Nach 120 Strafanzeigen: Ministerium finanziert Image-Film für Gewaltschule in Ludwigshafen
Image-Film für Gewaltschule mit Steuergeldern finanziert

Nach 120 Strafanzeigen und 100 Feuerwehreinsätzen: Ministerium bezahlt Image-Film für berüchtigte Gewaltschule

Seit Februar kontrollieren regelmäßig Polizisten die „Karolina-Burger-Realschule plus“ in Ludwigshafen. Amok-Alarm, Messerangriffe, Schläge und Reizgas-Einsätze – alles an einer einzigen Bildungseinrichtung! Doch statt die zahlreichen Vorfälle an der Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen schonungslos aufzuklären und wirksame Anti-Gewalt-Maßnahmen zu ergreifen, scheint sich das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz vor der anstehenden Landtagswahl offenbar mehr um das öffentliche Image zu sorgen. Denn aktuell wird dort mit Steuergeldern ein professioneller Film produziert.

Filmprojekt statt Gewaltprävention

Es erinnert fast an den Kino-Hit „Fack ju Göthe“: Ein cooler Lehrer mischt eine Problemschule auf und bringt mit ungewöhnlichen Lehrmethoden die Jugendlichen zur Vernunft. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass im Fall der „Karolina-Burger-Realschule plus“ in Ludwigshafen nun ein Sonderschullehrer und Reggae-Sänger mit den Schülerinnen und Schülern einen Image-Film dreht. Dieser soll demonstrieren, wie eine Schulgemeinschaft zusammenhält. Die traurige Realität sah bisher jedoch ganz anders aus: In nur drei Jahren kam es an der Schule zu mehr als 120 Strafanzeigen und über 100 Feuerwehr-Einsätzen. Verzweifelte Lehrer verfassten sogar einen zehnseitigen Brandbrief ans Bildungsministerium – unter anderem wegen brutaler Gewaltvorfälle und konkreter Morddrohungen wie „Ich schieße euch alle ab!“.

Ministerium bestätigt Finanzierung

Schulleiter Oliver Kästel soll laut Auskunft von Lehrerkollegen hinsichtlich des Image-Films von einem „Geschenk des Bildungsministeriums“ gesprochen haben. Nach Informationen des „Mannheimer Morgen“ soll das YouTube-Video mehrere zehntausend Euro kosten. Das Bildungsministerium bestätigte auf Anfrage: „Bei dem Projekt geht es darum, dass unter Anleitung des externen Trainers Markus Okuesa („Oku“) ein Image-Film für die Schule erstellt wird, zu dem alle Klassen verschiedene Beiträge leisten sollen, beispielsweise Videos, Tanz oder Kunst.“ Dies sei ein ausdrücklicher Wunsch der Schülervertretung gewesen. Der Musiker arbeite zwar ehrenamtlich, doch: „Das Filmteam stellt eine branchenübliche Rechnung. Diese wird aus Mitteln des Startchancen-Programms beglichen.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Politische Kontroverse vor Landtagswahl

Okuesa berichtete lokalen Medien zufolge, dass der Film bereits Mitte März fertiggestellt werden soll – also noch vor der entscheidenden Landtagswahl am 22. März, wo ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU erwartet wird. Jenny Groß (40), bildungspolitische Sprecherin der CDU im Landtag, kommentierte scharf: „Das ist ein Wahlwerbegeschenk an die Genossen auf Kosten der Steuerzahler und verdeckt einmal mehr die tiefgreifenden Probleme in der Bildungspolitik.“ Das Ministerium dementierte diese Darstellung und betonte, der Film werde erst „nach den Osterferien zur Vorführung bereitstehen“.

Chaotische Dreharbeiten ohne Konzept

Lehrer berichteten nach Informationen, dass weder Einverständniserklärungen der Eltern für die Dreharbeiten vorlagen noch ein offizieller Beschluss der Lehrerkonferenz gefasst wurde. Entsprechend chaotisch seien die Abläufe gewesen. Ein Pädagoge schilderte wörtlich: „Die Jugendlichen waren entweder auf dem Schulhof mit Oku oder im Musiksaal mit Tänzern beschäftigt, oder sie haben sich einfach verdrückt.“ Eine durchdachte Anti-Gewalt-Strategie für die Problemschule existiere hingegen bis heute nicht – trotz der alarmierenden Vorfälle der vergangenen Jahre.

Die Situation an der Karolina-Burger-Realschule plus zeigt ein grundlegendes Dilemma: Während dringend benötigte Gewaltpräventionsmaßnahmen ausbleiben, werden öffentliche Mittel für Image-Projekte eingesetzt. Die politische Debatte um den richtigen Umgang mit Gewalt an Schulen wird durch den Zeitpunkt der Filmproduktion unmittelbar vor der Landtagswahl zusätzlich angeheizt. Kritiker fragen zu Recht, ob hier tatsächlich das Wohl der Schüler oder eher politisches Kalkül im Vordergrund steht.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration