Berlin wird sie verantwortlich sein für:
- Den gesamten Universitätshaushalt
- Personalangelegenheiten und -entwicklung
- Die IT-Infrastruktur der Hochschule
- Die bauliche Infrastruktur und deren Entwicklung
Diese Aufgaben gewinnen angesichts der massiven Kürzungen des Berliner Senats im Hochschulbereich besonderes Gewicht. Die Freie Universität Berlin weist im aktuellen Jahr einen Fehlbetrag von knapp 43 Millionen Euro aus, was die finanzielle Herausforderung für die neue Kanzlerin unterstreicht.
Neuanfang nach Jahren der Unsicherheit
Die einstimmige Wahl von Andrea Güttner zur neuen Kanzlerin der Freien Universität Berlin beendet nicht nur eine jahrelange Personalaffäre, sondern schafft auch die Grundlage für einen Neuanfang in der Universitätsverwaltung. Nach Jahren der Unsicherheit und öffentlichen Auseinandersetzungen kann sich die Hochschule nun wieder auf ihre Kernaufgaben in Forschung und Lehre konzentrieren. Die breite Unterstützung, die Güttner bei ihrer Wahl erhielt, deutet auf einen Konsens innerhalb der Universität hin, der für die Bewältigung der bevorstehenden finanziellen und strukturellen Herausforderungen von entscheidender Bedeutung sein wird.



